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Tierheime werden mit Anfragen „überschwemmt“

dpa/lsw Stuttgart. Die Corona-Krise beeinflusst auch die Arbeit in Tierheimen. Die Nachfrage steigt, weil Menschen sich die Zeit zu Hause irgendwie vertreiben wollen. Und bei der Tiervermittlung in Stuttgart spielt jetzt plötzlich Google Maps eine Rolle.

Eine Katze spielt im Katzenhaus von einem Tierheim. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Eine Katze spielt im Katzenhaus von einem Tierheim. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Die Corona-Krise hat auch Folgen für die Tierheime im Südwesten: Die Mitarbeiter müssen neue Wege finden, Tiere zu vermitteln, außerdem fließt wegen des Verbots von Veranstaltungen weniger Geld in die Kassen. Gleichzeitig gibt es ein zunehmendes Interesse an Vierbeinern. Viele Menschen in Baden-Württemberg wollen während der Corona-Krise für kurze Zeit einen Hund, eine Katze oder ein Kaninchen betreuen und wenden sich an Tierheime. „Wir werden überschwemmt mit Anfragen“, sagte die Stuttgarter Tierheimleiterin Marion Wünn.

Viele Interessenten, die derzeit viel Zeit Zuhause verbrächten, fragten, ob sie die Tiere für einen kurzen Zeitraum beherbergen dürften. „Wir finden das Engagement löblich, aber für die Tiere ist es nicht ideal, wenn sie für drei Wochen ein neues Zuhause haben und dann wieder zurück ins Tierheim müssen. Das verstehen die Tiere nicht“, sagte Wünn. Daher lehnten sie viele Anfragen ab.

Die Zahl der Vermittlungen der Tiere sei aber trotz Corona-Krise gleich geblieben. Die Anfragen beim Tierheim Karlsruhe hätten um 50 Prozent zugenommen, sagte Mitarbeiterin Steffi Golz.

Die Stuttgarter Tierschützer vermitteln ihre Schützlinge nur noch über E-Mail und Telefon - Besucher dürfen zurzeit landesweit nicht hereinkommen. Finden sich geeignete Interessenten für ein Tier, werden vom Besuchsverbot ausgenommene Einzeltermine ausgemacht, wie Wünn erläuterte. Üblicherweise besuchen die Tierheim-Mitarbeiter Interessenten vor dem Kauf zu Hause - in Corona-Zeiten wird auch manchmal der Online-Kartendienst Google Maps hinzugezogen, um sich ein Bild des häuslichen Umfelds des Käufers zu machen.

Spezielle Vorkehrungen gibt es auch in Karlsruhe: Mitarbeiter wurden in zwei Gruppen unterteilt, die immer an unterschiedlichen Tagen arbeiten. „Wir achten noch mehr auf Hygiene und lassen Interessenten nur mit einem Termin hinein“, sagte Mitarbeiterin Golz. Von außen solle möglichst wenig unangekündigter Besuch kommen. Mitarbeiter führen deshalb zurzeit hauptsächlich die Tiere aus. Normalerweise übernehmen dies häufig Außenstehende.

Der Landestierschutzverband in Baden-Württemberg warnt vor schlimmen Folgen für die Tierheime in der aktuellen Situation. Eigentlich waren während der Osterzeit einige Veranstaltungen geplant - nun fehlt das Geld, das dort gesammelt worden wäre. Fehlende Einnahmen auf der einen Seite, die täglich anfallende Pflege der Tiere durch Mitarbeiter auf der anderen Seite brächten immer mehr Tierheime an ihre finanziellen Grenzen.

Während die Nachfrage in Stuttgart und Karlsruhe hoch ist, gibt es nach Angaben des Vorsitzenden des 116 Vereine umfassenden Dachverbands, Stefan Hitzler, zurzeit allgemein weniger Tiervermittlungen in Baden-Württemberg. „Das Tierheim in Stuttgart ist groß. Kleine Tierheime haben aber viel größere Probleme, die Öffentlichkeit zu erreichen und Lösungen zu finden“, sagte Hitzler.

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Erstellt:
3. April 2020, 13:37 Uhr

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