Iran-Krieg
Trump erpresst die Nato
Donald Trump beginnt einen Krieg, ohne dessen Folgen abzuschätzen. Jetzt soll die Nato für ihn die selbst geschaffenen Probleme lösen. Nein, kommentiert Franz Feyder.
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US-Machthaber Donald Trump vor dem Nato-Wappen: erbärmlicher Stratege und Lügner.
Von Franz Feyder
Erinnern Sie sich noch an den 25. Juni 2025? Das war jener Mittwoch, an dem Donald Trump, der Machthaber im Weißen Haus, die Welt wissen ließ: „Die nuklearen Fähigkeiten des Iran wurden vernichtet.“ Das Echo der zwölf Tage lang auf den Iran abgeworfenen Bomben war noch nicht einmal verhallt, da verkündete der US-Präsident bereits, dass die Gefahr einer Atombombe in den Händen schiitischer Ayatollahs für Jahre gebannt sei.
Für einige US-Militärs und -Analysten stellte sich die Lage indes anders dar: Die amerikanisch-israelischen Luftangriffe im Sommer 2025 hätten das iranische Nuklearprogramm „allenfalls um wenige Monate zurückgeworfen“, analysierten sie. Vor allem die Zerstörung unterirdischer Produktionsstätten sei nicht bestätigt und bleibe hinter den Erwartungen zurück. Rasch sprangen Trumps Lakaien wie Vizepräsident JD Vance, Kriegsminister Pete Hegseth und Außenminister Marco Rubio ihrem Herrn zur Seite: Kritischen Militärs wurde gedroht – Widerworte unerwünscht. Und damit war beschlossen, was aktuell geschieht: ein noch intensiverer, brutalerer und teurerer Krieg als im Juni 2025.
Die Folgen sind spürbar für die Welt. Der Iran sperrt mit den billigen Mitteln eines asymmetrischen – also guerillaartig geführten – Krieges erfolgreich die für den weltweiten Energiehandel lebenswichtige Straße von Hormus. Das sehen wir täglich an den steigenden Benzinpreisen.
Der strategische Geisterfahrer Trump aber befahl den aktuellen Iran-Krieg. Dabei unterschätzte er nicht nur das Regime der Ayatollahs und die Widerstandskraft ihrer willfährigen Revolutionsgarden und Sicherheitsbehörden. Nun kommt Trump auch noch in Bedrängnis, weil er seinen Wählern die steigenden Energiepreise erklären muss. Und es wird offensichtlich, dass er als vermeintlich großer Feldherr nicht einmal auf operativer Ebene seine Hausaufgaben gemacht hat: Dass das iranische Regime die Straße von Hormus als strategisches Faustpfand behandeln und sie sperren würde, wäre nach einem intensiven Blick auf die Landkarte jedem Unteroffiziersanwärter klar.
Trump erpresst das Bündnis
Trump war es das offensichtlich nicht – und nun schreit er um Hilfe. Kommt sie nicht freiwillig, so will er sie herbeipressen. Mit Blick auf die engsten militärischen Verbündeten droht Trump: „Wenn es keine Reaktion gibt oder wenn die Reaktion negativ ausfällt, wird das meiner Meinung nach sehr schlecht für die Zukunft der Nato sein.“
Mit ein paar Fregatten und Kreuzern wäre es nicht getan. Wer die Straße von Hormus für Tanker wieder passierbar machen will, muss auf einer Länge von etwa 200 Kilometern das iranische Ufer und die vorgelagerten Inseln mit Bodentruppen besetzen und kontrollieren, um so zu verhindern, dass der Iran Tanker zerstört – wohlgemerkt in einer Zone, die nicht im Bündnisgebiet liegt: Laut Artikel 6 gehören zur Nato die Mitgliedsstaaten, das Mittelmeer und der Nordatlantik nördlich des Wendekreises des Krebses. Am nächsten käme also die Türkei – 1700 Kilometer entfernt – an die Meerenge.
Ignorant, der auf die Kompetenz seiner Generäle pfeift
Selbst diesen Vertrag kennt Trump offenbar nicht. Er ist nicht nur ein erbärmlicher Stratege, der Kriege beginnt, ohne die Lage zu kennen. Er ist auch ein Ignorant, der auf die Kompetenz seiner Generäle pfeift, sie sogar unterdrückt. Und er ist ein Scharlatan, der verzweifelt nach Hilfe ruft, wenn er sich selbst in Situationen manövriert hat, aus denen er keinen Ausweg mehr findet.
Die Regierungschefs der Nato handeln richtig, wenn sie sich dem verweigern. Sie sind nicht die Vasallen Trumps. Sie sollten selbstbewusste Anführer freier Nationen in einem wertebasierten Bündnis sein – und dies auch Trump deutlich machen.
