Baden-Württemberg

Suizid im Knast - neun Häftlinge nehmen sich 2025 das Leben

Neun Häftlinge haben sich im vergangenen Jahr in Gefängnissen im Südwesten selbst getötet, fast 100 waren es seit 2014. Das Justizministerium setzt auf Prävention.

Im Jahr 2025 nahmen sich neun Häftlinge in baden-württembergischen Gefängnissen das Leben. (Symbolbild)

© Felix Kästle/dpa/Felix Kästle

Im Jahr 2025 nahmen sich neun Häftlinge in baden-württembergischen Gefängnissen das Leben. (Symbolbild)

Von red/dpa

In den Gefängnissen im Südwesten haben sich nach Angaben aus dem Justizministerium im vergangenen Jahr neun Häftlinge das Leben genommen. Das sind drei Personen mehr als im Jahr davor, aber nicht so viele Menschen wie etwa in den Jahren 2016, 2021 und 2022. In den genannten Jahren waren es jeweils zwölf. Dabei handelte es sich um den Höchststand seit dem Jahr 2014. 

Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass eine bestimmte Justizvollzugsanstalt (JVA) überproportional betroffen sei, sagte eine Ministeriumssprecherin. Insgesamt nahmen sich den Angaben zufolge seit 2014 fast 100 Menschen in den JVAs des Landes das Leben - bis auf drei Ausnahmen ausschließlich Männer. 

Es sei eines der wichtigsten Anliegen im Justizvollzug, Selbsttötungen zu verhindern, sagte die Sprecherin. Vor allem gehe es darum, durch soziale Maßnahmen zur Vorbeugung ein hohes Maß an Sicherheit und Unterstützung zu bieten. 

So sei 2022 ein Screening eingeführt worden, eine Art Fragebogen, mit dem gefährdete Personen identifiziert werden können und dann umgehend Fachleuten vorgestellt werden.

Gefährdung wird schon bei Haftbeginn geprüft

Schon bei der Aufnahmeuntersuchung werde ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, ob der betreffende Häftling besonders gefährdet sei, hieß es. Wenn der medizinische Dienst dies bejahe, würden die Betroffenen besonders begleitet - etwa mit Gesprächsangeboten und Therapieplanung. 

Isolation und Einzelhaft sollten laut Bundesgesundheitsministerium – vor allem bei psychisch belasteten Gefangenen – vermieden werden. Sinnvolle Beschäftigung, feste Tagesstrukturen und soziale Kontakte wirken demnach protektiv.

Jeder Suizid eines Häftlings werde an die Beauftragte für Suizidprävention weitergegeben. Diese Stelle gibt es seit 2017. Von dort werden diese Fälle dann im Rahmen einer sogenannten Nachsorgekonferenz mit der jeweiligen JVA aufgearbeitet.

Wann ist die Suizidgefahr am größten?

Laut der Bundesarbeitsgruppe „Suizidprävention im Justizvollzug“, die sich dabei auf wissenschaftliche Untersuchungen bezieht, haben Gefangene ein drei- bis siebenfach erhöhtes Suizidrisiko. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es vor allem für folgende Gruppen ein erhöhtes Suizidrisiko: Gefangene am Anfang der Haftzeit sowie für junge und ältere Gefangene. 

Ein erhöhtes Risiko gibt es aber auch für Gefangene in Einzelunterbringung, wegen Sexual- oder Gewaltdelikten, mit psychischen und Suchterkrankungen, Gefangene mit Suizidversuchen in der Vergangenheit und einer Verurteilung zu einer langen Freiheitsstrafe. Auch in der Untersuchungshaft ist das Risiko höher. 

Jüngere Fälle in Ulm und Mannheim

In Ulm nahm sich laut Staatsanwaltschaft im Dezember ein 55-Jähriger in der U-Haft das Leben. Hinweise auf ein Fremdverschulden gab es laut Mitteilung nicht. Dem Mann wurde versuchter Mord vorgeworfen. Er soll im September vom Balkon des achten Stockwerks eines Ulmer Hochhauses Flaschen und Steine auf spielende Kleinkinder geworfen haben. Verletzt wurde niemand. 

In der Justizvollzugsanstalt in Mannheim nahm sich Medienberichten nach ein 34-Jähriger das Leben. Er soll im Dezember in Schriesheim bei Heidelberg seine Großmutter getötet haben, wie die „Rhein-Neckar-Zeitung“ und der „Mannheimer Morgen“ berichtet hatten. Der Mann könnte sich laut Staatsanwaltschaft „zum Zeitpunkt der Tat in einem psychischen Ausnahmezustand befunden“ haben.

Sie haben suizidale Gedanken? Hier wird Ihnen geholfen 

Wenn Sie selbst unter Depressionen leiden oder Suizidgedanken haben, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge. Auch wenn eine nahestehende Person betroffen ist, zögern Sie nicht, die Telefonseelsorge zu kontaktieren. Telefonnummer: 0800 1110 111

Hilfe für Betroffene und Angehörige

Es ist wichtig, dass Eltern, Verwandte und Freunde besonders aufmerksam sind, wenn bei Kindern oder Jugendlichen Anzeichen von Depressionen oder Suizidgefahr auftreten. Im Jahr 2023 war Suizid die häufigste Todesursache bei jungen Menschen im Alter von 10 bis 25 Jahren.

Auch hier gibt professionelle Hilfe:

www.deutsche-depressionshilfe.de

Info-Telefon Depression für Betroffene und Angehörige: 0800 33 44 5 33

E-Mail-Beratung für Betroffene und Angehörige: bravetogether@deutsche-depressionshilfe.de

Kinder und Jugendtelefon: 116 111 (Montag bis samstags 14 bis 20 Uhr)

Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/

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Erstellt:
19. Januar 2026, 15:46 Uhr

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