USA und Iran-Krieg
Trump verprellt wichtige Wählergruppen
Donald Trump versprach immer wieder, Amerika aus Kriegen herauszuhalten. Jetzt stellen sich wegen des Angriffs auf den Iran wichtige Stimmen seiner MAGA-Bewegung gegen ihn.
© AFP/Daniel TOROK / The White House
In seinem Golfressort Mar-a-Lago verfolgte Donald Trump am vorigen Wochenende den Beginn des Iran-Kriegs.
Von Rainer Pörtner
In seiner Rede zur Amtseinführung gab Donald Trump ein großes Versprechen ab. „Mein stolzestes Vermächtnis wird das eines Friedensstifters und Einigers sein“, kündigte der US-Präsident im Januar 2025 an. „Wir werden unseren Erfolg nicht nur an den Schlachten messen, die wir gewinnen, sondern auch an den Kriegen, die wir beenden – und vielleicht am wichtigsten, an den Kriegen, in die wir nie verwickelt werden.“
Mit dem Krieg gegen den Iran, den Trump am 28. Februar begann, geht er nicht nur ein großes außenpolitisches Risiko ein, sondern verwirrt einen Gutteil seiner Anhängerschaft. Wichtige Stimmen der „Make-Amerika-Great-Again“-Bewegung (MAGA) stellen sich inzwischen offen gegen ihren Präsidenten.
„Niemand sollte für ein fremdes Land sterben müssen“
„Das ist Israels Krieg. Das ist nicht der Krieg der Vereinigten Staaten“, sagte der frühere Fox-News-Moderator Tucker Carlson in seinem wöchentlichen politischen Podcast. „Niemand sollte für ein fremdes Land sterben müssen“, erklärte Megyn Kelly, ebenfalls eine ehemalige Fox-News-Moderatorin.
Der Podcaster Matt Walsh forderte konservative Mitstreiter auf, Trumps Militäreinsatz nicht länger zu unterstützen. „Ich halte das Gaslighting nicht mehr aus, Leute. Wirklich nicht“, schrieb er auf X. „Gaslighting“ beschreibt den Versuch, andere Menschen an ihrer Wahrnehmung der Realität zweifeln zu lassen.
Carlson, Kelly und Walsh sind gewichtige Stimmen in der MAGA-Bewegung mit einer großen Reichweite in den Sozialen Netzwerken. Zusammen kommen sie auf 13 Millionen Abonnenten auf YouTube, Millionen weitere folgen ihnen auf X und anderen Plattformen.
Vielzahl von unterschiedlichen Begründungen für den Krieg
Der Ärger ist so groß, weil Trump in seinen Wahlkämpfen eine Konstante hatte: Er versprach, Amerika nicht mehr in militärische Abenteuer zu stürzen. „Ich werde keinen Krieg beginnen“, beteuerte er nach seinem Wahlsieg 2024. Die Politik konservativer wie demokratischer Präsidenten, mit Waffengewalt für Frieden und Demokratie in fernen Ländern sorgen zu wollen, erklärte er stets für „absolut gescheitert“.
Seine Wähler dachten, der Verzicht auf militärische Einmischung fern der amerikanischen Grenzen sei ein Kernelement des Trumpismus – und müssen nun das Gegenteil erleben.
Die Kehrtwende des Präsidenten ist für sie auch deshalb schwer verständlich, weil Trump und sein Team in den vergangenen Tagen eine Vielzahl von Begründungen abgaben, warum der Iran-Krieg notwendig sei. Mal war es das iranische Atomprogramm, dann der Wunsch nach einem Regimewechsel in Teheran. Ein anderes Mal standen die Iraner angeblich kurz davor, Raketen mit einer Reichweite zu besitzen, die Amerika treffen können.
„Wir werden Unterstützung verlieren“
Und schließlich überraschte Außenminister Marco Rubio mit der Behauptung, die USA hätten nur vorsorglich zugeschlagen, weil die Iraner ansonsten nach einem anstehenden Angriff der Israelis den US-Streitkräften in Nahost schweren Schaden zugefügt hätten. Dann hatte Trump sich also, so fragten sich viele Amerikaner, von Israels Premier Benjamin Netanjahu in diesen Krieg ziehen lassen?
Laut einer Umfrage der Washington Post am vorigen Wochenende lehnen 52 Prozent der Amerikaner Trumps Anordnung von Luftschlägen gegen den Iran ab. 39 Prozent unterstützen sie, 9 Prozent waren unentschieden.
Stephen K. Bannon war in Trumps erster Amtszeit zeitweise Chefstratege des Präsidenten und ist noch heute eine bedeutende Figur der MAGA-Bewegung. Er warnte, der außenpolitische Kurswechsel könne politisch zum Problem werden. In seinem Podcast „War Room“ kritisierte er die Iran-Operationen, nachdem ein Gast den Konflikt als möglicherweise „zähen Kampf“ bezeichnet hatte. „Ich sage es ganz offen: Das wurde im Wahlkampf 2024 nicht so verkauft. Einfach nicht. Wir werden Unterstützung verlieren“, sagte Bannon.
Sieben Staaten hat Trump inzwischen angegriffen
Eine der wichtigsten Stimmen der MAGA-Bewegung blieb in den letzten Tagen auffällig still. Von Vizepräsident JD Vance, sonst ein Lautsprecher auf vielen Kanälen, war nur wenig zu hören. Auch er hatte offensichtlich Mühe, der Volte des Präsidenten zu folgen. Das ist auch mehr als verständlich. Als JD Vance, damals Senator, im Januar 2023 dem Republikaner-Kandidaten Donald Trump seine Unterstützung im Wahlkampf versprach, nannte er als wichtigsten Grund: Trump habe in seiner ersten Amtszeit als Präsident „keinen Krieg angefangen“.
Diese Zeiten sind vorbei. Sieben Staaten hat Trump seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus angegriffen. Kein amerikanischer Präsident habe mehr Militärschläge gegen mehr verschiedene Länder befohlen als er, ermittelte das US-Nachrichtenmagazin Axios. Und Trump habe allein im Jahr 2025 mehr Luftangriffe genehmigt als sein Vorgänger Joe Biden während seiner gesamten Präsidentschaft.
