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Stahlpreis-Absprache: Millionenbußen gegen Autohersteller

dpa/lni Bonn/Hannover. Ohne Stahl kein Auto - deswegen sind die Preise des Rohstoffs für Autohersteller wichtig. Ursprünglich von der Stahlindustrie unter Druck gesetzt, haben drei prominente Firmen sich auf verbotene Methoden eingelassen. Dabei geht es um eine ganz bestimmte Stahlart.

Ein Hochöfner beid er Produktion von Roheisen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Ein Hochöfner beid er Produktion von Roheisen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Das Bundeskartellamt hat wegen Preisabsprachen bei Stahl rund 100 Millionen Euro an Bußgeld gegen Volkswagen, Daimler und BMW verhängt. Die Unternehmen hätten sich von 2004 an beim Einkauf von Langstahl abgesprochen, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Die drei Autobauer haben nach Angaben der Bonner Wettbewerbshüter den Sachverhalt anerkannt und einer einvernehmlichen Beendigung des Verfahrens zugestimmt. Den beteiligten Stahlproduzenten, von denen die illegale Praxis ausging, hatte das Kartellamt 205 Millionen Euro an Strafzahlungen auferlegt.

VW zahlt nun mit 48,7 Millionen den größten Anteil. In München bezifferte BMW seinen Anteil auf 28 Millionen Euro, gegen einzelne Mitarbeiter seien keine Bußgelder verhängt worden. Daimler nannte in Stuttgart eine Summe von 23,5 Millionen Euro. Mit den Kartellvorwürfen gegen fünf Autohersteller in Sachen Diesel-Abgasreinigung hatten die Stahl-Ermittlungen nichts zu tun.

Mit Langstahl werden in der Industrie runde Stahlstäbe bezeichnet, die nach dem Schmieden etwa zum Bau von Getriebeteilen, Kurbelwellen oder Lenkstangen verwendet werden. Deren Preise setzen sich aus drei Bestandteilen zusammen: Basispreis, Legierungs- und Schrottzuschlag.

Stahl enthält je nach Güteklasse unterschiedlich hohe Anteile von Chrom, Nickel und anderen Metallen. Dafür wird der Legierungszuschlag bezahlt. Der Schrottzuschlag wird für den Anteil von Altmetall fällig, der bei der Herstellung verwendet wurde. Abgesprochen wurden einheitliche Berechnungsformeln für diese Zuschläge, nicht der Basispreis. „Schrott- und Legierungszuschläge machen einen wesentlichen Teil der Einkaufspreise bei Langstahl aus“, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt.

Auslöser der Absprachen waren in den Jahren 2003 und 2004 Drohungen der Stahlhersteller. Diese hätten „einseitig und zum Teil unter Androhung von Lieferstopps“ die Preisberechnung verändert, hieß es in der Mitteilung der Behörde. Die Autohersteller akzeptierten die Berechnungsformeln und verfuhren danach bis Anfang 2016, bis Ende 2013 gab es zweimal jährlich Treffen aller Beteiligten.

VW betonte, es handle sich „nicht um klassische Kartellverstöße wie Preisabsprachen, Gebiets- oder Kundenaufteilungen“. Die Formeln für Schrott- und Legierungszuschläge seien dem Wolfsburger Konzern von den Stahlherstellern vorgegeben wurden. „Andernfalls drohten Lieferungen auszufallen“, hieß es in der Stellungnahme. Große Auswirkungen auf die Autopreise hatten die Absprachen nicht: Das Kartellamt bezifferte den Anteil der Einkaufskosten für Langstahl an den Gesamtkosten eines Pkw auf unter ein Prozent.

Auch der Stahlhersteller Salzgitter steckt derzeit in einem Kartellverfahren. Dabei geht es allerdings nicht um das Thema Langstahl. Das Unternehmen hatte seine Risikovorsorge wegen einer drohenden Kartellstrafe bei Grobblech und Flachstahl erhöht - dies habe nichts mit dem aktuellen Auto-Fall zu tun, erklärte ein Sprecher. Im eigenen Fall strebt die Salzgitter AG wegen möglicher illegaler Preisabsprachen einen Vergleich mit den Behörden an.

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Erstellt:
21. November 2019, 14:47 Uhr

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