„Spüren, was die Landwirte bewegt“

Michael Stuber aus Pfaffenhofen ist der neue Leiter des Landwirtschaftsamts in Backnang – Nachfolger von Georg Enssle

Er kommt aus der Heilbronner Gegend, seine Spezialität ist der Weinbau, er weiß aber auch ganz genau, wo Schweinemast- und Milchviehbetrieben der Schuh drückt: Michael Stuber, 37 Jahre, ist der neue Leiter des Landwirtschaftsamts in Backnang. Er hat zum 1. September die Nachfolge das langjährigen Amtsleiters Georg Enssle angetreten.

Michael Stuber, der neue Chef des Landwirtschaftsamts, hat seinen Amtssitz im Landratsamt in Backnang. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Michael Stuber, der neue Chef des Landwirtschaftsamts, hat seinen Amtssitz im Landratsamt in Backnang. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. „Es war ein perfekter Übergang“, sagt Stuber – nicht nur, weil der Wechsel nahtlos erfolgt ist, sondern vor allem auch, weil sein Vorgänger Enssle, der bis August im Dienst war, dem Nachfolger, der bereits im Haus war, noch viele Informationen und Tipps an die Hand geben konnte. „Die Zeit war mir sehr wertvoll“, unterstreicht Stuber.

Der Mann, der nun an der Spitze des Landwirtschaftsamts im Rems-Murr-Kreis steht, kommt selbst aus der Landwirtschaft. Seit Generationen hat die Familie in Pfaffenhofen im Kreis Heilbronn ihren Betrieb. Der Großvater war noch Vollerwerbslandwirt, der Vater ist auf Nebenerwerb umgestiegen. Früher war es ein gemischter Betrieb mit Schweinemast, Milchwirtschaft und Weinbau; mit den Jahren rückte der Weinbau immer mehr in den Vordergrund, während die anderen Betriebszweige dahinter zurücktraten und sukzessive aufgegeben wurden. Die Trauben von der heute zwei Hektar großen Rebfläche werden an die Weingärtnergenossenschaft Cleebronn-Güglingen abgeliefert, bei der Michael Stuber ein Aufsichtsratsmandat ausübt.

Auf das praxisorientierte Studium folgt der Schritt in die Verwaltung

In Güglingen hat Stuber die Realschule absolviert; danach hat er im Jahr 2000 am Wirtschaftsgymnasium in Heilbronn das Abitur gemacht. Nach zehnmonatigem Grundwehrdienst in Ulm ist er zum Studium der allgemeinen Agrarwissenschaften an die Universität Hohenheim gegangen. Schwerpunktmäßig befasste er sich dort mit den stark praxisorientierten Bereichen Pflanzenbau und Agrartechnik, wo es einerseits um Düngen, Pflanzenschutz, Sortenwahl und Züchtung und andererseits um Stallbau und die Funktionsweise von Maschinen ging.

Doch seine Zukunft lag – anders als ursprünglich vorgesehen – nicht im Betrieb, der sich als zu klein erwies. Vielmehr schlug er, nachdem er das Studium 2007 mit dem Mastertitel abgeschlossen hatte, eine Verwaltungslaufbahn ein. Er bewarb sich zunächst auf eine befristete Stelle beim Landwirtschaftsamt in Heilbronn, wo er betriebswirtschaftliche Beratung leisten und Unterricht halten musste. Und weil er spürte, dass ihm das lag, bewarb er sich 2008 wiederum auf eine befristete Stelle mit ähnlichem Aufgabenzuschnitt, nun am Landwirtschaftsamt in Backnang.

In Backnang nahm seine Karriere die entscheidende Wende: Amtsleiter Enssle riet dem jungen Mann, den höheren Dienst anzustreben. Stuber folgte der Empfehlung, absolvierte am Landwirtschaftsamt in Pforzheim von Oktober 2009 bis April 2011 das Referendariat und kam danach mit dem 2. Staatsexamen in der Tasche wieder nach Backnang, wo er nun eine dauerhafte Beamtenstelle übernehmen konnte, beratend tätig war und unter anderem auch im Weinbaukurs der Fachschule für Nebenerwerbslandwirtschaft in Backnang unterrichtete. Dann wechselte er für ein Jahr bis Mai 2018 ans Ministerium für Ländlichen Raum in Stuttgart und bewarb sich schließlich mit Erfolg auf die frei werdende Amtsleiterstelle.

In seiner neuen Funktion ist Stuber für rund 45 Mitarbeiter verantwortlich. Ein Aufgabenschwerpunkt liegt in der Bearbeitung und Kontrolle der Anträge für die Flächenförderung der EU, ferner geht es um Themen wie das Bauen im Außenbereich, Grundstücksverkehr und Agrarstruktur sowie um Beratung und Fragen der Produktionstechnik. Landwirte werden regelmäßig bei Felderbegehungen, unter anderem am Stiftsgrundhof, über aktuelle Entwicklungen informiert, pflanzenbauliche Versuche und Sortenvergleiche werden vorgenommen und Pflanzenschutzfragen thematisiert. Hinzu kommen Aufgaben wie Obstbauberatung oder Kurse für die Öffentlichkeit zu Hauswirtschaft und Ernährung.

Wichtig ist dem neuen Amtsleiter der Unterricht an der Fachschule. Die zweijährige Teilzeitausbildung zur staatlich geprüften Fachkraft erfreut sich steigender Beliebtheit, Stuber selbst unterrichtet die derzeit rund 40 Schüler in Weinbau und Betriebswirtschaft. Zudem hat er bisher auch in der Meisterausbildung in Kupferzell mitgewirkt, eine Tätigkeit, bei der er jetzt aber vorerst pausieren will. Weiter gehört er der Prüfungskommission für Landwirtschaftsmeister in Baden-Württemberg an.

Dass die Landwirtschaft immer wieder in der Kritik steht, beispielsweise wegen des Einsatzes von Glyphosat, berührt auch Stuber. Er sieht hier seine Rolle als Vermittler zwischen Verbraucher und Erzeuger. Es gelte, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, zu erklären, was Landwirte wozu machen, und Verständnis zu wecken, aber auch kritisch zu hinterfragen und Hinweise zu geben, wo die Landwirtschaft etwas für den Naturschutz tun kann.

Gleichzeitig betont Stuber, dass er die Landwirte weiterhin persönlich erreichen möchte, auch wenn sich seine Aufgabenschwerpunkte verschieben: Im Amt könne er nicht mehr so viel fachliche Arbeit leisten, da müsse er auch Zeit für Personalführung und Haushaltswesen aufbringen. Dennoch will er weiter direkten Kontakt halten, an den Themen dranbleiben und „spüren, was die Landwirte bewegt“. Das ist für ihn eine spannende Sache, nicht zuletzt, weil der Rems-Murr-Kreis eine große Vielfalt aufzuweisen habe – von Milchvieh über Ackerbau bis zu Sonderkulturen wie den Weinbau. Und nicht zuletzt betreibt der Landkreis federführend die Hagelabwehr in der Region, eine Initiative, die Stuber allen Kachelmann’schen Attacken zum Trotz voll und ganz teilt.

Zum Artikel

Erstellt:
2. Oktober 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Die Gemeinderatssitzung in Oppenweiler wird aufgezeichnet und gestreamt, also als Livevideo online übertragen, aber nicht gespeichert. Fotos: A. Becher, privat
Top

Stadt & Kreis

Demokratie im Digitalformat

In der Coronapandemie mit ihren Abstands- und Hygieneregeln drängt sich die Frage nach mehr Digitalisierung in den Entscheidungsprozessen auch auf kommunalpolitischer Ebene verstärkt auf. Doch die Ratssitzung per Mausklick ist noch fern.

Stadt & Kreis

Der Kurierfahrer war’s nicht

Nachdem ein Transporter in Oppenweiler auf ein Taxi prallte, wird das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingestellt.

Stadt & Kreis

Gegen Viren ohne Frieren

Im Kampf gegen das Coronavirus raten Experten, Räume häufig zu lüften. Im Winter kann das allerdings ungemütlich werden.Die Kirchberger Firma Kroll Energy bietet ein Luftreinigungsgerät als technische Alternative an.