Studie zur Fleischindustrie: Luftaustausch gegen Infektionen

dpa Mannheim. Intensiver Luftaustausch, ein Mindest-Abstand von 1,5 Metern zwischen den Beschäftigten und pfiffige Pausenregelungen können einer Studie zufolge das Risiko von Corona-Infektionsherden in der Fleischindustrie eindämmen. Die Ergebnisse der Untersuchung bei 22 Betrieben für Fleisch- und Geflügelverarbeitung könnten auch auf andere Nahrungsmittelfirmen, Verteilungscenter und weitere Arbeitsumfelder mit ähnlichen Bedingungen übertragen werden, teilte die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe, eine gesetzliche Unfallversicherung, mit. Sie ist verantwortlich für die im Fachblatt „Plos One“ erschiene Untersuchung. Die Ergebnisse basieren auf Befragungen der Unternehmen zu den bei ihnen herrschenden Arbeitsbedingungen.

Schweine stehen in einem Stall. Foto: Carmen Jaspersen/dpa/Symbolbild

Schweine stehen in einem Stall. Foto: Carmen Jaspersen/dpa/Symbolbild

Unter den 22 untersuchten Betrieben mit 19.000 Beschäftigten waren sieben, die mehr als zehn Corona-Fälle hatten. In diesen waren im Schnitt 12 Prozent aller Beschäftigten infiziert; der höchste Einzelwert lag bei 16,1 Prozent und wurde in den Bereichen registriert, wo Fleisch vom Knochen gelöst und geschnitten wird. Je niedriger die Temperatur am Arbeitsplatz, desto höher ist nach Angaben des Mitautors der Studie, Roman Pokora, das Risiko, sich zu infizieren. Generell habe das Virus bei Wärme eine kürzere Lebenszeit. In der Fleischindustrie arbeiten die Menschen aber in gekühlten Räumen.

Die Studie beruht auf Selbstauskunft der Unternehmen. „Sie kann möglicherweise lückenhaft sein, hat aber keinen verzerrenden Einfluss auf die Ergebnisse“, sagte Pokora in Mannheim.

Bei den Pausenregelungen waren die individuelle Wahl der Pause oder die zeitversetzte Pause einzelner Gruppen am wirkungsvollsten. Beschäftigte, die weniger als 1,5 Meter Abstand hielten, hatten laut Studie ein höheres Risiko, positiv getestet zu werden.

Vor einem Jahr hatte ein massenhafter Ausbruch des Coronavirus unter den Beschäftigen des Schlachtbetriebs Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (NRW) für Schlagzeilen gesorgt. Die Bundesregierung hatte auch infolge dieses Superspreader-Ereignisses Werksverträge in Kernbereichen der Branche verboten. Bis Ende 2020 stockten daher die großen Firmen Tönnies (Umsatz 7,3 Milliarden Euro Umsatz 2019), Vion (5,1) und Westfleisch (2,8) ihre Stammbelegschaft um insgesamt rund 12 300 Mitarbeiter auf.

© dpa-infocom, dpa:210706-99-276702/3

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Erstellt:
6. Juli 2021, 12:29 Uhr

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