Israel und USA greifen Iran an

Trump will Regime stürzen – „Wenn wir fertig sind, übernehmt ihr die Regierung“

Inmitten der Verhandlungen im Atomstreit haben die USA und Israel am Samstag erneut den Iran angegriffen. Wie ist der erneute Krieg einzuordnen?

Rechts Explodiert ein ankommendes Geschoss in der Bucht von Haifa. Links spricht Donald Trump spricht zu Reportern.

© dpa/Leo Correa (l) und Julia Demaree Nikhinson (r)

Rechts Explodiert ein ankommendes Geschoss in der Bucht von Haifa. Links spricht Donald Trump spricht zu Reportern.

Von Thomas Seibert

Als Israel und die USA am Samstag ihren neuen Krieg gegen den Iran begannen, verzichteten sie auf den Schutz der Dunkelheit – so sicher waren sie, dass die iranische Flugabwehr machtlos sein würde. Rauchwolken nach schweren Explosionen stiegen über der iranischen Hauptstadt Teheran in den blauen Morgenhimmel.   Kampfflugzeuge und Raketen bombardierten militärische Anlagen und Regierungsgebäude; der Iran antwortete mit Raketen auf Israel, arabische Staaten und US-Stützpunkte. Für das Regime in Teheran geht es um alles: US-Präsident Donald Trump verkündete als Ziel des Feldzugs den Sturz der Islamischen Republik.

Israel und Amerika griffen zwei Tage nach der jüngsten Verhandlungsrunde mit dem Iran im Atomstreit und zwei Tage vor der geplanten Fortsetzung der Gespräche an. Der Vermittler Oman hatte noch am Freitag seinen Außenminister Badr bin Hamad al-Busaidi nach Washington geschickt, um den Krieg zu verhindern – vergebens.

Trump warf dem iranischen Regime am Samstag vor, es habe versucht, sein Atomprogramm nach dem Juni-Krieg des vergangenen Jahres wieder aufzubauen. Der Iran bedrohe „das amerikanische Volk“. Der Präsident sagte, die Angriffe sollten das iranische Raketenprogramm ausschalten und dem Iran die Fähigkeit nehmen, eine Atombombe zu bauen und den Nahen Osten mit Verbündeten wie der Hisbollah im Libanon zu destabilisieren. Auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, dessen Luftwaffe die ersten Angriffe flog, sprach von einer „existenziellen Bedrohung“, gegen die sich Israel wehren müsse.

Diese Äußerungen bemäntelten das wahre Ziel des Krieges. Trump rief die Iraner auf, während der Luftangriffe zu Hause zu bleiben, danach aber das Regime von Revolutionsführer Ali Khamenei hinwegzufegen. „Wenn wir fertig sind, übernehmt ihr die Regierung“, sagte Trump. Auch der iranische Exil-Oppositionspolitiker und Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, erklärte, das Ziel der Angriffe sei die Islamische Republik mit ihrem Unterdrückungsapparat. Er kündigte einen neuen Aufstand gegen das Regime an.

Trump schickt keine Bodentruppen, sondern will Khameneis Regierung, die nach dem Krieg des vergangenen Jahres und den Unruhen im Januar geschwächt ist, mit mehrtägigen Angriffen aus der Luft sturmreif schießen. Dann sollen sich nach seiner Vorstellung die Iraner erheben.

Neben der Hauptstadt auch Westen und Süden des Iran stark von Angriffen betroffen

Nach Medienberichten konzentrierten sich die Angriffe in den ersten Stunden auf Regionen im Iran, in denen Khamenei vermutet wurde. Auch das iranische Verteidigungsministerium sowie der Sitz des Geheimdienstes und der iranischen Atombehörde wurden bombardiert. Viele Menschen flohen laut Medienberichten aus der Hauptstadt Teheran.

Neben Teheran war der Westen und der Süden des Landes besonders betroffen – von dort haben iranische Raketen den kürzesten Weg nach Israel und in arabische Länder. Der Iran beschoss diese Länder, um US-Stützpunkte zu treffen und um die mit den USA verbündeten Regierungen am Persischen Golf dazu zu bringen, Druck auf Trump zu machen, damit er den Konflikt wieder beendet.

Telefon- und Internetverbindun im Iran abgeschaltet

Khameneis Führung zeigte mit ihren ersten Reaktionen, dass sie verstanden hat, worum es Trump geht. Kurz nach Beginn der Angriffe wurden Telefon- und Internetverbindungen im Iran unterbrochen – mit derselben Methode hatte Khamenei während des Aufstands im Januar verhindert, dass sich Regimegegner organisieren und Nachrichten über die Einsätze von Polizei und Regierungsmilizen austauschen konnten.

Der katarische Sender Al-Dschasira zitierte einen US-Regierungsvertreter mit den Worten, die USA wollten den iranischen Sicherheitsapparat zerstören. Eine Residenz von Khamenei in Teheran wurde laut der „New York Times“ zerstört. Außenminister Abbas Araghchi sagte dem US-Sender NBC, zwar seien einige Militärs getötet worden. Khamenei sei aber noch am Leben, „soviel ich weiß“.

Experte: „Regime könnte stürzen, wenn...“

Ob Trump sein Ziel des Regimesturzes erreichen kann, war am Samstag offen. Wenn Khamenei überlebe, sei es sehr wahrscheinlich, dass auch die Islamische Republik den Krieg überstehe, sagte der Iran-Experte Arman Mahmoudian von der Universität Süd-Florida unserer Zeitung. Lang anhaltender militärischer Druck auf die Führung von Militär und Politik könne aber Risse im Sicherheitsapparat entstehen lassen, die zum Sturz des Regimes führen könnten.

Der Iran zielte mit mehreren aufeinander folgenden Raketensalven auf Israel und amerikanische Verbündete wie Bahrain, Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate. Amerikanische Stützpunkte am Golf und im Irak kamen ebenfalls unter Beschuss. Marineeinheiten der iranischen Revolutionsgarde trafen laut staatlichen Medien ein US-Kriegsschiff.

Auch Ziele im Irak bombardiert

Schon nach wenigen Stunden griff der Krieg auf Irans Nachbarn Irak über. Die Nachrichtenagentur AFP meldete, ein Stützpunkt der pro-iranischen Miliz Kataib Hisbollah im Irak sei am Samstag bombardiert worden. Die Miliz hatte Angriffe auf US-Stützpunkte im Land angekündigt.

Die iranische Gegenwehr am Samstag war wesentlich stärker als im Juni vorigen Jahres, als Teheran nach den israelisch-amerikanischen Angriffen kaum etwas ausrichten konnte. Nach Medienberichten wurden in Israel in den ersten Stunden des Krieges rund drei Dutzend iranische Raketen gezählt. Die iranische Revolutionsgarde erklärte, sämtliche US-Stützpunkte in der Region seien unter Beschuss.

„Wir haben euch gewarnt“, erklärte Ebrahim Azizi, Vorsitzender des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament. „Ihr habt etwas angefangen, dessen Ende ihr nicht kontrollieren könnt.“

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Erstellt:
28. Februar 2026, 17:26 Uhr

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