Techno-Fans feiern mit Kult-DJ Sven Väth

Zum 20-Jahr-Jubiläum haben in der Nacht auf Sonntag mehrere DJs in den Stuttgarter Wagenhallen aufgelegt.

Sven Väth ist in den 80ern der erste Techno-DJ in Deutschland gewesen.

© Chiara Sterk

Sven Väth ist in den 80ern der erste Techno-DJ in Deutschland gewesen.

Von Chiara Sterk

Stuttgart - Die Zeit, in der sie aktiv ausgegangen sei, die sei vorbei, sagt Nike, 62 Jahre alt. Aber wenn der Techno-DJ Sven Väth in die Wagenhallen komme, mache sie schon mal eine Ausnahme. „Wir sind früher viel ausgegangen“, sagt die Stuttgarterin und erinnert sich an Sven Väths Auftritte auf Ibiza und in Frankfurt am Main.

Die Wagenhallen, das sind verschiedenste Konzerte, Bad-Taste-Partys, Nachtflohmärkte, Craft-Beer-Festivals oder queere Events. Seit 20 Jahren betreiben Stefan Mellmann und Thorsten „Ebby“ Gutbrod die Location im Norden Stuttgarts.

Den Rave zum Jubiläum veranstaltet das Kollektiv Discotronic, das der Stuttgarter DJ Marius Lehnert vor langer Zeit übernommen hat. „Discotronic ist eine Reihe an verschiedenen Veranstaltungen zu elektronischer Musik im Raum Stuttgart“, erklärt der DJ. Von Raves über Clubpartys und Open-Airs sei da alles dabei. Lehnert legt an diesem Abend ebenfalls auf. Das Line-up des Abends, also die Abfolge, sei so aufgebaut, dass sich die Spannung steigere: „Es geht langsam los, hat dann den Höhepunkt mit Sven Väths Auftritt und dann lassen wir den Abend musikalisch ausklingen.“

Den Anfang am Pult macht Maurizio Schmitz, der auch Tourmanager von Sven Väth ist. „Maurizio Schmitz kann das perfekte Warm-up für Sven Väth spielen, weil er ihn musikalisch so gut kennt“, erklärt Lehnert. Schmitz startet sanft mit House bis hin zu groovigem Techno. Mit der Zeit füllt sich die Halle, immer mehr Füße bewegen sich von der einen zur anderen Stelle, alle stehen enger beieinander. Als dann Kult-DJ Sven Väth auf die Bühne tritt, steigt die Stimmung noch einmal, es wird immer ausdrucksvoller und ekstatischer getanzt, immer mehr Hände gehen in die Luft.

Sven Väth wird in der elektronischen Musikszene auch „Babba“ oder „Papa des Technos“ genannt. Der Frankfurter gilt als Szene-Pionier des deutschen Technos. Man sagt ihm zudem nach, verantwortlich dafür zu sein, wie man die Feierszene in Ibiza heute kenne. „Väth macht Techno der alten Schule“, sagt Lehnert, „Techno, der generationenübergreifend die Leute mitreißt, dabei aber nicht zu hart oder schnell ist.“ Sven Väth hat ein Label gegründet, Cocoon, zu Deutsch Kokon und ihm gehörte ein Club in Frankfurt. Sven Väths Anfänge in der Musikbranche bestritt er mit einer Mischung aus Disco, Funk und Soul. Mitte der 90er Jahre wurde er dann bekannt – und spielt seither auf den großen Bühnen der Musikwelt.

Anfangs könnte man an diesem Abend in den Wagenhallen meinen, dass vor allem diejenigen da sind, die in den 80ern schon zu Sven Väth gefeiert haben. Doch mit der Zeit füllt es sich, auch Jüngere mischen sich ins Publikum, und die Altersspanne wird so groß wie selten bei Technopartys.

Die vermutlich Jüngsten in dieser Nacht sind Henri und Maxi, 18 und 22 Jahre alt. Die beiden sind nicht nur wegen Väth hier, „wir gehen gerne auf Techno-Partys feiern“, sagen sie. Und dass sie Väths Auftritt mögen, weil das „härterer Techno ist“ als davor von Schmitz – eben das, was sie gerne hören. Miriam, 36 Jahre alt, und ihr Mann Ayoub, 30, sind extra aus Frankfurt angereist. Die beiden sind eigentlich wegen Väth hier, sind aber außerdem auf den Stuttgarter Marius Lehnert gespannt, den sie erst kürzlich für sich entdeckt haben.

Das „Closing“, wie man das Ende von Techno-Raves nennt, übernimmt danach der Stuttgarter Marius Lehnert. Lehnert selbst beschreibt sein Set als melodischen House und Techno. Am Ende sind circa 2000 Leute gekommen, schätzt der Veranstalter und DJ Marius Lehnert. Der DJ Sven Väth spielt bis nach 4 Uhr und übergibt mit Verspätung an den Veranstalter Lehnert. Bis 6 Uhr morgens darf dieser schließlich seine Techno-Beats durch die Wagenhallen peitschen, dann ist Schluss.

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Erstellt:
11. Februar 2024, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
12. Februar 2024, 21:58 Uhr

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