Täglich wird ein Container gefüllt

Weil die illegale Müllentsorgung an Altglas- und Altpapiercontainern zunimmt, kümmert sich die Stadt Backnang selbst darum, dass die Standorte sauber gehalten werden. Kürzlich ist dafür sogar eine neue Stelle geschaffen worden.

Ahmed Belarbi hält die Standorte für Altglas- und Altpapiercontainer sauber. Vor allem Kartonagen, aber auch Haus- und Sperrmüll sammelt er auf. Im Schnitt füllt er einen Container pro Tag mit wildem Müll. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Ahmed Belarbi hält die Standorte für Altglas- und Altpapiercontainer sauber. Vor allem Kartonagen, aber auch Haus- und Sperrmüll sammelt er auf. Im Schnitt füllt er einen Container pro Tag mit wildem Müll. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Die Altpapierbehälter quellen über, manch einer hat seine Kartons deshalb schon daneben gestellt. Und wenn es einer tut, dann machen es andere nach, schnell häufen sich die Kartonagen. Und wenn da sowieso schon Kartons neben den Containern stehen, wirft manch einer noch Hausmüll oder Schrott dazu. Das Ganze ist kein seltener Anblick – auch in Backnang nicht. Weil man sich aber nicht einfach damit abgeben möchte, ist seit Kurzem ein städtischer Mitarbeiter, Ahmed Belarbi, eingestellt worden, der alle 39 Standorte regelmäßig abfährt und sauber hält.

Die Ladefläche seines Fahrzeugs füllt sich schnell, wie er berichtet. „Drei bis viermal am Tag lade ich ab.“ Überwiegend handle es sich um Kartonagen, aber auch Essensreste finde er ab und zu vor. Wirklich überraschen kann die Bauhofmitarbeiter aber kaum noch etwas: Von Autobatterien und Reifen über Kinderwagen und Farben sei alles schon dabei gewesen. Manchmal müsse er andere Mitarbeiter hinzurufen, wenn es sich um größere Geräte wie etwa Kühlschränke handelt, erzählt Belarbi. Momentan wird der wilde Müll im Bauhof vorsortiert und in Container geworfen, diese werden anschließend auf der Deponie entsorgt. „Im Schnitt wird etwa ein Container am Tag gefüllt“, erklärt Uwe Hammer vom Baubetriebshof. Momentan seien Belarbi und er dabei, einen Plan mit festen Touren zu erstellen. Denn nicht jeder Standort ist gleich schlimm. Auf Stufe 1 in der Dringlichkeit stehen etwa die Container am Wasserturm, in der Plaisir, im Häfnersweg, am Berufschulzentrum oder in der Industriestraße. „Da mach ich manchmal sauber und ein bis zwei Stunden später ist der Platz schon wieder voll“, berichtet Belarbi. Diese Brennpunkte sollen künftig dreimal in der Woche angefahren werden. Entsprechende Routen legt der Bauhof fest, wenn die Erfahrungswerte gesammelt wurden. „Wir sehen dann über das Jahr hinweg, wann mehr zu tun ist und wann weniger“, so Hammer.

„Es ist schwierig, eine Abfalltüte ihrem Verursacher zuzuordnen.“

Für die Container für Altglas und Altpapier ist eigentlich die Duales System Deutschland GmbH zuständig, die wiederum einer Entsorgungsfirma den Auftrag zur Leerung erteilt, erklärt die Backnanger Ordnungsamtsleiterin Gisela Blumer. Die Stadt stellt lediglich die Flächen für die Container. Blumer macht klar: „Eigentlich ist dieses System aber nicht mehr funktionstüchtig.“ Zu oft bleibt etwas liegen, von der Entsorgungsfirma höre man dann von Personalsorgen. Schon 2017 hat sich der Backnanger Gemeinderat mit dem sogenannten „Littering“, also illegaler Müllentsorgung befasst und das Maßnahmenprogramm Saubere Stadt verabschiedet. Unter anderem wurden die Reinigungsintervalle für die hoch frequentierten Containerstandorte erheblich verkürzt. Bislang hat diese Aufgabe die Paulinenpflege Winnenden erfüllt, der Vertrag sei nun jedoch von dieser aufgekündigt worden. Die Stadtverwaltung hat diese Aufgabe nun beim Baubetriebshof angesiedelt, die Stelle Ahmed Belarbis wurde extra dafür neu geschaffen. Es sei ein großes Ärgernis, dass diese Arbeit überhaupt nötig sei, so Blumer. „Es ist eine eindeutige Folge davon, dass viel mehr im Internet bestellt wird.“ Durch die Coronapandemie habe sich die Lage noch weiter zugespitzt. Wie aber kann die Stadt hier schon vorbeugend aktiv werden?

„Unser Ziel ist es, weitere Containerstandorte zu eröffnen, das ist aber nicht so einfach“, sagt Gisela Blumer. Zum einen fehle in vielen Gebieten ein geeigneter Platz, zudem werde ein solcher Standort von Anwohnern für gewöhnlich kritisch gesehen. „Wir versuchen inzwischen, die Plätze von vorneherein in die Bebauungspläne einzuarbeiten.“ Außerdem ahndet das Ordnungsamt nach Möglichkeit die Ablagerungen an wildem Müll. „Im Jahr kommt dadurch eine stattliche Anzahl an Anzeigen zusammen“, berichtet Blumer, räumt aber auch ein: „Es ist schwierig, eine Abfalltüte ihrem Verursacher zuzuordnen.“

Uwe Hammer sieht einen weiteren Ansatz: Die Abgabemöglichkeiten bekannter zu machen und die Öffnungszeiten auszuweiten. Denn: „Die Altpapiercontainer sind für Kartons eigentlich nicht vorgesehen.“ Sie sollten auf dem Wertstoffhof abgegeben werden. „Die Kartonberge blockieren die Container“, weiß Hammer. Zudem seien Kartons ein Rohstoff, der gut zu recyceln ist. „Im Wertstoffhof kann man sie abgeben, aber die Leute wissen es entweder nicht, oder sie möchten nicht extra hinfahren.“ Deshalb würden dann die Container zweckentfremdet. Mit erweiterten Öffnungszeiten und Informationskampagnen, findet Uwe Hammer, könne man dem Müllproblem an den Containerstandorten abhelfen. Andererseits sieht auch er: „Es wird immer mehr Müll.“ Die Gründe seien vielfältig: „Nicht jeder ist so mobil, dass er zum Recyclinghof kann.“ Die Hürde, eine Sperrmüllabholung anzufordern, sei für viele zu groß. Manche Unternehmen wollten außerdem bei der Entsorgung gewerblicher Müllentsorgung sparen. Bei wiederum anderen handle es sich schlicht um Faulheit.

„Am liebsten würde ich manche Standorte mit der Kamera überwachen lassen“, sagt Uwe Hammer. Und noch wisse man nicht, wie es nach der Coronapandemie weitergeht. Die Männer vom Bauhof glauben nicht an Besserung. Im Gegenteil: Im Sommer werde das Problem durch die warmen Temperaturen verschärft. „Essensreste fangen an zu faulen und gären, neben Ratten werden davon auch Wespen angelockt“, weiß Hammer. Trotzdem: Aufgeben wollen sie nicht. „Wir suchen weiter nach Lösungen und schauen auch, wie andere Städte das regeln.“

Gebührenfreie Anlieferung in haushaltsüblichen Mengen

Der Recyclinghof Backnang, Theodor-Körner-Straße 53, ist dienstags und samstags jeweils von 9 bis 12 Uhr geöffnet, zudem freitags von 14 bis 17 Uhr. Gebührenfrei abgegeben werden können (in haushaltsüblichen Mengen): CDs/DVDs, Elektro-Altgeräte (keine Kühlgeräte), Energiesparlampen (keine Leuchtstoffröhren), Gelbe-Tonne-Material, Glasflaschen, Kartonagen, Haushaltsbatterien, Korken, Altmetall und Papier.

Die Deponie Backnang-Steinbach an der K1897 zwischen Steinbach und Oppenweiler, hat von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16.30 Uhr geöffnet, außerdem an Samstagen von 8.30 bis 12.30 Uhr. Angenommen werden alle Abfallarten (außer Problemabfälle) in Kleinmengen, Grüngut, Autobatterien, Autoreifen (ohne Felgen) und Wertstoffe. Wertstoffe wie Altmetall, CDs, DVDs, Elektro-Altgeräte, Gelbe-Tonne-Material, Glasflaschen, Kartonagen, Kleider, Korken und Papier können in haushaltsüblichen Mengen gebührenfrei an den Wertstoffstationen auf den Deponien abgegeben werden. Kompostierbare Grünabfälle sind nur bis zu einer Menge von zwei Kubikmetern gebührenfrei.

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Erstellt:
7. Juni 2021, 06:00 Uhr

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