Stoba plant für die Zeit ohne Verbrenner

Der Diesel ist in Verruf geraten, die Tage des Verbrennungsmotors sind gezählt: Schwierige Zeiten für den Backnanger Automobilzulieferer Stoba, der vor allem mit Dieseleinspritzdüsen groß geworden ist. Trotzdem ist Geschäftsführer Christoph Bode vor der Zukunft nicht bange.

In den Stoba-Produktionshallen werden zurzeit sogar Sonderschichten gefahren, um alle Aufträge abzuarbeiten. Wenn der Verbrennungsmotor verboten wird, droht der Backnanger Firma aber Ungemach. Fotos: Stoba

In den Stoba-Produktionshallen werden zurzeit sogar Sonderschichten gefahren, um alle Aufträge abzuarbeiten. Wenn der Verbrennungsmotor verboten wird, droht der Backnanger Firma aber Ungemach. Fotos: Stoba

Von Kornelius Fritz

Backnang. Eigentlich könnten die Verantwortlichen bei der Firma Stoba in Backnang zurzeit rundum zufrieden sein. Die Coronakrise, die dem Unternehmen im vergangenen Jahr einen heftigen Umsatzeinbruch bescherte und sogar betriebsbedingte Kündigungen zur Folge hatte, scheint überstanden. „Wir sind wieder voll ausgelastet“, sagt Geschäftsführer Christoph Bode. Viele der gekündigten Mitarbeiter habe man inzwischen zurückgeholt. Aktuell beschäftigt Stoba rund 1200 Menschen an sieben Standorten in fünf Ländern, am Stammsitz in Backnang sind es etwa 620.

Wenn das Geschäft weiterhin so gut läuft, könnte das Unternehmen schon in diesem Jahr den 2019er-Umsatz von rund 180 Millionen Euro übertreffen. Also alles rosarot? Nicht ganz, denn der Erfolg von Stoba hängt vor allem am Automobil, und zwar am Verbrennungsmotor. Die Einspritzdüsen, die das Unternehmen in Backnang produziert, sind nur einen halben Zentimeter groß, die Löcher, durch die der Kraftstoff im Motor zerstäubt wird, haben einen Durchmesser von 0,1 Millimeter, die Toleranzen liegen im My-Bereich. Mit Standardmaschinen ließen sich solche Teile gar nicht produzieren. „Die Maschinen sind komplette Eigenentwicklungen“, sagt der technische Leiter Stefan Schropp. Mit Lasertechnik bohren sie feinste Löcher ins Metall. Entwickelt und gebaut wurden sie von einem Tochterunternehmen in Memmingen. Bis zu 13 Millionen Teile werden damit in Backnang pro Jahr gefertigt.

Keine Frage: Was Stoba im Gewerbegebiet Süd präsentiert, ist modernste Hightech. Aber ist die Technik womöglich trotzdem von gestern? Auf dem Weg zu einem klimaneutralen Europa will die EU Verbrennungsmotoren in Personenwagen ab 2035 verbieten. Die Mobilität der Zukunft soll elektrisch sein, aber dafür braucht es keine Einspritzdüsen mehr, obwohl die Präzisionsteile maßgeblich dazu beigetragen haben, dass moderne Motoren viel weniger CO2 ausstoßen als ihre Vorgänger.

Schon vor fünf Jahren haben sich Stoba-Geschäftsführer Christoph Bode und sein Führungsteam deshalb Gedanken darüber gemacht, wie es mittelfristig weitergehen soll. Herausgekommen ist eine Strategie, die auf drei Säulen aufgebaut ist:

Bis zuletzt mit dabei sein

Ist der Verbrennungsmotor wirklich schon in 14 Jahren Geschichte? Bei Pkw vielleicht, bei Lastwagen aber sicher noch nicht, glaubt Christoph Bode. „Der letzte Verbrenner wird in einen Lkw eingebaut werden“, prophezeit der Stoba-Chef und geht davon aus, dass dieser Tag noch in fernerer Zukunft liegt. Das Unternehmen hat deshalb schon vor Jahren damit begonnen, sich auf den Truck-Bereich zu fokussieren und seine Kapazitäten in diesem Bereich auszubauen, unter anderem durch neue Werke in USA und China. „Unser Ziel ist es, bis zuletzt mit dabei zu sein“, sagt Bode, der auch das Pkw-Geschäft noch nicht gänzlich abgeschrieben hat. Sollten etwa Hybridfahrzeuge noch länger zugelassen sein, könnten die Stoba-Komponenten auch dort weiterhin zum Einsatz kommen.

Neue Märkte erschließen

Mit Kunden aus der Automobilbranche hat Stoba in der Vergangenheit den Großteil seines Umsatzes gemacht, aber wer sagt, dass das für immer so bleiben muss? Das Know-how, das sich das Unternehmen über Jahrzehnte aufgebaut hat, kann schließlich auch für andere Branchen interessant sein, etwa für die Pharma- oder Medizintechnikindustrie. Stoba will sich in den nächsten Jahren deshalb verstärkt um Aufträge aus anderen Branchen bemühen. Zuletzt ist das auch schon gelungen: Komponenten aus Backnang finden sich nun etwa in den Haarpflegegeräten eines bekannten Herstellers.

Auf Elektromobilität setzen

Metallteile gibt es auch in Elektrofahrzeugen, allerdings keine, bei denen die Präzision gefragt ist, für die Stoba steht. Um dennoch ein Stück vom Kuchen abzubekommen, hat sich die Geschäftsleitung deshalb für einen anderen Weg entschieden: 2018 wurde das Tochterunternehmen Stoba e-systems in Weinstadt gegründet. Dort entwickeln inzwischen 50 Mitarbeiter einen leistungsstarken Niedervoltantrieb. Diese Technik sei nicht für das klassische Elektroauto gedacht, sondern für Fahrzeuge, die eher kurze Strecken zurücklegen, wie zum Beispiel Kehrmaschinen oder Aufsitzrasenmäher. Mit einer Spannung von nur 48 Volt sei dieser Antrieb nicht nur sicherer, sondern auch wesentlich günstiger als die in Elektroautos eingesetzten Antriebe mit bis zu 800 Volt, erklärt Bode. Bis in zwei Jahren soll die Entwicklung serienreif sein. Bei Stoba setzt man große Hoffnungen in diesen neuen Geschäftszweig.

„Wir versuchen, auf mehreren Beinen zu stehen“, formuliert Christoph Bode die Marschroute für die kommenden Jahre. Vor einem Verbot des Verbrenners hat er deshalb keine Angst, zumal er in seinem Team eher Aufbruch- als Krisenstimmung wahrgenommen hat. Dass die Geschäfte aktuell so gut laufen, kommt Stoba dabei natürlich entgegen: „Bis 2024 sehen wir unsere Entwicklung sehr positiv“, sagt Christoph Bode. „Bis dahin müssen wir unsere Hausaufgaben machen.“

Blickt optimistisch in die Zukunft: Stoba-Geschäftsführer Christoph Bode.

Blickt optimistisch in die Zukunft: Stoba-Geschäftsführer Christoph Bode.

Stoba setzt auf Fachkräfte aus dem eigenen Stall

Qualifikation Für seine technisch anspruchsvollen Produktionsprozesse braucht Stoba sehr gut ausgebildetes Personal. Mehr als 70 Prozent der Beschäftigten in der Produktion sind Facharbeiter, die meisten davon wurden im eigenen Unternehmen ausgebildet.

Ausbildung An seinem Hauptsitz in Backnang beschäftigt Stoba knapp 50 Auszubildende. In diesen Tagen beginnen wieder 16 junge Menschen ihre Ausbildung. Erstmals sind auch vier angehende Mechatroniker mit dabei. Das Unternehmen hat diesen Beruf neu in sein Portfolio aufgenommen, weil die komplexe Steuerungstechnik der Maschinen auch immer mehr elektronische Kenntnisse verlangt.

Ausbildungszentrum Das erste Lehrjahr verbringen die Stoba-Lehrlinge komplett im firmeneigenen Ausbildungszentrum. In dieser Zeit lernen sie die Grundlagen, um ab dem zweiten Lehrjahr qualifiziert in den unterschiedlichen Abteilungen mitarbeiten zu können. Auch Auslandseinsätze, etwa in den Werken in England oder China, sind während der Ausbildung möglich. Die Übernahmequote nach erfolgreichem Abschluss liegt bei 96 Prozent.

Praktika Der Einstieg bei Stoba erfolgt in den meisten Fällen über ein Praktikum: „Mehr als die Hälfte unserer Auszubildenden haben zuvor ein Schülerpraktikum bei uns gemacht“, erklärt Ausbilder Markus Gebhardt.

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Erstellt:
25. August 2021, 06:00 Uhr

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