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Südwesten hinkt bei Windkraftausbau weiter hinterher

dpa/lsw Stuttgart. Baden-Württemberg muss fürchten, bei der Windenergie abgehängt zu werden. Der Ausbau stockt. Ein Grund dafür ist oftmals der Widerstand dort, wo Windräder einmal stehen sollen.

Dunkle Wolken ziehen hinter einem Windrad auf. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild

Dunkle Wolken ziehen hinter einem Windrad auf. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild

Der Ausbau der Windkraft in Baden-Württemberg kommt weiterhin nicht richtig in Schwung. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden im Land lediglich fünf neue Windräder mit einer Leistung von insgesamt 21,1 Megawatt genehmigt, wie aus vorläufigen Zahlen der Fachagentur Windenergie an Land hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart vorliegen. In Betrieb gingen nur drei Anlagen mit einer Gesamtleistung von zehn Megawatt.

Nach Angaben des Umweltministeriums vom Freitag sind aktuell im Südwesten 726 Anlagen mit einer Leistung von 1560 Megawatt in Betrieb. Im vergangenen Jahr wurden 723 Anlagen gezählt und 2018 insgesamt 719 Anlagen.

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sagte in Stuttgart: „Um die Energiewende entscheidend voranzubringen und den Strom hauptsächlich aus erneuerbaren Energien produzieren zu können, benötigen wir auch bei uns im Land deutlich mehr Windkraftanlagen.“ Nach wie vor sei oberste Priorität, dass auf Bundesebene die Rahmenbedingungen für die Windenergie verbessert werden. „Es ist zwar erfreulich, dass die Diskussionen zu Mindestabständen abgeschlossen wurden und über eine Beteiligung von Kommunen gesprochen wird. Die großen Weichenstellen auf Bundesebene stehen aber noch aus.“

Die Landesgeschäftsführerin der Umweltorganisation BUND, Sylvia Pilarsky-Grosch, wies darauf hin, dass Windenergieprojektierer im Südwesten große Probleme haben, Flächen für ihre Anlagen zu finden. „Flächen, bei denen keine Konflikte mit anderen Interessen wie dem Natur- oder Denkmalschutz entstehen können, sind sehr rar.“ Um den Ausbau anzukurbeln, müssten im Landesentwicklungsplan die Ausbauziele für jeden Regionalverband festgeschrieben werden. „Dann wären diese gezwungen, verlässlich nach Flächen für Windräder zu suchen und Vorranggebiete auszuweisen, in denen Windenergieanlagen Vorrang vor anderen Nutzungsformen haben.“

Bundesweit wurden bis Ende Juni 186 Windenergieanlagen mit einer Bruttoleistung von 587 Megawatt in Betrieb genommen. Das waren mehr als doppelt so viele wie im ersten Halbjahr 2019 - dieses war aber das schwächste Ausbau-Halbjahr in den vergangenen 15 Jahren.

Ökostrom aus Wind ist ein zentraler Pfeiler der Energiewende - dem Umstieg von fossilen auf klimafreundlichere erneuerbare Energiequellen. Seit einiger Zeit aber stockt der Ausbau vor allem der Windkraft an Land. Als Hauptgründe gelten lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen. An Orten, wo Windräder gebaut werden sollen, gibt es oft erhebliche Proteste.

Der Sprecher für Energie- und Klimapolitik der SPD-Landtagsfraktion, Gernot Gruber, sagte, das schwache Abschneiden Baden-Württembergs bei der Windkraft sei keine Überraschung. So würden fast keine Grundstücke des Landesforstes für Windkraftbetreiber mehr angeboten. Dabei habe eine landeseigene Untersuchung gezeigt, dass es noch sehr viele geeignete Standorte gebe, die Interessenten und Investoren auf die Eignung hin prüfen könnten.

Der Landeschef des Naturschutzbunds Nabu, Johannes Enssle, forderte einen Systemwechsel. Es sollten Vorranggebiete für die Windenergie und Vorranggebiete für den Natur- und Artenschutz ausgewiesen werden. Somit könnten Konflikte vermieden werden.

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Erstellt:
17. Juli 2020, 05:10 Uhr

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