Iran-Krieg
Straße von Hormus – diese Inseln sind neuralgische Punkte
Mit Insel-Festungen droht Teheran, den globalen Ölhandel zu blockieren. Dennoch haben die USA Optionen: Folgt eine Neuauflage des Unternehmens „Praying Mantis“?
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Historisches portugiesisches Fort auf der Insel Hormus im Persischen Golf.
Von Michael Maier
Die Straße von Hormus ist aktuell der gefährlichste Flaschenhals der Weltwirtschaft. Mit dem jüngsten Ultimatum der USA an den Iran droht der Konflikt am Persischen Golf weiter zu eskalieren. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs und 20 Prozent des Flüssiggas-Handels passieren diese Meerenge, die an ihrer schmalsten Stelle gerade einmal 39 Kilometer breit ist.
Doch wer die Straße von Hormus kontrollieren will, muss ihre Geografie beherrschen – und hier kommen die iranischen Inseln ins Spiel. Sie sind weit mehr als nur Landmassen im Wasser; sie sind hochgerüstete, strategische Festungen.
Insel Hormus, Queshm, Abu Musa & Co.
Die iranische Strategie stützt sich auf einen geografischen Vorteil: Riesige Öltanker müssen sich durch zwei extrem schmale Schifffahrtsrouten quetschen. Entlang dieser Korridore kontrollieren die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) mehrere Inseln, darunter Qeshm, Larak, Hormus, Hengam, Abu Musa und Groß-Tunb.
Auf diesen Inseln hat der Iran in den letzten vier Jahrzehnten ein tief gestaffeltes Netzwerk aus unterirdischen Bunkern, Radaranlagen und Anti-Schiffs-Raketen aufgebaut.
Inseln in der Straße von Hormus
Drei dieser Inseln spielen eine besonders tödliche Rolle.
- Larak – der Engpass-Kontrolleur: Larak liegt direkt an der Einfahrt zur Meerenge. Von hier aus können iranische Schnellboote und Drohnen in Minutenschnelle startklar gemacht werden. Die Taktik: Ein Frachtschiff wird von einem Schwarm kleiner, wendiger Boote umzingelt und attackiert, bevor die Crew überhaupt reagieren kann.
- Qeshm – das schwere Arsenal: Als größte Insel im Golf ist sie das militärische Herzstück der iranischen Küstenverteidigung. Das zerklüftete Gelände verbirgt ein Labyrinth aus Bunkern, Drohnenbasen und mobilen Werfern für schwere Anti-Schiffs-Raketen.
- Abu Musa – der vordere Außenposten: Diese Insel dient als Frühwarnzentrum. Mit ihren Radarstationen reicht der iranische Blick tief in den Persischen Golf hinein, um alliierte Kriegsschiffe zu erfassen.
USA in der Straße von Hormus
Die USA und ihre Verbündeten sind dieser Bedrohung jedoch nicht schutzlos ausgeliefert. Die amerikanische Strategie setzt auf massive, mehrschichtige Verteidigungs- und Angriffspläne.
- Luftüberlegenheit und Präzisionsschläge: Eine Armada von Überwachungsdrohnen scannt die Küste in Echtzeit. Werden mobile Raketenwerfer entdeckt, können Kampfjets oder Tomahawk-Marschflugkörper diese zerstören, bevor sie feuern.
- Bunkerbrecher: Um die tief in den Inseln (wie Qeshm) eingegrabenen Anlagen zu vernichten, setzen die USA auf schwere Waffen wie die GBU-72 – eine 2,5 Tonnen schwere präzisionsgelenkte Bombe, die massiven Stahlbeton durchschlagen kann.
- High-Tech-Eskorten: Zerstörer mit dem Aegis-Kampfsystem fangen anfliegende Raketen ab, während Hubschrauber (wie der Apache) Schwarmboote aus der Luft neutralisieren. Spezialschiffe und Unterwasserdrohnen räumen derweil den Weg von Seeminen frei.
- Besetzung der Inseln: Eine begrenzte Bodenmission der Marines in der Straße von Hormus und an der Küste von Bandar Abbas ist denkbar. Dem dürfte der Iran gegebenenfalls nicht viel entgegen zu setzen haben, doch auch Amerikaner würden fallen.
Insel Kharg
Während der Fokus auf der Straße von Hormus liegt, rückt auch eine weitere Insel ins Visier: Kharg. Dieses Eiland liegt ganz im Norden des Persischen Golfs und wickelt etwa 90 Prozent der iranischen Rohölexporte ab. Berichten zufolge ziehen die USA eine Blockade oder gar eine Übernahme dieser Insel in Betracht, um maximalen wirtschaftlichen Druck auf Teheran auszuüben und im Gegenzug die Öffnung der Straße von Hormus zu erzwingen.
Operation „Praying Mantis 2.0“?
Dies wäre gegebenenfalls wie eine Art Neuauflage des riesigen Marine-Unternehmens „Praying Mantis“ im April 1988. Wenige Monate nach der Zerstörung seiner Seestreitkräfte durch die USA musste der Iran im Krieg mit dem damaligen US-Verbündeten Irak unter Saddam Hussein einen Waffenstillstand schließen. Zuvor hatten die Vereinigten Staaten etwa ein Jahr lang mit den Eskorten der Operation „Earnest Will“ die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus erzwungen.
