Trumps Form von Frieden
Der Krieg gegen den Iran wird vieles verändern – aber wohl nicht zum Guten.
Von Thomas Seibert
Dass der Iran eine destruktive und aggressive Macht im Nahen Osten ist, wird niemand bestreiten. Auch weint kaum jemand dem getöteten Ajatollah Ali Chamenei eine Träne nach. Der 86-jährige iranische Revolutionsführer war ein kompromissloser Ideologe, der keinen Widerspruch duldete und Tausende Menschen erschießen ließ, als er sein Regime bedroht sah.
Doch all das ist nicht erst seit vergangener Woche so. Was machte den Angriff unaufschiebbar, trotz der laufenden iranisch-amerikanischen Atomverhandlungen, die nach Aussage des Vermittlers Oman eine Chance auf Erfolg hatten? Trump gibt darauf bisher keine plausible Antwort. Er verspricht aber, der Angriff auf den Iran werde „Frieden im ganzen Nahen Osten“ bringen.
Danach sieht es bisher nicht aus. Während israelische und amerikanische Kampfjets iranische Regierungseinrichtungen in Schutt und Asche legen, schießt der Iran mit Raketen und Drohnen auf die arabischen Golfstaaten und blockiert die Produktion und den Transport von Öl und Gas in der Region. Hunderte Menschen sind tot, der Ruf der arabischen Staaten als sicherer Investitionsstandort ist erschüttert, die Weltwirtschaft könnte in eine Krise stürzen. Trumps „Frieden“ hat einen hohen Preis.
Auch haben die USA keine Vorstellung davon, wie ein Machtwechsel in Teheran funktionieren soll. Trump will es den Iranern überlassen, sich gegen ein zwar geschwächtes, aber immer noch schwer bewaffnetes und rücksichtsloses Regime zu erheben. Eine Militärdiktatur ist jedoch wahrscheinlicher als eine Blüte der Demokratie.
Unabhängig davon, wie der Krieg ausgeht und ob das Regime überlebt, sind jetzt schon grundlegende Veränderungen im Nahen Osten absehbar. So wie die iranische Revolution vor 47 Jahren die Machtverhältnisse durcheinanderwirbelte, wird auch Trumps Krieg die ganze Region von der Türkei bis zum Jemen verändern.
Der Iran wird durch den Krieg militärisch, wirtschaftlich und politisch weiter geschwächt. Israels Macht ist dagegen auf einem neuen Höhepunkt. Nach der Tötung von Hamas-Chef Ismail Hanijeh und Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hat Israel nun auch Ali Chamenei, den Anführer seines größten Feindes, aus dem Weg geräumt. Die militärische und geheimdienstliche Überlegenheit Israels ist erdrückend.
Die USA haben ihren strategischen Rückzug aus dem Nahen Osten gestoppt. Trump wollte das amerikanische Engagement in der Region herunterfahren, doch nun hat er dort einen Krieg begonnen und damit einen Wunsch von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erfüllt. Israels Einfluss auf die amerikanische Nahost-Politik war noch nie so groß wie jetzt.
Das macht andere Verbündete Amerikas nervös, vor allem seit Israel im vorigen Jahr das Emirat Katar – einen der engsten Partner der USA in der Region – bombardieren konnte. Arabische Staaten sehen sich deshalb nach anderen Beschützern um. Saudi-Arabien hat ein Verteidigungsabkommen mit der islamischen Atommacht Pakistan unterschrieben. Die Türkei denkt über eigene Atombomben nach. Trump hat mit dem Krieg eine neue Ära im Nahen Osten eingeläutet – aber nicht die, die er sich wünscht.
