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Sport-Kita in der Plaisir wird deutlich teurer

Die Baukosten liegen um 1,8 Millionen Euro über der Schätzung. Ab Juni 2022 sollen in dem Neubau 120 Kinder betreut werden.

Momentan sind Kindergartenkinder noch in provisorischen Containerbauten untergebracht. Archivfoto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Momentan sind Kindergartenkinder noch in provisorischen Containerbauten untergebracht. Archivfoto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Die Hiobsbotschaften für den Backnanger Gemeinderat reißen nicht ab: Nachdem vor drei Wochen bekannt geworden war, dass der Neubau der Karl-Euerle-Halle rund drei Millionen mehr kosten wird als geplant, wird nun auch die neue Sport-Kita in der Plaisir wesentlich teurer. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 9,3 Millionen Euro – beim Baubeschluss vor zwei Jahren war noch von 7,5 Millionen Euro die Rede.

Baudezernent Stefan Setzer erinnerte die Gemeinderäte bei ihrer jüngsten Sitzung allerdings daran, dass man schon damals darauf hingewiesen habe, dass die Kostenschätzung nur eine Momentaufnahme sei. Denn die Baukosten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Zuletzt seien die Preise sogar noch schneller gestiegen als prognostiziert – auch Corona habe daran nichts geändert. Trotz der zusätzlichen Kosten von rund 1,8 Millionen Euro sei das neue Kita-Gebäude allerdings „im wirtschaftlich gut vertretbaren Rahmen“, sagte Hochbauamtsleiter Andreas Stier. Die Stadt rechnet mit Zuschüssen von rund einer Million Euro von Bund und Land.

Gebaut werden soll die neue, sechsgruppige Tagesstätte neben der Plaisirschule von einem Generalunternehmer. Für die Stadt hat diese Vorgehensweise den Vorteil, dass sie keine nachträglichen Kostensteigerungen mehr befürchten muss. Ab der Auftragsvergabe liegt das Risiko beim Generalunternehmer. Dieser ist dann auch dafür verantwortlich, dass das Gebäude zum vereinbarten Termin beziehbar ist. Verzögert sich dieser, ist er schadenersatzpflichtig. Für die Stadt ist dieser Aspekt nicht unerheblich, denn ein Teil der Kinder, die später in den Neubau ziehen sollen, wird zurzeit in einer Interimslösung aus angemieteten Containern betreut. „Jeder zusätzliche Tag kostet uns da Geld“, erklärte Stefan Setzer. Geplant ist derzeit, im Winter mit dem Bau zu beginnen, bis Juni 2022 soll die neue Kita fertig sein.

Der Auftrag ging an die Stuttgarter Baufirma Peter Gross, die laut Stier bereits Erfahrung mit dem Bau von Kindertagesstätten hat. In zähen Verhandlungen, in denen OB Frank Nopper persönlich sein Verhandlungsgeschick unter Beweis gestellt habe, sei es gelungen, den Preis im Vergleich zum ersten Angebot noch um rund 800000 Euro zu drücken – ohne qualitative Einbußen. Lediglich Kleinigkeiten seien im Vergleich zum ersten Angebot verändert worden. Gebaut werde in guter Qualität, aber ohne Luxus: „Es gibt keine goldenen Wasserhähne, aber auch keine Qualität, die wir schon in zehn Jahren aufwendig sanieren müssen“, so Setzer. Auch auf niedrige Unterhaltskosten und hohe energetische Standards habe man Wert gelegt. Zum Energiekonzept gehört unter anderem eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach des Neubaus. Vom Gemeinderat gab es trotz der Kostensteigerung breite Rückendeckung für das Projekt: Der Auftrag an den Generalunternehmer wurde ohne Gegenstimme erteilt, lediglich die Fraktion des Bürgerforum Backnang enthielt sich bei der Abstimmung.

Mensa versorgt auch Schüler der Plaisirschule.

Die neue Kindertagesstätte wird mit insgesamt 120 Plätzen die größte in ganz Backnang sein. Geplant sind insgesamt sechs Gruppen, darunter drei im Ganztagsbetrieb und eine Krippengruppe für Kinder unter drei Jahren. Die Stadt reagiert damit auf die stetig wachsende Nachfrage nach Betreuungsplätzen. Die neue Kita soll einen besonderen Schwerpunkt im Bereich Sport und Bewegung haben, die Stadt plant dafür eine Kooperation mit der TSG Backnang 1846.

Entworfen wurde das neue Gebäude vom Büro Stammler Architekten aus Schorndorf. Die Planer haben den Baukörper in das abschüssige Gelände eingebettet. Im vorderen Bereich hat es dadurch zwei Stockwerke, im hinteren nur eines. Das Gebäude wurde so konzipiert, dass es bei Bedarf auch anders genutzt werden kann. So könnten die Räume für die Kitagruppen zum Beispiel zu Klassenzimmern umfunktioniert werden, falls der Bedarf an Betreuungsplätzen in einigen Jahren rückläufig sein sollte.

Im Untergeschoss der neuen Kita ist eine Mensa geplant, die auch die Schüler der benachbarten Plaisirschule mit Essen versorgen soll. Unklar ist momentan noch, welche Küchenausstattung dafür benötigt wird. Falls vor Ort frisch gekocht wird, wäre die Küche um rund 110000 Euro teurer als bei einer sogenannten Ausgabeküche, in der nur angeliefertes Essen serviert wird. Welche Variante benötigt wird, hänge vom künftigen Mensakonzept für ganz Backnang ab, erklärte Regine Wüllenweber, die das Amt für Familie, Jugend und Bildung leitet. Grundsätzlich sei es das Ziel der Stadt, dass das Essen möglichst für alle Kinder frisch gekocht wird. Allerdings sei momentan noch nicht klar, an welchen Standorten dies geschehen soll. Der Gemeinderat erteilte der Verwaltung deshalb eine Vollmacht, bei Bedarf die teurere Küchenvariante zu bestellen.

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Erstellt:
1. Juli 2020, 06:00 Uhr

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Wohnungsbau in Backnang. Archivfoto: A. Becher
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