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Streifzug durch die Architektur der Innenstadt

Tag des offenen Denkmals: Stadtarchivar Bernhard Trefz präsentiert das etwas andere Backnang

Der Stadtspaziergang mit Bernhard Trefz streift mit dem Schweizerbau und dem Bürgerheim zwei Paradebeispiele für die Architektur der Moderne in der Zwischenkriegszeit und zeigt auch Beispiele für die historische Bebauung „Auf dem Hagenbach“. Dieser Bereich kann wegen seiner exponierten Lage und den dort entstandenen Villen durchaus als Killesberg von Backnang bezeichnet werden.

Stadtarchivar Bernhard Trefz entführt die Interessierten bei Regenwetter in die Architektur der Moderne in der Zwischenkriegszeit. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Stadtarchivar Bernhard Trefz entführt die Interessierten bei Regenwetter in die Architektur der Moderne in der Zwischenkriegszeit. Foto: A. Becher

Von Renate Schweizer

BACKNANG. Es regnet. Wird da überhaupt jemand kommen zum Stadtspaziergang am Tag des offenen Denkmals in Backnang? Das Thema lautet „Architektur der Moderne in der Zwischenkriegszeit“. Stadtarchivar Bernhard Trefz guckt ein bisschen besorgt, aber er weiß, dass er eine treue Fangemeinde hat. Tatsächlich sind es rund 30 Menschen mit fast ebenso vielen Schirmen, die sich mit ihm auf den Weg machen, den Schweizerbau, das Bürgerheim und die Industriellenvillen auf dem Hagenbach zu erkunden.

Von außen – denn, Denkmal hin oder her, die Villen sind bewohnt, das Bürgerheim ist, wie eh und je, ein Altersheim und der Schweizerbau hat bekanntlich viele Funktionen. Ein Historiker, der die Geschichte von Gebäuden erzählt, erzählt die Geschichte(n) von Familien. Geschichten von Familien, die verwoben sind mit der Geschichte ihrer Zeit. Vor dem Schweizerbau stehend, kann man das direkt sehen: Der mittlere und der, von der Bleichwiese aus gesehen, rechte Teil des langen Gebäudes wurden 1913 beziehungsweise 1915 erbaut. Die Betonung der Horizontale ist ganz „modern“, aber auf der Backsteinfassade gibt es noch Schmuckelemente. Der linke Teil des Gebäudes von 1935 verzichtet konsequent auf dererlei Zierrat: Hier sind Kuben auf- und nebeneinandergeschichtet, Backstein, Stahlgerippe – der einzige Schmuck ist die große Uhr. Eine Lederfabrik sollte es sein, war es auch, aber nicht lange, eine Gerbereifachschule sollte es werden, wurde es aber nicht.

1939 dann der deutsche Angriff auf Polen, Zweiter Weltkrieg und schon war es für Jahre vorbei mit der Gerberei in Backnang und anderswo – es gab keine Rohstoffe mehr. Zu Beginn der Industrialisierung hatten die Gründer mitten in ihren Betrieben gewohnt. „Hälenga reich sen die gwä“, murmelt ein Teilnehmer der Führung und vergnügt nimmt Trefz den Begriff auf: „Irgendwann ging das nicht mehr“, erzählt er weiter. „Zum Teil auch schlicht deshalb, weil man die frühere Wohnfläche für die wachsende Produktion brauchte.“ Es habe ihnen vielleicht auch die Gerberei gestunken, vermutet ein Zuhörer.

Es geht jetzt steil nach oben, auf den „Backnanger Killesberg“, der, so Stadtarchivar Trefz, im Gegensatz zum „echten“ Stuttgarter Killesberg den unschlagbaren Vorteil hat, in Backnang zu sein. Das kleine und ziemlich schäbige Sträßchen Am Koppenberg geht in eine Treppe über, die steil nach oben auf den Hagenbach führt. Apropos Hagenbach, hier kommt der Historiker mit dem pädagogischen Impetus so richtig in Fahrt: „Auf dem Hagenbach“ dürfte nämlich mangels eines Hagenbachs gar nicht Hagenbach heißen und tatsächlich heißt die Straße auch erst seit einem Gemeinderatsbeschluss von 1929 so. Vorher sei das der Koppenberg und eine Gegend gewesen, in der die Backnanger Obstgärten hatten und Hühner hielten.

Neues Domizil von Schlagersängerin Vanessa Mai

Und nun wurde „Auf dem Hagenbach“ die Adresse eines veritablen Villenviertels – zentral gelegen und doch hoch über den Niederungen, dem Lärm und dem Geruch von Stadt und Murr liegen die Villen auf der Hangkante: Zum Beispiel die Schweizer-Villa (früher waren das zwei) und dann das Bürgerheim (keine Villa, sondern ein Altersheim, für die Bürgerschaft erbaut von den Familien Breuninger und Kaess).

Anschließend geht es weiter zum Elisenhof, wo der Spaziergang im immer noch strömenden Regen endet.

Und der Elisenhof, ja, das ist eine ganz eigene Geschichte, russischer Adel, möglicherweise Geheimdienst, es gibt Hinweise. Alle Teilnehmer sind sich einig: Ein Spaziergang mit dem Stadtarchivar lohnt sich auch unter widrigen Bedingungen und obwohl es nicht einfach ist, mit Schirm in der Hand zu applaudieren, folgt warmer Applaus für Bernhard Trefz den Größeweg hinunter, wo er schnellen Schrittes zur Techniksammlung der Stadt eilt. Auch so ein Denkmal, und an diesem Tag des Denkmals tatsächlich geöffnet.

Beim Stadtspaziergang erfahren die Teilnehmer auch, wo die Schlagersängerin Vanessa Mai wohnt. Noch nicht so lange her ist sie mit ihrem Mann in ein anderes Backnanger Domizil gezogen.

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Erstellt:
10. September 2019, 06:00 Uhr

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