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Szenen führen ins Absurde

Ausstellung „Kompressionismus“ in der Galerie des Backnanger Helferhauses eröffnet

Vielfältiges in verdichteter Form ist auf den Bildern von Wolfgang Neumann zu entdecken. Der Künstler bewegt sich zwischen Figurativem und Abstraktion. Szenen führen ins Absurde und geben Rätsel auf. „Kompressionismus“ heißt die neue Ausstellung, die in der Galerie des Helferhauses eröffnet wurde.

„Es geht in den Bildern um die Frage,wird etwas geklärtoder erklärt?“Wolfgang Neumann,Maler und Musiker

„Es geht in den Bildern um die Frage, wird etwas geklärt oder erklärt?“ Wolfgang Neumann, Maler und Musiker

Von Claudia Ackermann

BACKNANG.„Wird etwas geklärt oder erklärt?“ Um diese Frage geht es Wolfgang Neumann in seinen Bildern. Der 1977 in Filderstadt geborene Künstler studierte an der Kunstakademie Stuttgart mit Schwerpunkt Malerei in der Klasse Cordula Güdemann, lebt in Waiblingen und hat sein Atelier in Ludwigsburg. In der Galerie im Helferhaus stellt er auf zwei Stockwerken aus. Eine Einführung bei der Vernissage hielt Heimat- und Kunstvereinsvorsitzender Ernst Hövelborn.

Allerlei gibt es zu entdecken in Wolfgang Neumanns Bildern. Der Künstler erzählt Geschichten, und es ist gewollt, dass sich diese dem Betrachter nicht gleich auf den ersten Blick erschließen. Absurdes lässt viel Freiraum zur Interpretation. Wie in den großformatigen „Klassenzimmer-Szenen“ in denen Figuren vor einer Tafel agieren. Arme mit gestreckten Fingern deuten die Schüler an. Ein nackter Mann führt eine Präsentation durch. Ein Kopf wird zu einer Glühlampe. In einem anderen „Tafelbild“ taucht ein Leuchtschwert auf, angelehnt an den Film „Star Wars“, und aus einem Arm wächst ein brennender Dornbusch. Von verschiedenen klassischen Motiven lässt sich Neumann inspirieren, die er auf seine ganz eigene Art künstlerisch umsetzt. Da erscheint eine Abendmahl-Szene zwischen zwei überdimensionalen Gebissen, und die Figurengruppe mit Jesus und den Aposteln steht auf dem Kopf. Abstrakte Elemente verbinden das Gestalthafte.

Im Jahr 2003 hat Neumann sein Kunststudium abgeschlossen und stellt inzwischen bundesweit aus. Zuletzt in Berlin, wo er Werke aus einem Zyklus zeigte, denen Kompositionen des Malers George Grosz zugrunde liegen. Einige Arbeiten sind in der Ausstellung im Helferhaus zu sehen, wie das Bild: „Stützen der Gesellschaft“. Figuren sind in Kreisform angelegt. Aus aufgeschnittenen Köpfen erscheinen Dinge, wie bei dem 1926 entstandenen Bild des Malers Grosz. Doch bei Neumann dominiert leuchtendes Rot das Bild, in kräftigen Pinselstrichen aufgetragen, sodass das Abstrakte die Gesichter in den Hintergrund treten lässt.

Wortspiele benutzt Neumann in manchen Titeln. Aus der Zahnpasta Colgate wird „Cool Gate“. Bei der Szenerie handelt es sich um eine Talkshow. Kopflos ist eine der Figuren. Aus der Tube gedrückte Zahnpasta-Schlangen schlagen sich als bedeutungslose Aussagen nieder. Jeder in der Runde möchte blendend weiß erscheinen, war der Grundgedanke des Künstlers.

Blumenbilder sind bei Neumann keine lieblichen Stillleben. Ein Kopf, der stark an Donald Trump erinnert, wächst aus einer Blüte. In der Blumen-Pracht erscheint ein seziertes Gehirn oder ein Adler nistet im farbenfrohen Strauß. Aus einem aufgeschnittenen Kopf ragen die blühenden Pflanzen. Das Schöne paart der Maler mit Gegensätzen und Brüchen. So wird ein anderer Blumenstrauß von einer Hand gehalten, die die Stängel aggressiv zu zerquetschen scheint. Neben Arbeiten in Acryl, Ölkreide und Sprayfarbe sind Tuschezeichnungen von dynamischen Boxszenen dabei. Ein Raum ist Bleistiftzeichnungen mit Aquarell gewidmet. Es handelt sich um Illustrationen, die Neumann für ein Buch des türkischen Schriftstellers Aras Ören gemacht hat. Szenen aus dem Buch hat er weitergesponnen und künstlerisch umgesetzt. Der Maler liebt die Abwechslung in der Größe der Formate, den Themen und verschiedenen Techniken. Auch drei digitale Radierungen als Pigmentdruck auf Bütten sind in der Ausstellung zu sehen.

Eine Reihe von Acryl-Bildern ist der Pop-Geschichte gewidmet. Michael Jackson mit Micky-Maus-Ohren scheint gen Himmel zu fliegen. In dem großformatigen Bild „Mystery Trupp“ gehen die Beatles über die Berliner Mauer. Auf einem anderen Bild fährt Bob Dylan Gitarre spielend auf einem Einrad und trägt den Boxer Muhammad Ali auf seinen Schultern. Daneben hat Neumann den Mount Everest relativ klein gemalt. Was ist größer? Der höchste Berg der Welt oder der größte Schwergewichtboxer aller Zeiten? Ein Dylan-Song hat Neumann zu dem Bild inspiriert. Musik ist eine weitere Leidenschaft des Malers. Als Singer-Songwriter und Bassist tritt er mit seiner Band Art-Attacke zusammen mit dem Schlagzeuger Detlef Eilers und dem Gitarristen Nik Zenon auf. 2012 haben sie sich zusammengetan und spielen deutschsprachigen Alternativ-Pop mit Texten aus der Feder Wolfgang Neumanns. Zur Finissage gibt das Trio ein einstündiges Konzert.

Die Ausstellung „Kompressionismus“ kann bis Sonntag, 4. November, besichtigt werden. Das Konzert mit der Band Art-Attacke findet am letzten Ausstellungstag um 16 Uhr statt. Öffnungszeiten der Galerie im Helferhaus, Petrus-Jacobi-Weg 5, sind: dienstags bis freitags von 17 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Das Werk mit dem Titel „Earseater“ stammt aus dem Jahr 2016 und ist gemalt mit Acryl, Lack und Ölkreide auf Leinwand. Fotos: P. Wolf

Das Werk mit dem Titel „Earseater“ stammt aus dem Jahr 2016 und ist gemalt mit Acryl, Lack und Ölkreide auf Leinwand. Fotos: P. Wolf

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Erstellt:
8. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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