Sportplatz ohne Genehmigung gebaut

Der neue Allwetterplatz in Oberbrüden ist bereits seit Anfang Mai fertig. Aber er darf noch immer nicht betreten werden. Woran liegt’s? Es gab keine Baugenehmigung. Und deshalb keine Abnahme. Die Baugenehmigung wurde erst vor sechs Tagen erteilt.

Fertig oder nicht? Theoretisch schon, doch in der Umsetzung hapert‘s: Der Sportplatz wurde noch nicht abgenommen.

© Alexander Becher

Fertig oder nicht? Theoretisch schon, doch in der Umsetzung hapert‘s: Der Sportplatz wurde noch nicht abgenommen.

Von Florian Muhl

AUENWALD. Stefan Schaffroth ist stinksauer. „Wie kann es sein, dass am 10. Mai auf der Internetseite beziehungsweise Facebookseite der Gemeinde Auenwald verkündet wird: Der Sportplatz ist fertig und abgenommen?“ Der Abteilungsleiter Fußball beim TSV Oberbrüden hat sich in der jüngsten Sitzung des Auenwalder Gemeinderats erhoben und sich beim Punkt „Fragestunde für Einwohner“ zu Wort gemeldet. „Jetzt stehen wir da, fast zwei Monate nach dieser Meldung, und können nichts machen, dürfen den Platz nicht betreten und die Kinder können keinen Sport machen. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit“, schimpft Schaffroth.

„Wie das alles gelaufen ist, tut mir auch persönlich sehr leid.“

Betretenes Schweigen in der Riege der Gemeindeverwaltung. Schließlich greift Kai-Uwe Ernst zum Mikrofon. Anmerkung am Rande: Offensichtlich ist es das einzige Mikrofon, das zur Verfügung steht. Die Akustik in der Auenwaldhalle ist miserabel, Wortbeiträge von Gemeinderäten sind kaum zu verstehen. Mehrere der rund 25 Zuhörer melden sich deshalb zu Wort, aber es wird an diesem Abend nicht besser. Ob es am Thema liegt, das noch zu einem sehr unangenehmen werden sollte? Weitere Anmerkung am Rande: Die kleine Gemeinde Burgstetten macht’s vor. Dort hat jeder Gemeinderat in der Halle sein eigenes Mikrofon.

Zurück nach Auenwald. „Wie das alles gelaufen ist, tut mir auch persönlich sehr leid. Es gab Missverständnisse in der Hinsicht, dass veröffentlicht wurde, dass der Sportplatz fertig ist. Er war zwar fertig, aber nicht in dem Sinn, dass er abgenommen wurde“, antwortet Ernst auf Schaffroths Einlassung. Der Abteilungsleiter gibt sich noch nicht zufrieden. „Fertig und abgenommen, von Herrn Büttner und Herrn Ostfalk, stand da. Wenn’s nicht so ist, woran liegt’s denn?“

Wieder betretenes Schweigen. Schließlich wendet sich Wolfram Gruner an Schaffroth: „Sie haben zwar den neuen Bürgermeister Herrn Ernst angesprochen, aber das war vor seiner Zeit“, verteidigt der Sprecher der Freien Wählervereinigung Auenwald (FWA) den Bürgermeister. Der 27-Jährige leitet an diesem Abend seine erste Gemeinderatssitzung. „Ich hab’ auch gelesen, der Sportplatz sei abgenommen“, fährt Gruner fort. „Aber das ist ganz offensichtlich nicht der Fall.“

Irritiert fragt Gemeinderätin Tanja Aberle von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWA) in Richtung Verwaltungstisch: „Aber woran liegt’s denn? Warum ist die Abnahme noch nicht passiert?“ Jetzt spricht der neue Bürgermeister Klartext: „Es gibt keine Baugenehmigung. Und ohne Baugenehmigung keine Abnahme.“ Die Anzahl der ratlosen Ratsgesichter nimmt zu. Hat die Nachricht, dass der ehemalige Bürgermeister einen neuen Sportplatz ohne Baugenehmigung baut und dann noch verkündet, er sei abgenommen, nicht allein schon das Potenzial für einen Schildbürgerstreich, setzt Gruner dem Ganzen noch eins drauf: „Es gibt nicht einmal für den alten Sportplatz eine Baugenehmigung.“ Einige Räte schütteln den Kopf. „Es ist traurig, aber wahr. Der Gemeinderat, zumindest unsere Fraktion, hat davon nichts gewusst“, sagt Volker Wengert von der Neuen Liste (NL). Und weiter: „Wir sind auch entsetzt darüber, dass es so gelaufen ist.“

Wie ist das möglich, ein Sportplatz ohne Baugenehmigung? Helmut Wagner, Leiter des zuständigen Baurechtsamts in Backnang, der bis zum Wochenende im Urlaub weilte, bringt auf Anfrage unserer Zeitung Licht ins Dunkel. „Fakt ist, dass ein Sportplatz bei der Neuanlegung immer eine Baugenehmigung braucht“, so Wagner gestern beim Pressetermin. Beim vorliegenden Fall wurde aus einem Rasenplatz ein Kunstrasenplatz erstellt, und somit die Nutzung „wesentlich intensiviert“. Mit anderen Worten: Auf dem Allwetterplatz kann man fast bei jedem Wetter spielen, also viel öfter als auf Naturrasen. Die Folge: „Auch hier ist zwingend eine Baugenehmigung notwendig.“ So war es jetzt unter anderem die Aufgabe des Baurechtsamts, die Sportanlagenlärmschutzverordnung neu zu bewerten.

„Auch das Landratsamt saß intensiv mit im Boot.“

Nachdem der Auenwalder Gemeinderat im September den Beschluss gefasst hatte, einen Allwettersportplatz in der Gemeinde zu bauen, hat der ehemalige Bürgermeister Karl Ostfalk den Bauantrag dafür am 11. Februar 2020 beim Baurechtsamt eingereicht. Wagner sagt, dass es in diesem Bereich in Oberbrüden noch keinen Bebauungsplan gab. Rechtlich gesehen handele es sich um einen Außenbereich, sodass „deswegen auch das Landratsamt intensiv mit im Boot gewesen ist“. Das habe das Baurechtsamt hinsichtlich des Naturschutzes, des Wasserrechts, des Bodenschutzes und des Immissionsschutzes beteiligen müssen. Dafür habe man viele Unterlagen von der Gemeinde benötigt, die diese nach und nach, erst zügig, dann eher schleppend, nachgereicht habe.

„Was extrem lange gedauert hat, war eine Begründung für den Eingriff in den Gewässerrandstreifen vom Warzenbach“, sagt Wagner. Diese sei erst am 10. Mai diesen Jahres eingegangen. Die diesbezüglich positive Stellungnahme vom Landratsamt sei am 9. Juni in Backnang eingegangen und am 23. Juni habe dann das Baurechtsamt die Baugenehmigung für den Allwettersportplatz erteilt.

Zum Schluss noch die Frage an Wagner, was gewesen wäre, wenn das Baurechtsamt Kenntnis davon erlangt hätte, dass in Oberbrüden der Sportplatz ohne Baugenehmigung gebaut wird? „Dann hätten wir uns überlegt, ob wir die Bauarbeiten einstellen und den Weiterbau untersagen“, antwortet der Chef des Baurechtsamts, und ergänzt: „Das ist eine Ermessensentscheidung.“ In diesem Fall sei aber klar gewesen, dass der Platz letztlich genehmigungsfähig sei.

Wer baut denn einen Sportplatz ohne Baugenehmigung? Die Planungs- und Bauleitungsgesellschaft Knecht in Ludwigsburg hatte im vergangenen Jahr den Zuschlag für die Planung erhalten. „Wir hatten die Vorgabe von der Gemeinde, den Platz zu bauen, auch wenn die Baugenehmigung noch auf dem Weg ist, aber mit Bauchweh“, erklärt Jochen Wilfert, der Leiter des Büros, auf Anfrage. „Ehrlich gesagt, ich war auch erstaunt, als mich Herr Ernst nach der Gemeinderatssitzung anrief und mir auch gesagt hat: Wir haben sie noch nicht da.“ Ostfalk habe damals gesagt: „Baut, das ist jetzt einne Formsache.“ Auf die Frage, ob es üblich sei, ohne Baugenehmigung und roten Punkt zu bauen, sagt Wilfert: „Nein, das ist zum Glück nicht die Praxis. Wir machen es normalerweise nicht.“

Jetzt, wo die Baugenehmigung vorliegt, geht’s voran. Heute Nachmittag steht in Oberbrüden die Abnahme von den beiden am Bau beteiligten Firmen Büro Knecht und Sportstättenbau Garten-Moser aus Essingen auf dem Programm. Letztere hat laut Ernst auch einen Zwei-Jahres-Pflegevertrag für den Platz in der Tasche. Die baurechtliche Abnahme wird ebenfalls sehr zeitnah erfolgen, sodass dem Start des Sportbetriebs kaum mehr etwas im Weg stehen dürfte.

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Erstellt:
29. Juni 2021, 06:00 Uhr

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