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Studentenfilm mit ernstem Anliegen

„Elenore“ handelt von der sexuellen Ausbeutung einer jungen Frau – Drehorte in Backnang – Festivaltour geplant

Im März wurde unter anderem in Backnang gedreht, nun ist „Elenore“ fertig. Das Drehbuch zum Film über die sogenannte Loverboy-Masche stammt aus der Feder des Studenten Niklas Straub. Der gebürtige Backnanger führte auch Regie und tritt gemeinsam mit seinen Kommilitonen Dominik Reiland und Lasse Bickelmann als Produzent auf.

Alles im Kasten: Der Film dreier Studenten über Elenore (gespielt von Farina Flebbe), ein Opfer der sogenannten Loverboy-Masche, ist nach vielen Monaten Arbeit fertiggestellt. Regie führte der Backnanger Niklas Straub. Foto: E. Halbherr

© Eric Halbherr

Alles im Kasten: Der Film dreier Studenten über Elenore (gespielt von Farina Flebbe), ein Opfer der sogenannten Loverboy-Masche, ist nach vielen Monaten Arbeit fertiggestellt. Regie führte der Backnanger Niklas Straub. Foto: E. Halbherr

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Es ist kein leichtes Thema, das sich die Studenten für ihren ersten richtigen Film ausgesucht haben. Loverboys, das sind Männer, die Mädchen und jungen Frauen die große Liebe vorgaukeln, sie geschickt manipulieren und so in die Prostitution treiben. „In meinem Umfeld wussten die wenigsten, was es mit der Masche auf sich hat“, erzählt Dominik Reiland, einer der drei Produzenten des Films. „Aber wenn man es ihnen erklärt, interessiert es doch jeden.“ Wie kann es so weit kommen? Diese Frage hat sich vor etwa anderthalb Jahren auch Niklas Straub gestellt, als er in der Zeitung von einem solchen Fall im Raum Stuttgart las. Das Thema ließ den Backnanger nicht mehr los, er fasste den Entschluss: Das ist das richtige Thema für den ersten großen Film.

„An der Uni habe ich dann nach Mitstreitern gesucht“, verrät der Student der audiovisuellen Medien. Gemeinsam haben sie sich informiert, mit entsprechenden Hilfsorganisationen wie Esther Ministries und lightup Germany Kontakt aufgenommen, mit Prostituierten gesprochen, unter anderem mit Sandra Norak, die der Loverboy-Masche zum Opfer fiel und nun versucht, darüber aufzuklären – unter diesen Eindrücken entstand schließlich das Drehbuch zu „Elenore“. Im Film geht es um ein gleichnamiges 15-jähriges Mädchen, das sich in den fünf Jahre älteren Danny verliebt. Die große Jugendliebe entpuppt sich als eiskalter Geschäftsmann, der Elenore unter anderem mit Drogen gefügig macht und so in die Prostitution treibt. Doch so einen richtigen Film zu drehen, das geht nicht einfach so. „Am Anfang hatten wir nichts, keine Finanzierung, keine Räume, keine Schauspieler“, erklärt Straub. „Ich habe deshalb einfach jeden Kontakt, den ich hatte, angerufen.“ Mit Erfolg: Zahlreiche Firmen, Privatleute und Vereine sagten Unterstützung zu.

Der Film kommt in der Präventionsarbeit zum Einsatz

Im Februar war es dann so weit, von der Idee ging es in die Umsetzung, der Dreh stand an – unter anderem auf dem Kaelble-Areal in Backnang. „Mit viel Energie und wenig Schlaf haben wir das dann in sechs Wochen durchgezogen“, erzählt Straub. Und mit dem Ende des Drehs begann dann die Arbeit des Schnitts und der Vertonung. Wochenenden, Abende und Nächte verbrachten die Studenten mit den Arbeiten. Das ist keine Kleinigkeit, schließlich befinden die Studenten sich gerade im Praxissemester: Niklas Straub ist in Berlin in einer Produktionsfirma für Werbefirmen tätig, Dominik Reiland arbeitet in der gleichen Branche in Stuttgart. Nun aber befinden sie sich in den finalen Zügen und freuen sich, den Film bald einem breiten Publikum präsentieren zu können. „Das Kernteam hat zwar schon mehrere Versionen gesehen, aber es wurde deutlich, dass sie sich alle das Premierengefühl wünschen, wenn sie den Film im Kino sehen können“, sagt Reiland.

Wichtig sei ihnen, dass der Film nicht einfach in der Schublade verschwindet, deswegen wollen sie damit aktiv an die Öffentlichkeit gehen. Angedacht ist, damit auf Festivaltour zu gehen. „Wir werden den Film bei den verschiedenen Festivals einreichen und hoffen, dass er akzeptiert wird“, sagt Niklas Straub. Er gehe aber davon aus, dass die Resonanz auf „Elenore“ positiv ausfallen wird, denn das Thema bewegt „und wir haben einen eigenen Weg gefunden, uns damit auseinanderzusetzen“. Die Studenten hoffen, dass der Film mit einer möglichen Weiterverwertung durch Filmstudios eventuell von den jetzigen 45 Minuten sogar auf Spielfilmlänge ausgeweitet werden kann. Gleichzeitig betonen sie aber, dass nicht finanzielle Interessen dahinterstecken. „Wir verdienen bisher keinen Euro an dem Film“, macht Straub klar. Und sollte sich das ändern, wollten sie die Einnahmen spenden.

Den Hilfsorganisationen, die sich mit der Loverboy-Masche und Zwangsprostitution im Allgemeinen befassen, wollen die drei Macher den Film kostenlos zur Verfügung stellen. „Sie leisten damit wichtige Präventionsarbeit, das wollen wir unterstützen“, so Straub. Die Organisationen und Vereine wiederum seien interessiert daran, ein neues Medium zur Hand zu haben, mit dem man junge Menschen erreicht. Und auch den Sponsoren wollen Straub, Reiland und Bickelmann etwas zurückgeben. Screenings in diversen Firmen seien in der Vorbereitung.

Wie geht es dann für die umtriebigen Studenten weiter? „Ein Projekt in der Größe wird es im nächsten Dreivierteljahr nicht geben“, erklärt Straub lachend. Dafür stehe noch viel zu viel Nacharbeit für Elenore an. An Ideen mangelt es dem Steinbacher aber nicht. Er könne sich beispielsweise einen politischen Film als nächstes Projekt vorstellen. Etwas, mit dem man jungen Menschen klarmacht, wie wichtig es ist, dass sie wählen gehen. „Wenn wir zum Beispiel als Ausgangssituation nehmen, dass die AfD in Deutschland die Mehrheit erringt.“ Aber das sei alles noch Zukunftsmusik. Reiland lässt aber anklingen: „Wir sind als Team sehr zusammengewachsen, die Zusammenarbeit nehmen wir bestimmt noch mal auf.“

Nicht alles, was die Studenten anpacken, ist aber gleich ein großer Film oder auch nur ein bezahlter Auftrag. Auf der Facebook-Seite ihrer Produktionsfirma Lost Frames Productions findet sich beispielsweise auch ein Video mit Eindrücken des Backnanger Straßenfests. „Wir leben das, wir sind Vollblutfilmer“, sagt Straub. Insofern überraschen die Berufsziele der Beteiligten wenig: Produzent, Regisseur, Drehbuchautor. „Wir wären ja verrückt, wenn wir diesen ganzen Aufwand einfach nur so betreiben würden.“

Im März drehten sie noch in Backnang, heute ist der Film fertig: Regisseur Niklas Straub (links), Schauspielerin Farina Flebbe und Produzent Dominik Reiland. Foto: N. Benjamin

Im März drehten sie noch in Backnang, heute ist der Film fertig: Regisseur Niklas Straub (links), Schauspielerin Farina Flebbe und Produzent Dominik Reiland. Foto: N. Benjamin

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Erstellt:
25. November 2019, 06:00 Uhr

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