Reich an Rohstoffen
Trump befeuert Angst vor möglicher US-Annexion Grönlands
Wird über Grönland bald die amerikanische Flagge wehen? US-Präsident Donald Trump gibt sich unbeirrt. Und nennt sogar einen Zeitpunkt, wann er sich mit der „Grönland-Frage“ beschäftigen will.
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Ginge es nach Donald Trump würde Grönland längst ein weiterer Bundesstaat der USA.
Von Markus Brauer/AFP
Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela hat US-Präsident Donald Trump am Sonntag (4. Januar) mit neuen Äußerungen die Angst vor einer möglichen Annexion Grönlands durch die USA befeuert.
„Lassen sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen“
„ Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, und Dänemark wird nicht dazu in der Lage sein“, sagte Trump an Bord seiner Präsidentenmaschine Air Force One. „Wir werden uns in rund zwei Monaten um Grönland kümmern“, so Trump und fügte hinzu: „Lassen sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen“.
Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen hatte Washington am Wochenende aufgefordert, seine „Drohungen gegen einen historischen Verbündeten“ einzustellen. „Ich muss dies den USA sehr klar sagen: Es ist absolut absurd zu sagen, dass die Vereinigten Staaten die Kontrolle über Grönland übernehmen sollten“, erklärte sie.
Zudem betonte sie, dass Dänemark, „und damit auch Grönland“, ein Nato-Mitglied sei und somit durch Sicherheitsgarantien des Bündnisses geschützt.
„Wir brauchen Grönland, unbedingt“
Trump selbst wurde in einem Telefoninterview mit dem US-Magazin „The Atlantic“ am Wochenende gefragt, was der Militäreinsatz in Venezuela für Grönland bedeute. „Das werden sie sich selbst ansehen müssen. Ich weiß es wirklich nicht“, erklärte Trump. „Aber wir brauchen Grönland, unbedingt. Wir brauchen es zur Verteidigung.“
Zugleich löste die Frau eines der wichtigsten Berater Trumps mit einem Bild der Insel in den Farben der US-Flagge Empörung aus. Katie Miller, Ehefrau von Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller, postete am Samstag (3. Januar) auf ihrem Konto im Onlinedienst X ein Bild, das eine Karte von Grönland in den Farben der US-Flagge zeigt. Darüber stand in Großbuchstaben „Bald“.
Katie Miller (nee Waldman) is now married to White House Chief Stephen Miller.Rabbi Aryeh Lightstone officiated at the ceremony attended by Trump at his Washington Hotel. She posted this meme saying it is time to 'occupy Greenland'.Miller was mentioned in the Epstein Files… pic.twitter.com/VEXAtmFbKm — UNN (@UnityNewsNet) January 4, 2026
Stephen Miller gilt in vielen Bereichen als der Architekt von Trumps Politik und berät diesen in seiner harten Einwanderungspolitik und der innenpolitischen Agenda.
„Unser Land steht nicht zum Verkauf“
Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen kritisierte den Beitrag Millers als „respektlos“. „Die Beziehungen zwischen Nationen und ihren Bevölkerungen basieren auf gegenseitigem Respekt und internationalem Recht - nicht auf symbolischen Gesten, die unseren Status und unsere Rechte missachten“, konstatierte Nielsen.
Es gebe, so Nielsen weiter, aber weder Grund zur Panik noch zur Sorge. „Unser Land steht nicht zum Verkauf, und unsere Zukunft wird nicht durch Beiträge in sozialen Medien entschieden.“
Der dänische Botschafter in den USA, Jesper Möller Sörensen, verlangte „die uneingeschränkte Achtung der territorialen Integrität“ Dänemarks. Kopenhagen und Washington seien „enge Verbündete und müssen als solche weiterhin zusammenarbeiten“.
Angebliche Sicherheitsinteressen der USA
US-Präsident Trump hatte in den vergangenen Monaten wiederholt mit der Übernahme Grönlands durch die USA gedroht und dabei auch die Anwendung von Gewalt nicht ausgeschlossen. Zuletzt sorgte er mit der Ernennung eines Sondergesandten für Grönland auf der Insel selbst, in Kopenhagen und in der EU für Empörung.
Hinsichtlich der von ihm angestrebten Übernahme Grönlands argumentiert Trump mit den Sicherheitsinteressen der USA und verweist auf die angebliche Präsenz Moskaus und Pekings rund um die geostrategisch günstig gelegene Insel. Grönland gehört zum Königreich Dänemark, ist aber weitgehend autonom.
Geostrategisches Interesse an der Arktis
Die größte Insel der Welt liegt im Nordatlantik und Arktischen Ozean zwischen Nordamerika und Europa. Auch befindet sich die Insel auf direkter Strecke einer möglichen Raketenflugbahn zwischen Russland und den USA.
Im Boden Grönlands lagern wertvolle Rohstoffe, die bisher kaum genutzt werden. Durch neu eröffnete Seewege infolge des Klimawandels ist das geostrategische Interesse an der Arktis von Seiten der USA, Chinas und Russlands zuletzt deutlich gewachsen.
Grönland ist reich an Rohstoffen
Schon heute spielen seltene Erden in der Industrie eine wichtige Rolle und ihre Bedeutung wird in den kommenden Jahren weiter wachsen – etwa beim Bau von Elektroautos, Smartphones oder der Herstellung von Halbleitern.
36,1 Millionen Tonnen dieser 17 besonders wertvollen Elemente vermutet der staatliche Geologische Dienst Dänemarks und Grönlands (GEUS) in den Böden der Insel. Allerdings sind davon laut dem United States Geological Survey (USGS) nur etwa 1,5 Millionen Tonnen tatsächlich abbaubar.
Eine eher bescheidene Zahl verglichen mit den Reserven Chinas (44 Millionen Tonnen) oder Brasiliens (21 Millionen Tonnen). Um die Abhängigkeit insbesondere von China zu verringern, dürfte das Vorkommen in Grönland aber trotzdem weltweit auf Interesse stoßen.
Lithium, Grafit und Kupfer
Laut Internationaler Energieagentur (IEA) gelten Lithium, Grafit und Kupfer als „kritisch“ für die Energiewende. Das USGS schätzt das Grafitvorkommen in Grönland auf sechs Millionen Tonnen, was in etwa 0,75 Prozent des globalen Vorkommens entspricht.
Beim besonders für Batterien interessante Lithium liegt die Schätzung bei 235.000 Tonnen oder 0,2 Prozent der globalen Ressourcen. Die Nachfrage nach dem Element könnte nach IEA-Angaben bis 2040 um das Achtfache steigen.
Die Kupfervorkommen Grönlands sind indes im weltweiten Vergleich unbedeutend. Interessanter könnten jedoch die Uranreserven sein, deren Abbau aber seit 2021 verboten ist.
Nur eine Mine in Betrieb
Auf der ganzen Insel ist derzeit lediglich eine Mine in Betrieb. Diese wird von dem Unternehmen Lumina Sustainable Materials an der Westküste betrieben, baut aber keine seltenen Erden ab, sondern das Gestein Anorthosit.
„Mehrere andere Projekte sind auf dem Weg“, erklärt Jakob Klove Keiding von GEUS. Einige hätten bereits Abbaulizenzen erhalten, benötigten aber noch hohe Investitionen und weitere Genehmigungen, um mit der Produktion beginnen zu können.
Im Süden Grönlands befindet sich derweil die Goldmine Nalunaq, die zur kanadischen Firma Amaroq Minerals gehört. Sie ist auf dem Weg, ihren Betrieb wieder aufzunehmen.
Reserven an Kohlenwasserstoff
Die Kohlenwasserstoff-Reserven unter Grönland sind beachtlich: Etwa 28,43 Milliarden Barrel Öläquivalent finden sich laut GEUS, Grönlands staatlicher Ölgesellschaft (Nunaoil) und der grönländischen Behörde für mineralische Ressourcen (MRA) auf der Insel.
Allerdings wurde in Grönland noch nie eine industrielle Öl- oder Gasbohrung durchgeführt, obwohl es drei Förderlizenzen gibt. Zudem würden die Reserven nur einen begrenzten Beitrag zur weltweiten Nachfrage leisten: Allein die USA verbrauchten 2023 laut US Energy Information Administration 7,39 Milliarden Barrel an Benzin.
