Straßenwahlkampf wird in Corona-Zeiten kaum vermisst

dpa Stuttgart. Im Landtagswahlkampf von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz treten die Parteien vor allem online auf. Die Corona-Pandemie verhindert Auftritte auf der Straße und in Hallen. Für die Politiker zum Auftakt des Superwahljahrs ein Problem, für die Wähler offenbar nicht.

Drei Wochen vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gibt es fast keinen Straßenwahlkampf - aber auch nur wenige, die ihn vermissen. Flyer verteilen in der Fußgängerzone, ein Vor-Ort-Gespräch mit dem Abgeordneten: all das gibt es während der Corona-Pandemie nur selten. Ob und wann sich das im Superwahljahr 2021 ändert, ist unklar. Doch eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland hat damit kein Problem, wie eine Yougov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab: 73 Prozent der Befragten fehlt bei einem rein digitalen Wahlkampf nichts.

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, dann wäre die Bekämpfung der Corona-Pandemie für viele das wichtigste Wahlthema: 45 Prozent der Befragten sehen das so. Aber noch etwas mehr (46 Prozent) sind der gegenteiligen Ansicht.

Auf die konkrete Wahlentscheidung für eine Partei hat die Pandemie laut Umfrage ebenfalls nur wenig Einfluss. Nur 13 Prozent der Befragten würden deshalb ihr Kreuz zur Bundestagswahl bei einer anderen Partei machen. 29 Prozent gaben an, andere Gründe als die Pandemie zu haben, um diesmal eine andere Partei zu wählen. Für 39 Prozent der Befragten ist die Pandemie kein Anlass, sich für eine andere Partei als sonst zu entscheiden.

In einem anderen Punkt deutet sich aber ein verändertes Wahlverhalten an: Mehr als jeder Zweite (52 Prozent) gab an, derzeit eine Briefwahl zu bevorzugen. Nur jeder Dritte (31 Prozent) würde derzeit zur Stimmabgabe ins Wahllokal gehen. Die Zahl der Briefwähler hatte bereits in den Vorjahren stetig zugenommen. Wegen der Einschränkungen durch die Pandemie wird ein weiterer Anstieg des Anteils der Briefwähler erwartet.

Auch wenn die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie Kritik hervorrufen, scheint vor allem die Union mit ihrer Corona-Politik auf Zustimmung zu stoßen. Dies zeigen die Antworten auf die Frage, mit den Positionen welcher Partei zur Bekämpfung der Pandemie sich die Befragten am ehesten identifizieren können: 29 Prozent sagen CDU/CSU, 9 Prozent nennen die SPD, 8 Prozent die AfD, jeweils 7 Prozent die Grünen und die FDP, 4 Prozent die Linke.

Bei der repräsentativen Online-Umfrage wurden zwischen 17. und 19. Februar 2073 Menschen in Deutschland im Alter von 18 Jahren oder älter befragt.

In diesem Jahr werden Landesparlamente in sechs Bundesländern gewählt. Am 26. September ist die Bundestagswahl.

© dpa-infocom, dpa:210221-99-528831/2

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Erstellt:
21. Februar 2021, 09:06 Uhr

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