Folgen des Iran-Kriegs

Spritpreis von 2,50 Euro und mehr? Jetzt ist alles möglich

Der Iran-Krieg hat zunehmend Folgen für die Wirtschaft in Deutschland. Vor allem Autofahrer merken es an der Zapfsäule. Und das Ende des Preisanstieges für Sprit sei noch lange nicht erreicht, warnen Experten.

Nirgendwo in Europa sind die Spritpreise in der vergangenen Woche so stark gestiegen wie in Deutschland.

© Harald Tittel/dpa

Nirgendwo in Europa sind die Spritpreise in der vergangenen Woche so stark gestiegen wie in Deutschland.

Von Markus Brauer/AFP

Der Ölpreis ist deutlich über die Schwelle von 100 Dollar gestiegen. Ein Barrel kostete am Montag (9. März) im asiatischen Handel zeitweise fast 120 Dollar, der Ölpreis lag damit auf den höchsten Stand seit 2022. Auch der Gaspreis steigt weiter stark.

Ölpreise gehen durch die Decke

  • Der Ölpreis legte am Montag binnen weniger Stunden um bis zu 30 Prozent zu.
  • Im asiatischen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent in der Spitze mehr als 119 Dollar und notierte gegen 13.40 Uhr (MEZ) bei rund 102 Dollar.
  • Für die US-Sorte WTI wurden zwischenzeitlich ebenfalls mehr als 119 Dollar aufgerufen, der Preis lag gegen 13.40 Uhr bei knapp 100,40 Dollar.
  • Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran sprang der Preis für WTI damit um rund 60 Prozent. Einen so drastischen Anstieg in so kurzer Zeit gab es noch nie.
  • Auch der Preisanstieg beim Erdgas hielt an. Am Montagmorgen schnellte der niederländische TTF-Kontrakt, der als wichtigster europäischer Referenzwert gilt, rund 30 Prozent in die Höhe. Er notierte zeitweise bei 69,70 Euro.

Straße von Hormus dicht – das sind die Folgen

Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, de facto gesperrt. Die Meerenge zwischen der arabischen Halbinsel und dem Iran wird vom iranischen Militär kontrolliert.

Als Folge des immer weiter steigenden Ölpreises sinken die Börsenkurse. In Paris, Frankfurt und London gaben die Kurse jeweils um ein bis zwei Prozent nach. Zum Beginn des Handelstags an der New Yorker Wall Street lagen alle wichtigen Aktienindizes um mindestens ein Prozent im Minus.

Zuvor waren in Asien wichtige Börsen eingebrochen: In Japan lag der Aktienindex Nikkei zum Handelsschluss über fünf Prozent im Minus. In Südkorea gaben die Kurse knapp sechs Prozent nach. Die asiatischen Länder sind stark abhängig von Öl und Gas aus Nahost.

G7-Staaten beraten über Freigabe der strategischen Reserven

Die Finanzminister der G7-Staaten, zu denen auch Japan gehört, wollten noch am Montag über eine mögliche Freigabe von Erdöl aus strategischen Reserven sprechen. „Der Rückgriff auf die strategischen Reserven ist eine Option“, gibt der französische Präsident Emmanuel Macron zu bedenken.

Die Internationale Energieagentur (IEA) verpflichtet ihre Mitglieder, ständig Ölbestände vorzuhalten, die mindestens 90 Tagen Netto-Importen entsprechen. Damit sollen Schocks wie ein länger andauernder Konflikt im Nahen Osten abgefedert werden.

So viel kostet der Sprit in Deutschland

  • An den deutschen Tankstellen kostete Super E10 nach Angaben des ADAC am Montagnachmittag um 14.30 Uhr 2,056 Euro pro Liter, Diesel 2,202 Euro.
  • Am Sonntag (8. März) hatte der Autofahrerclub Tagesdurchschnittspreise von 1,984 Euro für Super E10 und 2,117 Euro für Diesel ermittelt.
  • Im Februar hatte der Dieselpreis im Monatsschnitt noch bei 1,722 Euro gelegen, der Benzinpreis bei 1,760 Euro.

Kanzler Merz zeigt sich „besorgt“

Auf einen Tankrabatt will sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nicht festlegen. Er wolle dazu „keine abschließende Erklärung abgeben“. Die Regierung beobachte die Preise „sehr intensiv“, sagt er lediglich. Das Bundeswirtschaftsministerium und Bundeskartellamt seien auch „in eine Prüfung eingetreten“. Er wolle dem Ergebnis dieser Prüfung nicht vorgreifen.

Zugleich betont Merz, er sei „besorgt“ wegen der steigenden Energiepreise. Er wisse, dass dies möglicherweise durchschlagen könne auf „die Konjunktur in Deutschland“, fügt er hinzu. „Und deswegen tun wir alles, um auch in der Energiepolitik unsere Unabhängigkeit zu erhöhen und durch ein verbessertes Angebot in der längeren Perspektive die Energiepreise zu senken.“

„2,50 Euro und sogar mehr pro Liter sind am Ende denkbar“.

Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) erwartet, dass der zwischenzeitig über 100 Dollar gestiegenen Ölpreis umgehend an die Autofahrer weitergeben wird. „Ich fürchte, die Ölkonzerne reichen die hohen Ölpreise sofort weiter und erhöhen die Spritpreise noch stärker“, sagt TIV-Sprecher Herbert Rabl.

„Die Vermutung drängt sich auf, dass die Mineralölkonzerne den deutschen Markt nutzen, um zu sehen, was geht: Auch 2,50 Euro und sogar mehr pro Liter sind am Ende denkbar“.

„Die Tankstellenpächter werden an den sprudelnden Gewinnen nicht beteiligt. Sie bekommen den Ärger der Verbraucher ab und ein oder zwei Cent Provision je verkauftem Liter Sprit“, fügt Rabl hinzu. „Zugleich verderben die hohen Preise die Stimmung und damit das Shop-Geschäft, das zirka 60 Prozent der Einnahmen ausmacht.“

Deutschland ist Spitzenreiter bei Spritpreisen in Europa

Nirgendwo in Europa seien die Spritpreise in der vergangenen Woche so stark gestiegen wie in Deutschland, betont Rabl. „Meine Vermutung: Die Konzerne wissen, dass sie von Bundesministerin (Katharina) Reiche (CDU) nichts zu befürchten haben.“

Die Tankstellen regen eine Regulierung wie in Österreich an. „Die Regierung kann wie in Österreich eine Regel erlassen, dass die Konzerne nur noch einmal am Tag den Preis erhöhen dürfen und danach nur noch absenken dürfen“, erklärt der TIV-Sprecher. „In Österreich liegt der Spritpreis aktuell nur bei 1,70 Euro.“

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Erstellt:
10. März 2026, 09:46 Uhr

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