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Statt Straßenfest ein Gänsemarkt mit Erlebnisnacht?

Backnanger Gemeinderat bestätigt Absage des Jubiläumsfests, hält sich aber ein kleines Hintertürchen offen

Mit einem einstimmigen Votum hat der Backnanger Gemeinderat in seiner ersten Sitzung seit Beginn der Coronakrise die endgültige Absage des 50. Backnanger Straßenfestes in diesem Jahr besiegelt. Sollten größere Veranstaltungen im Herbst wieder möglich sein, könnte aber vielleicht der Gänsemarkt im Oktober um eine „Backnanger Erlebnisnacht“ erweitert werden.

Gemeinderatssitzung in Coronazeiten: Die Stadträte sitzen im Bürgerhaus mit großem Abstand voneinander und tragen zu Beginn wie OB Frank Nopper einen Mundschutz. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Gemeinderatssitzung in Coronazeiten: Die Stadträte sitzen im Bürgerhaus mit großem Abstand voneinander und tragen zu Beginn wie OB Frank Nopper einen Mundschutz. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Die erste Gemeinderatssitzung seit Ende Februar war in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Um die Abstandsregeln einzuhalten, tagte das Gremium im Bürgerhaus. Neben den 26 Stadträten befanden sich nur Oberbürgermeister Frank Nopper, Erster Bürgermeister Siegfried Janocha und Baudezernent Stefan Setzer im großen Walter-Baumgärtner-Saal, Besucher und Pressevertreter mussten auf der Empore Platz nehmen. Außerdem galt beim Betreten und Verlassen des Saals Mundschutzpflicht. Ungewohnt war auch die Dauer der Sitzung: Während der Gemeinderat sonst gerne mal drei oder vier Stunden diskutiert, war der öffentliche Teil diesmal schon nach einer knappen Stunde vorbei.

Das einzige Thema, das etwas mehr Gesprächsstoff lieferte, war die Absage des 50. Backnanger Straßenfests. Dass dieses nicht wie geplant am letzten Juni-Wochenende stattfinden kann, steht schon länger fest. OB Nopper hatte zunächst noch gehofft, das Fest stattdessen im September feiern zu können. Vor zwei Wochen machte er dann allerdings einen Rückzieher, den er jetzt im Gemeinderat noch einmal begründete. Wegen des bis 31. August geltenden Verbots für Großveranstaltungen sei ein solches Fest im Moment nicht planbar. Und selbst wenn es im September wieder erlaubt wäre, müsse man davon ausgehen, dass nur unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln gefeiert werden könne. „Wir sind der Meinung, entweder feiern wir unser Backnanger Straßenfest richtig oder gar nicht“, erklärte Nopper.

Am traditionellen Termin Ende Juni könnte sich Nopper allerdings „kleine Akzente“ vorstellen – zum Beispiel Böllerschüsse vom Stadtturm, um die
Backnanger an das ausgefallene Straßenfest zu erinnern. Die Salutschüsse der Schützengilde sind normalerweise der lautstarke Auftakt der fünften Backnanger Jahreszeit. CDU-Stadträtin Sabine Kutteroff regte an, über eine Veranstaltung im Autokino in den Etzwiesen nachzudenken. Vielleicht könne dort der traditionelle Wettbewerb für Nachwuchsbands stattfinden. Willy Härtner (Grüne) schlug vor, Bierkrüge mit Straßenfestmotiv an Sammler zu verkaufen.

Falls es die Pandemie bis dahin wieder zulässt, kann sich OB Nopper auch eine Ersatzveranstaltung im Herbst vorstellen. In diesem Fall könne man darüber nachdenken, den auf 25. Oktober terminierten Gänsemarkt um eine „Backnanger Erlebnisnacht“ am Samstagabend zu ergänzen – „zur Förderung von Lebensfreude, Gastronomie und Einzelhandel“, wie Nopper es formulierte.

Geteiltes Echo auf Noppers Vorschlag

Da eine solche Veranstaltung nur vier Wochen Vorlauf hätte, kann sich der Gemeinderat mit seiner Entscheidung bis Ende September Zeit lassen. Trotzdem gehen die Meinungen schon jetzt auseinander. CDU-Stadtrat Rolf Hettich hält nicht viel davon. „Ende Oktober wird man im Freien nicht mehr viel machen können“, vermutet er und regte stattdessen einen zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntag für den Einzelhandel an. Karl Scheib vom Bürgerforum hält größere Veranstaltungen auch im Oktober für völlig utopisch. „Wenn wir keinen Impfstoff haben, fällt das Straßenfest auch im nächsten Jahr aus“, unkte der Mediziner.

Am Ende stimmte der Gemeinderat bei fünf Enthaltungen jedoch dafür, sich diese Option offenzuhalten. „Im Moment ist alles Spekulation. Wir müssen das zu gegebener Zeit entscheiden“, erklärte die CDU-Fraktionsvorsitzende Ute Ulfert. SPD-Fraktionschef Heinz Franke findet es „legitim“, dass die Verwaltung nach Möglichkeiten sucht, wie Gastronomen und Vereine zumindest noch zu einem Teil ihrer Einnahmen kommen.

Keine Mehrheit fand hingegen ein Antrag der AfD-Fraktion, die vorgeschlagen hatte, ein „Retro-Straßenfest“ wie in den Anfangsjahren zu veranstalten, das nur von Backnanger Gastronomen und Vereinen ausgerichtet werden sollte.

Info
Wie demokratisch sind Videokonferenzen?

Acht Wochen lang haben wegen der Coronapandemie in Backnang keine öffentlichen Gemeinderats- und Ausschusssitzungen stattgefunden. Die Verwaltungsspitze informierte die Fraktionsvorsitzenden in dieser Zeit in Telefon- und Videokonferenzen über die aktuellen Entwicklungen.

Grünen-Stadtrat Willy Härtner kritisierte in der Sitzung am Donnerstag diese Vorgehensweise, weil die anderen Stadträte die Informationen nur aus zweiter Hand erhielten und Presse und Öffentlichkeit ausgeschlossen seien. „Ich bin nicht der Meinung, dass hier demokratisch verfahren wird“, so Härtner. Wegen der fehlenden Transparenz kursierten viele Gerüchte.

OB Frank Nopper zeigte Verständnis für Härtners Bedenken. Auch er sei überhaupt kein Freund von solchen Video- und Telefonkonferenzen. „Das ist Demokratie auf kleinster Sparflamme“, so Nopper. Der OB betonte allerdings auch, dass in diesen Runden keine Entscheidungen getroffen wurden: „Alles, was irgendwie aufzuschieben war, haben wir aufgeschoben.“

AfD-Stadtrat Michael Malcher brachte in diesem Zusammenhang die Möglichkeit einer Liveübertragung von Gemeinderatssitzungen ins Internet ins Spiel. Gegen diesen Vorschlag sprechen laut Hauptamtsleiter Timo Mäule aber neben datenschutzrechtlichen Bedenken auch die hohen Kosten.

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Erstellt:
9. Mai 2020, 06:00 Uhr

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