Völklingen im Saarland

Mordprozess – Angeklagter gesteht tödliche Schüsse auf Polizisten

Der gewaltsame Tod eines Polizisten im Saarland erschütterte bundesweit. Nun muss sich ein 19-Jähriger wegen Mordes, versuchten Mordes und schweren Raubes vor Gericht verantworten.

Der Angeklagte sitzt neben seinem Verteidiger im Gerichtssaal.

© Laszlo Pinter/dpa/Laszlo Pinter

Der Angeklagte sitzt neben seinem Verteidiger im Gerichtssaal.

Von red/dpa

Die Tat sorgte bundesweit für Entsetzen: Sechs Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen Polizisten in Völklingen im Saarland hat der Mordprozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen und der Angeklagte die tödlichen Schüsse eingeräumt. Er habe Angst um sein eigenes Leben gehabt, erklärte sein Verteidiger Michael Rehberger zum Prozessauftakt am Landgericht Saarbrücken.

Nach einem Tankstellenraub sei er vor Polizisten geflüchtet, die ihn verfolgt hätten. Ein Polizist habe ihn dann gepackt: Sein Mandant sei von einer Festnahme ausgegangen. „Als dann ein zweiter Beamter auf ihn zielte, hatte er Angst, erschossen zu werden“, sagte Rehberger.

Witwe kämpft im Gerichtssaal mit Tränen

„In Panik“ habe er aus dem Holster des Polizeianwärters ohne Mühe die Dienstwaffe gezogen und dann abgedrückt. Mehrere Schüsse habe er auf den Polizisten abgegeben, der später gestorben sei. Rehberger: „Er fürchtete um sein Leben.“ Auch weitere Schüsse habe er abgegeben.

Zum Auftakt im Landgericht Saarbrücken waren alle Besucherplätze belegt, die Witwe des getöteten Polizisten war als Nebenklägerin anwesend. Der heute 19 Jahre alte Angeklagte mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit soll im August 2025 einen 34 Jahre alten Polizeioberkommissar getötet haben. Ihm werden Mord, versuchter Mord und besonders schwerer Raub vorgeworfen.

„Das ist ein großer Prozessauftakt mit großem Medienandrang“, sagte der Gerichtssprecher. Die Tat geschah bei einem Polizeieinsatz. Der Anklage zufolge soll der 19-Jährige mehrere Schüsse aus einer Dienstwaffe abgegeben haben, die er einem Kollegen des Opfers entrissen haben soll. Die Polizisten hatten den Mann nach einem mutmaßlichen Tankstellenraub fassen wollen. 

Witwe als Nebenklägerin im Gerichtssaal

Der Angeklagte soll auf die Polizisten gefeuert haben, um seine Beteiligung an dem Überfall zu verdecken. Die Staatsanwaltschaft sieht zudem die Mordmerkmale der Grausamkeit und der Mordlust als gegeben an. Bei der Tat wurde zudem ein Polizeianwärter verletzt.

Der Angeklagte werde im Prozess Angaben zur Person und zu den Vorwürfen machen, hatte dessen Verteidiger Michael Rehberger vor Beginn gesagt. Teilweise werde der 19-Jährige das selbst tun, teilweise werde er das als Anwalt übernehmen. „Wir werden den Tag aus seiner Sicht darstellen“, sagte der Jurist.

Der Schüler werde nicht bestreiten, geschossen zu haben. „Es gibt kaum ein Verfahren, wo es mehr Beweise und Zeugen für diese Handlungen gibt“, hatte Rehberger der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Das Gericht müsse sich mit den Mordmerkmalen auseinandersetzen, die die Verteidigung infrage stelle. Der Prozess werde zeigen, ob es am Ende ein Mord bleibe oder ein Totschlag sein könnte.

Nach der Tat im August hatte die Anklagebehörde mitgeteilt, dass der Polizeioberkommissar von sechs Schüssen getroffen worden und in Folge von Blutverlust gestorben sei. Schussverletzungen seien unter anderem an Kopf und Rumpf festgestellt worden. Der Beschuldigte habe auch noch auf den Polizisten geschossen, als dieser am Boden gelegen habe, hieß es.

„Gewalt ist längst bittere Realität“

Beim Überfall auf die Tankstelle soll der junge Mann laut Staatsanwaltschaft mit einem Besteckmesser mit abgerundeter Klinge bewaffnet gewesen sein. Er flüchtete zu Fuß und wurde von drei Polizisten verfolgt. Dabei wurde der Mann selbst verletzt und in einem Krankenhaus intensivmedizinisch behandelt.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft forderte zum Prozessauftakt in Saarbrücken eine konsequente Aufarbeitung des Falls. Am Ende müsse Gerechtigkeit für den Getöteten stehen, teilte der Landesverband der Gewerkschaft mit. Es handele sich um ein erschütterndes Verbrechen, das weit über den Einzelfall hinausgehe: „Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten ist längst kein Ausnahmephänomen mehr, sondern vielfach bittere Realität im täglichen Dienst.“ Sie müsse konsequent verfolgt und unmissverständlich sanktioniert werden.

Wie viele Verhandlungstage angesetzt sind

Da der Angeklagte als Heranwachsender gilt, findet der Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts statt. Das Gericht hat zwölf Termine bis 14. April vorgesehen. Für den ersten Tag seien auch Zeugen geladen, hieß es.

Die Tat hatte bundesweit für Bestürzung gesorgt. „Ich bin entsetzt und schockiert angesichts der brutalen Gewalttat in #Völklingen“, hatte etwa Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf der Plattform X geschrieben. Auch die saarländische Landespolitik reagierte betroffen. „Ich trauere mit der Familie des Beamten, der in Völklingen im Einsatz für unsere Sicherheit tödlich verletzt wurde“, schrieb Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) auf Instagram.

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Erstellt:
11. Februar 2026, 11:20 Uhr
Aktualisiert:
11. Februar 2026, 12:34 Uhr

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