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Steinbrucherweiterung weiter unklar

Dem Regierungspräsidium Stuttgart liegt kein Antrag der Firma Klöpfer vor – Bürgerinitiative führt Verkehrszählung durch

Ob, und wenn ja, wann, eine Erweiterung des Steinbruchs der Firma Klöpfer in Rielingshausen infrage kommt, ist längst nicht entschieden. Das Thema liegt im Dorf seit gut zwölf Monaten auf dem Tisch und treibt die eigens gegen dieses Vorhaben gegründete Bürgerinitiative „Bürger gegen Steinbrucherweiterung“ um (wir berichteten). Diese hat vor Kurzem die Sommerpause genutzt, um eine Verkehrszählung der Zu- und Abfahrten der Steinbruchlastwagen durchzuführen.

Die Luftaufnahme des Steinbruchs zeigt, wie nah er jetzt schon am Wohngebiet liegt. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Luftaufnahme des Steinbruchs zeigt, wie nah er jetzt schon am Wohngebiet liegt. Foto: A. Becher

Von Yvonne Weirauch

KIRCHBERG AN DER MURR/MARBACH AM NECKAR. Still rumsitzen, das kommt für die fast 400 Mitglieder der Bürgerinitiative „Bürger gegen Steinbrucherweiterung“ gar nicht infrage. Da derzeit noch keine Abstimmung über die Erweiterung der Firma Klöpfer stattgefunden habe, hat die Bürgerinitiative die Sommerpause genutzt, um eine Verkehrszählung durchzuführen. Carmen Kiesele von der Bürgerinitiative erklärt: „Seitens der Firma Klöpfer wurde beim Treffen mit Politikern der Region betont, es gebe am Tag etwa 240 Fahrbewegungen. Die Zählung hat allerdings etwas ganz anderes ergeben.“ An zwei Tagen habe man sich in der Zeit von 5.30 bis 22 Uhr und am anderen Tag bis 18 Uhr an einem Ort postiert, von dem aus man den Verkehr in Richtung Marbach, Steinheim und Kirchberg gut im Auge hatte. Das Ergebnis: am ersten Tag wurden 475, am zweiten 438 Fahrten gezählt. „Interessant war, zu beobachten, dass der Verkehr hauptsächlich in Richtung Kirchberg führt – rund 80 Prozent“, so Kiesele. Klöpfer habe behauptet, die Fahrten seien ausgeglichen.

Regierungspräsidium: Noch keine Bewertung der Sachlage

Zum Stand der Diskussion: Es ist weiter offen, wie das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart eine Erweiterung des Steinbruchs in Rielingshausen durch die Firma Klöpfer in das Landschaftsschutzgebiet Unteres Murrtal bewertet. Man könne mangels konkreten Sachverhalts noch keine Bewertung der Sachlage bezüglich des eventuell tangierten Landschaftsschutzgebiets mitteilen: „Uns liegen noch kein Antrag beziehungsweise konkrete Informationen über die in Betracht kommenden Flächen vor, insofern steht aktuell auch keine Entscheidung des Regierungspräsidiums Stuttgart aus. Die Beteiligten befinden sich noch in Abstimmungsgesprächen“, teilt Katja Lumpp, Sprecherin des RP, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Der Verband Region Stuttgart (VRS) hatte eine Teilfortschreibung des Regionalplans, die für Frühjahr vorgesehen war, verschoben und mit einer Gesprächsaufnahme des RP nicht vor dem Sommer gerechnet (wir berichteten).

Lärm, Staub, Sprengungen: Ein Zustand, der in Rielingshausen herrscht und sich bei einer Erweiterung erheblich verschlimmern würde. Der Ausbau des örtlichen Steinbruchs – es geht um mehr als elf Hektar – würde bedrohlich nah an die Wohnhäuser herankommen. „Der neue Vorschlag stellt keinen Kompromiss dar“, sagen Stefan Heß und Carmen Kiesele, die Sprecher der Bürgerinitiative. Die Firma Klöpfer hatte nach massivem Widerstand in Rielingshausen im April bekannt gegeben, dass sie mit dem Abbau auf keinen Fall näher als bis zu dem punktuell bestehenden Abstand von 350 Metern an den Marbacher Teilort heranrücken will. Dabei lässt sie nach Angaben der Bürgerinitiative außer Acht, dass ein vorgesehenes Neubaugebiet dann weniger als 350 Meter entfernt wäre und somit unattraktiv wäre. Schon jetzt fehlten in Marbach mehr als 700 Wohneinheiten.

Die Erweiterung Richtung Südosten ist aus Sicht des Betriebs notwendig, weil die bisher bis 2032 vorgesehene Bestandsfläche wegen der aktuell hohen Nachfrage an Sand und anderem Baumaterial voraussichtlich nur noch bis 2024 ausreicht. Mineralische Rohstoffe müssten dann aus dem Rheintal herangekarrt werden – mit dem entsprechenden Verkehrsaufkommen, erklärte man damals vonseiten der Firma Klöpfer. Eine Erweiterung würde den Abbau nach 2024 mit geschätzten acht Millionen Tonnen Kalkstein für etwa 13 bis 15 weitere Jahre sichern.

Lärm übertönt

Vogelgezwitscher

Wenn die angestrebte Erweiterung an den Südosten der bisherigen Erweiterungsfläche genehmigt werden würde, entwickle sich der Abbau aber parallel zum Ort weiter. Der Staub und die Erschütterungen in dem 2400-Einwohner-Dorf hätten bereits bei der aktuell entfernten Bebauung eine unzumutbare Dimension erreicht. Kiesele: „Das ist definitiv eine wahnsinnige Beeinträchtigung, die man bei der Genehmigung der vorigen Erweiterung unterschätzt hat.“ So hätten sich beispielsweise Landwirte beschwert, dass vor lauter Staub manche Felder nicht mehr benutzbar seien. Komme die Erweiterung, sei das Landschaftsschutzgebiet für die Rielingshausener nur noch von der befahrenen Straße nach Kirchberg aus erreichbar – was eine weitere Beeinträchtigung der Lebensqualität mit sich bringen würde.

Vieles hat die Bürgerinitiative dokumentiert, sei es die Staubwolken über dem Ort, die man oft von Erdmannhausen sieht, oder den Lärm, der das Vogelgezwitscher übertönt. „Bei mir wackeln die Gläser im Regal“, spricht Kiesele das Thema Sprengungen an. Häuser hätten Risse. Seit den 60er-Jahren nehme man mit viel Geduld den Steinbruch hin. 2002 habe es schon eine Erweiterung gegeben. Die Firma Klöpfer hatte zuletzt im Jahr 2011 ihre Abbaufläche durch einen Eingriff in ein Landschaftsschutzgebiet weiter westlich vergrößert. Das ging damals geräuschlos über die Bühne. Im Gegensatz zu der Bürgerinitiative hält Klöpfer nach eigenen Angaben die Erschütterungen durch die Sprengungen für absolut im Rahmen liegend. In einem Gutachten habe man geklärt, dass die Immissionen auch bei einer Erweiterung ins Landschaftsschutzgebiet erheblich unter den Grenzwerten bleiben würden. Die Aussage: „Wir arbeiten innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte. Wir tun nichts, was nicht erlaubt ist und halten alle Maßgaben ein.“ Kiesele gibt zu: „Das stimmt leider. Aber das ist kein Argument dafür, was wir Bürger aushalten müssen.“

Seitens des Verbands der Region Stuttgart heißt es: Es sei keine leichte Entscheidung. Man müsse Landschaftsschutzgebiete überprüfen. In Rielingshausen gebe es einiges zu bedenken. Zunächst müsse die Fachbehörde über das Landschaftsschutzgebiet entscheiden – denn, man brauche ein weiteres Verfahren und eine breite Beteiligung der Bürger, und am Ende einen Beschluss der Regionalversammlung. Die Sorgen der Bürger müsse man ernst nehmen, man brauche daher eine tragfähige Kompromisslösung.

Fakt ist: Die Zuständigkeiten sind derzeit noch unklar. Keiner möchte den ersten Schritt machen – diesen Eindruck könnte man gewinnen. Die Bürgerinitiative hofft, dass diese Erweiterung nicht kommt und Muschelkalk da abgebaut wird, wo keine Siedlung in diesem Ausmaß betroffen ist.

Nächstes Treffen Info
Der angestrebte Ausbau würde ins Landschaftsschutzgebiet führen. Foto: Google Earth/BKZ

Der angestrebte Ausbau würde ins Landschaftsschutzgebiet führen. Foto: Google Earth/BKZ

Von Erdmannhausen aus sieht man Rielingshausen im Staub verschwinden. Foto: privat

Von Erdmannhausen aus sieht man Rielingshausen im Staub verschwinden. Foto: privat

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Erstellt:
6. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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