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Tempo 40 auf dem ganzen Innenstadtring

Backnanger Verkehrsausschuss spricht sich mit großer Mehrheit für einheitliche Geschwindigkeit auf den Hauptverkehrsstraßen aus

Auf dem Ring um die Backnanger Innenstadt sollen künftig durchweg 40 Kilometer pro Stunde als Höchstgeschwindigkeit gelten. Das hat der Verkehrsausschuss in seiner Sitzung am Dienstagabend bei einer Gegenstimme empfohlen. Zum Ring zählen Talstraße, Annonaystraße, Eugen-Adolff-Straße, Obere Bahnhofstraße, Etzwiesenstraße und Aspacher Straße. Die Regelung gilt, sofern sie in einer weiteren Ausschusssitzung nächste Woche abgesegnet wird, vorerst für ein Jahr.

Eine einheitliche Geschwindigkeit auf dem gesamten Innenstadtring soll dem Verkehr zum gleichmäßigen Fließen verhelfen. Dies hat zur Folge, dass die beiden 30er-Zonen vor dem Famfutur und in der Oberen Bahnhofstraße aufgehoben werden. Karte: Stadtverwaltung

Eine einheitliche Geschwindigkeit auf dem gesamten Innenstadtring soll dem Verkehr zum gleichmäßigen Fließen verhelfen. Dies hat zur Folge, dass die beiden 30er-Zonen vor dem Famfutur und in der Oberen Bahnhofstraße aufgehoben werden. Karte: Stadtverwaltung

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Es hat sich schon lange angedeutet, dass die Zeiten von Tempo 50 in der Innenstadt demnächst der Vergangenheit angehören. Im kritischen Abschnitt der Eugen-Adolff-Straße, in dem die Schadstoffwerte über dem Grenzwert liegen, wurde die Geschwindigkeit bereits im Sommer auf 40 Stundenkilometer beschränkt. Und für die Talstraße hatten die Verantwortlichen der Stadt die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ebenfalls schon lange angekündigt. Sobald dort die Baustelle beendet ist, sollte die Regelung greifen.

Doch diese beiden Maßnahmen sind der Stadtverwaltung nicht weit genug gegangen. Aus verschiedensten Gründen heraus wollte sie das 40-Stundenkilometer-Limit auf den gesamten Abschnitt des Innenstadtrings vom Kreisel Aspacher Straße/Schöntaler Straße an der Bleichwiese vorbei bis zur Chelmsfordbrücke ausweiten. Und dann auch noch die beiden Straßen zum Friedhofkreisel – die Stuttgarter Straße und die Blumenstraße – miteinbeziehen.

Damit nicht genug. Den Ausschussmitgliedern ging nämlich selbst diese Lösung nicht weit genug. Sie plädierten dafür, den Ringschluss dann gleich zu vollenden und auch die Obere Bahnhofstraße und die Etzwiesenstraße in die Zone 40 aufzunehmen. Der Vorschlag wurde nach kurzer Diskussion mit großer Mehrheit abgesegnet, nur Steffen Siggi Degler (AfD) hatte sich dagegen ausgesprochen. Er monierte, dass viele Autofahrer dann einen Gang runterschalten würden mit dem Resultat: höhere Drehzahlen, mehr Verbrauch, mehr Lärm.

„Der Verkehr kann bei Tempo 40 kontinuierlicher abfließen“

Die Verwaltung und die anderen Stadträte teilten Deglers Bedenken nicht. Im Gegenteil. Erster Bürgermeister Siegfried Janocha bezog sich auf die Erfahrungen von Studien andernorts, wonach eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 40 Stundenkilometer den Verkehrsfluss positiv beeinflusst. „Die Ergebnisse zeigen, dass bei verringerter Geschwindigkeit das Ziel rascher erreicht wird, da der Verkehr kontinuierlicher abfließt.“ Vor allem das ständige Anfahren und Abbremsen würde den Verkehrsfluss negativ beeinträchtigen, mehr Lärm verursachen und die Querung von Fußgängern erschweren und gefährlich machen. Im Bereich Blumenstraße und Stuttgarter Straße, wo es viele Ein- und Ausfahrten von Grundstücken gibt, sei ferner eine bessere Übersicht zu erwarten. Im Übrigen sei die geplante Maßnahme im Gesamtzusammenhang mit der vorgesehenen digitalen Verkehrssteuerung zu sehen. Janocha: „Der Verkehr nimmt immer mehr zu. Wir müssen dazu beitragen, dass er flüssiger wird.“ Tobias Großmann gab zu bedenken, dass bis 2022 fast 1000 neue Wohneinheiten im Stadtgebiet entstehen. Der Leiter des Stadtplanungsamts sprach die Konsequenzen offen an: „Diese Gebiete erzeugen mehr Verkehr.“ Und dabei ist zum Beispiel das Areal Backnang-West noch nicht eingerechnet, „die Verkehre, die daraus resultieren, kommen noch obendrauf“.

Dass der Verkehr mit der Nachverdichtung in der Innenstadt zunimmt, das war allen bewusst, so Siglinde Lohrmann (SPD). „Die Innen- vor Außenentwicklung bringt diese Probleme mit sich, aber so haben wir das gewollt.“ Sie verwies darauf, dass Backnangs Problem die unausgebaute B14 ist. „Solange der Verkehr nicht auf einer vierspurigen Bundesstraße um die Stadt herum fließen kann, werden sich die Blechlawinen weiter durch die Innenstadt schieben.“ Lohrmann hatte sich sehr früh für die Ausweitung der Geschwindigkeitsreduzierung ausgesprochen, „in unserer Stadt gibt es eh nur wenige Stellen, an denen man 50 oder gar 55 Stundenkilometer fahren kann“. Zuvor schon hatte Lutz-Dietrich Schweizer (CIB) gesagt: „40 ist eine gute Idee.“ Auch er hatte betont, dass es ohnehin nur an ein paar Stellen im Stadtgebiet möglich ist, schneller zu fahren. Zustimmung kam auch von der CDU. Sabine Kutteroff sagte: „Durchgängig auf dem gesamten Innenstadtring 40 – wir tragen es mit.“ Und auch Karl Scheib (BfB) forderte: „Tempo 40 komplett durchziehen.“ Er appellierte jedoch auch an die Bürger, die Autos öfter stehen zu lassen oder außerhalb der City zu parken und den Rest des Weges zu Fuß zu gehen. „Einen Kilometer in die Innenstadt zu laufen, das schafft doch jeder“, so Scheibs Auffassung. Die Realität sieht jedoch anders aus, so die Erfahrung der Stadtverantwortlichen, „die meisten Bürger wollen mit dem Auto bis vors Geschäft fahren“.

Die Entscheidung, ob die Pläne umgesetzt werden, fällt am 17. Oktober in der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse Technik und Umwelt sowie Finanzen und Verwaltung. Segnen die Stadträte die Geschwindigkeitsreduzierung ab, wird sie laut Rechts- und Ordnungsamtsleiterin Gisela Blumer umgehend umgesetzt. Und die beiden Tempo-30-Zonen vor dem Famfutur und in der Oberen Bahnhofstraße fallen weg. Dies sei auch zu begründen, so Janocha. „Der Zugang zum Famfutur liegt ohnehin in der Schlachthofstraße.“ In der Oberen Bahnhofstraße hingegen sei die Tempo-30-Zone viel zu kurz. Der Verkehrsteilnehmer müsse innerhalb weniger Meter 30, 50 und 40 Stundenkilometer als Höchstgeschwindigkeit realisieren. Großmann zeigte sich zuversichtlich, mit der einheitlichen Regelung den Schilderwald deutlich ausdünnen zu können.

Und so war letztendlich nur Steffen Siggi Degler mit der Entscheidung bis zuletzt nicht zufrieden. Er verlangte Zusatzschilder, dass wenigstens nachts die alte 50-Kilometer-Regelung weiter gelte. Was Lohrmann veranlasste, von einer „schwachsinnigen Idee“ zu sprechen.

In der Eugen-Adolff-Straße gilt seit Sommer bereits Tempo 40. Damit soll speziell in diesem Bereich eine Senkung der Schadstoffwerte erreicht werden. Ebenso wie mit dem Abriss der hier noch sichtbaren Gebäude 26 bis 28. Ihr Abriss ist mittlerweile größtenteils erfolgt. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

In der Eugen-Adolff-Straße gilt seit Sommer bereits Tempo 40. Damit soll speziell in diesem Bereich eine Senkung der Schadstoffwerte erreicht werden. Ebenso wie mit dem Abriss der hier noch sichtbaren Gebäude 26 bis 28. Ihr Abriss ist mittlerweile größtenteils erfolgt. Foto: J. Fiedler

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Erstellt:
10. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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