Sternsinger aus Leidenschaft

Mit riesigem Engagement organisieren Familien wie die von Kathrin Lang oder Werner Trefz Jahr für Jahr das gesamte Drumherum, damit die Sternsinger als Heilige Drei Könige im Raum Backnang den Segen in die Häuser bringen können. Es ist viel Arbeit, „aber unheimlich beglückend“.

Werner Trefz, Sabine Ruopp und Tochter Amelie richten im Gemeindehaus Großaspach die Utensilien für die Sternsinger.Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Werner Trefz, Sabine Ruopp und Tochter Amelie richten im Gemeindehaus Großaspach die Utensilien für die Sternsinger.Foto: Alexander Becher

Von Matthias Nothstein

Backnang/Burgstetten/Aspach. Ein Jahresanfang ohne Sternsinger? Kathrin Lang überlegt kurz und sagt: „Ich glaube, das geht nicht mehr ohne. Wenn es die Sternsinger nicht mehr gäbe, ich müsste heulen.“ Seit nunmehr 32 Jahren kümmert sich die dreifache Mutter um Caspar, Melchior, Balthasar und Konsorten, übt mit ihnen Lieder ein, teilt Gruppen ein, kleidet sie ein, kocht für sie und begleitet sie selbst heute noch bei Bedarf von Haus zu Haus.

Die Anfänge reichen bis weit in die Kindheit zurück. Damals, in den 1970er-Jahren, wohnte ihre Familie noch in Besigheim. Um Dreikönig war es Tradition, die Oma zu besuchen, bei der traditionell die Sternsinger um einen großen Tische herum saßen und von der Großmutter fein bekocht wurden. Und sie trafen die Cousine, die begeisterte Sternsingerin war. Damals reifte in der kleinen Kathrin der Entschluss: „Wenn ich mal größer bin, will ich das auch machen.“

Mit 14 war es dann soweit. Die Familie wohnte inzwischen in Kleinaspach. Zusammen mit ihrer Schwester Judith und einigen Freundinnen sammelte sie vor Weihnachten in der Nachbarschaft Flohmarktsachen, die sie auf dem Weihnachtsmarkt der katholischen Kirchengemeinde Oppenweiler verkaufen konnten. Viele Nachbarn leisteten einen Beitrag, indem sie für ein breites Sortiment an Tand sorgten. Als Dank für die Großherzigkeit besuchte die Gruppe rund um den Teenager Kathrin die Nachbarn zu Dreikönig und brachten diesen den Sternsingersegen. Das war 1992, die Geburtsstunde der Kleinaspacher Sternsinger. Im Jahr darauf motivierte Kathrin Lang weitere Schulkameraden und Freunde und erweiterte das Einsatzgebiet. Besucht wurde jedes Haus, unabhängig der Konfession der Bewohner, so weit wie die Gruppe eben kam.

Der Einsatzradius der Sternsinger wuchs von Jahr zu Jahr

Mit der Zeit wuchs der Ehrgeiz. Kathrin und ihre Mitstreiter wollten künftig den Segen in alle Häuser bringen. Selbst nach Einöd führte ihr Weg. Und wenn eines der teilnehmenden Kinder aus den Höfen und Weilern ringsum kam, dann zogen die Sternsinger auch dorthin. So ist das Engagement immer mehr gewachsen und weitete sich sogar auf Großaspach aus. Das kam, weil die Kleinaspacher Sternsinger einmal extra nach Großaspach gefahren sind, da dort die Familie von Julia Schmidt um Besuch gebeten hatte. Im Jahr danach lief Julia selbst in Kleinaspach mit und initiierte später mit ihrer Familie die Sternsingertradition in Großaspach. Es kam zu einem Schneeballeffekt, auch in Oppenweiler wurden Gruppen gebildet. Kathrin Lang freut dies sehr: „Die Idee hat Frucht getragen. Es hat uns unheimlich motiviert und freut uns, dass es heute die Sternsinger in der Gesamtkirchengemeinde gibt.“ Auf den Rückhalt der Pfarrer konnte sie dabei immer zählen. Anfangs noch von Pfarrer Hans Paul, der offen für die Neuerung war und sich freute, dass die Sternsinger in den Gottesdiensten gesungen haben. Dann aber insbesondere von dessen Nachfolgern Frank Schöpe und Julius Ekwueme, die beide sogar die Gruppen von Haus zu Haus begleitet haben.

In der Tradition dieser engagierten Seelsorger bewegt sich auch Diakon Werner Trefz, der zusammen mit seiner Frau Sabine Ruopp und Tochter Amelie Jahr für Jahr die Aktionen in Großaspach und Kirchberg organisiert. Und Arbeit gibt es genügend. Werner Trefz sagt: „Im kompletten Dezember hat es keinen Tag gegeben, an dem ich nicht in irgendeiner Form mit dem Thema Sternsinger zu tun hatte.“

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Vor bald 20 Jahren schon dabei: Medina (rechts), die Tochter von Kathrin Lang. Inzwischen hat sie bei den Sternsingern von Erbstetten selbst das Zepter übernommen. Auch das zweite Engelchen Melina läuft heute immer noch bei den Heiligen Drei Königen mit.Foto: privat

Vor bald 20 Jahren schon dabei: Medina (rechts), die Tochter von Kathrin Lang. Inzwischen hat sie bei den Sternsingern von Erbstetten selbst das Zepter übernommen. Auch das zweite Engelchen Melina läuft heute immer noch bei den Heiligen Drei Königen mit.Foto: privat

Und dabei gehen die Vorbereitungen für Trefz schon im Oktober los. Bei Elternabenden wirbt er an den Grundschulen für eine Beteiligung am Sternsingen, auch in den Schulen bei den Kindern selbst, zum Teil mit Stern und Mantel, oder auf dem Weihnachtsmarkt. Später wird in einer Sternsinger-Werkstatt das jeweilige Schwerpunktland und das Thema der Aktion vorgestellt und die Kinder lernen die Lieder und Sprüche. Nach zähem Beginn zeigt die Werbung nun Erfolg, „in Aspach läuft es dieses Jahr sehr gut, die Anmeldungen reichen wohl sogar für vier Gruppen. Einige Kinder sind richtig heißt aufs Sternsingen.“ Acht Kinder sind dieses Jahr erstmals dabei, zum Teil begleiten die Eltern sie. Auch in Kirchberg läuft die Aktion wieder gut an, „bis auf die Tochter der Mesnerin sind alle Kinder zum ersten Mal dabei“, sagt Trefz. Er hofft, dass zwei Gruppen durch die Straßen ziehen werden, zudem freut er sich über zwei Familien, die bereits im dritten Jahr komplett selbstständig die Aktion bereichern.

Voll eingespannt sind auch Sabine Ruopp und Tochter Amelie. Manch ein Abend geht für die Vorbereitung drauf. Aufkleber werden mit dem Segen „20*C+M+B+24“ beschrieben und Bestellungen gemacht: Flyer, Kreide, Urkunden für die Kinder, kleine Geschenke. Und dann das eigentliche Sternsingen selbst. Ruopp: „Es sind unheimlich lange und anstrengende Tage. Aber wenn dann das Lachen der Kinder durchs Gemeindehaus schallt, dann macht man das alles gerne.“ Und Trefz ergänzt: „Die Begegnung mit den Menschen tut allen gut. Den Kindern, aber auch den oft älteren Menschen, die wir besuchen, und die zuweilen nur einmal im Jahr Besuch von Kindern bekommen, nämlich von uns.“

Für Kathrin Lang ging das Kapitel Sternsinger noch weiter. Obwohl sie im Jahr 2005 nach Erbstetten zog, war sie in den folgenden beiden Jahren zuerst noch in Kleinaspach aktiv. Dann übergab sie dort das Zepter an Hannah Nothstein und baute in Erbstetten neue Gruppen auf. Die Vor- und Nachtreffen finden immer im evangelischen Gemeindehaus statt. In der evangelischen Kirchengemeinde arbeitet sie auch in der Kinderkirche mit, ebenso wie ihre inzwischen 22-jährige Tochter Medina, die bei den Sternsingern von Anfang an dabei war. Kathrin Lang lacht und schildert, „ich bin sogar hochschwanger mit einem richtigen Kugelbauch von Haus zu Haus gegangen, und habe später nie eines der Kinder daheim gelassen, auch nicht Sohn Janis, der im ersten Jahr erst einen Monat alt war, oder später meinen jüngsten Elias.“

„Mit Musik und unserem Singen erreichen wir die Herzen der Menschen“

Heute wirkt Kathrin Lang vor allem im Hintergrund, die Gruppen werden längst von Tochter Medina und Sohn Janis geleitet. Die 46-Jährige bereitet das Essen im Gemeindehaus vor und hilft allen Ecken und Enden, wo Unterstützung benötigt wird. Und obwohl alles sehr anstrengend ist, bekennt sie: „Ein Januar ohne Sternsinger – da würde mir etwas fehlen. Das Sternsingen ist mir ganz wichtig.“ Sie berichtet von vielen schönen Begegnungen. „Mit Musik und unserem Singen erreichen wir die Herzen der Menschen. Und wenn man dann auch noch diese Botschaft mitbringt, dann bringt das wirklich Segen in die Häuser.“ Gleich drei Komponenten listet sie auf: „Erstens bringen die Sternsinger Segen und Freude ins Haus. Zweitens haben die Kinder viel Spaß und freuen sich über die gesammelten Süßigkeiten. Und drittens werden immer tolle Projekte gefördert. Da spüren die Kinder, unser gesammeltes Geld bewirkt etwas.“

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Erstellt:
4. Januar 2024, 06:00 Uhr

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