US-Wirtschaft
Trumps Zollpolitik geht nicht auf
Mit einer aggressiven Zollpolitik versucht US-Präsident Donald Trump die Wirtschaft seines Landes zu stärken. Neue Untersuchungen zeigen, wer darunter leidet – und wer davon profitiert.
© dpa/Mark Schiefelbein
Am 2. April 2025 verkündete Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses ein umfassendes Zoll-Paket.
Von Rainer Pörtner
Aus seiner Begeisterung für Zölle hat Donald Trump nie einen Hehl gemacht. „Für mich ist das schönste Wort im Wörterbuch der ‚Zoll‘, und es ist mein Lieblingswort“, erklärte er wenige Monate vor seiner Wiederwahl als US-Präsident. Aber mit dem, was er am 2. April 2025 tat, schockte er die Welt.
Bei einer Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses kündigte Trump amerikanische Strafzölle gegen die allermeisten Staaten auf der Welt an. Auf diesen „Tag der Befreiung“ folgte bis heute ein verwirrendes Hin und Her: immer wieder verkündete der US-Präsident neue Zölle, änderte sie dann wieder oder nahm sie ganz zurück, um kurz darauf weitere Zölle anzudrohen oder anzuordnen.
Aber was hat dieser Zoll-Irrsinn gebracht? Trump versprach den Amerikanern, er werde viel Geld für den Staatshaushalt eintreiben, das amerikanische Handelsdefizit verringern und für mehr Jobs sorgen. Viele Ökonomen befürchteten dagegen schwerste Verwerfungen im Welthandel und eine rasende Inflation in den USA.
Neue Analysen zeigen, dass die Irritationen um die Zölle viel größer waren als die realen wirtschaftlichen Effekte:
Wer bezahlt für die Zölle?
Bei den US-Bürgern erweckt Trump bis heute den Eindruck, ausländische Lieferanten würden die Zölle bezahlen. Eine Untersuchung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass die „Importeure und Verbraucher in den USA 96 Prozent der Zolllast tragen“. Die Zölle wirkten wie eine Konsumsteuer auf importierte Waren. „Die Amerikaner bezahlen die Rechnung“, sagt Julian Hinz, Forschungsdirektor des Kiel-Instituts. „Die Zölle sind ein Eigentor.“
Wie hoch sind die Zolleinnahmen der USA?
Gegenüber dem letzten Jahr der Joe-Biden-Administration steigerte Trump die Zolleinnahmen von rund 80 Milliarden auf etwa 265 Milliarden US-Dollar. Das klingt erst einmal viel, ist es aber nicht: die gesamten Staatseinnahmen für das Jahr 2025 werden auf 9,3 Billionen Dollar geschätzt. Trotzdem fallen dem US-Präsidenten immer neue Staatsaufgaben ein, die er durch Zölle finanzieren will. Das amerikanische Cato-Institut hat alle diese Versprechen zusammengezählt und kommt auf 6 Billionen US-Dollar, also 23-mal so viel wie die tatsächlichen Zoll-Einnahmen.
Ist das US-Handelsdefizit kleiner geworden?
Die Zollerhöhungen spiegeln sich, so hat es gerade das Bruegel-Institut in Brüssel analysiert, in den Handelsströmen des Jahres 2025 deutlich wider. In den Wochen vor dem „Liberation Day“ stiegen die US-Importe sprunghaft an. Die Unternehmen zogen in großem Stil Einkäufe vor, bevor sie der Zoll-Hammer traf. Danach gingen die US-Importe zurück. Das war vor allem durch einen Einbruch im China-Geschäft begründet: die Einfuhren aus dem Reich der Mitte sackten in den zwölf Monaten bis November 2025 um 45 Prozent nach unten. Insgesamt jedoch hat sich das US-Handelsdefizit laut Bruegel-Institut im Jahr 2025 „kaum verändert“. Zwar verkleinerten sich die US-Handelsdefizite mit China und der EU um mehr als fünfzig Prozent, aber dafür wuchsen die amerikanischen Defizite im Warenaustausch mit Mexiko und anderen Ländern. Offensichtlich veränderten sich die Handelsströme, ohne dass die USA dabei am Ende viel besser dastanden.
Produktspezifische Zölle etwa auf Automobile (16 Prozent), Stahl (27 Prozent) oder Aluminium (40 Prozent) hatten auch nicht immer den von Trump gewünschten Effekt. „Während das US-Stahlhandelsdefizit sank, veränderte sich das Aluminiumdefizit kaum und das Automobilhandelsdefizit stieg sogar“, fand das Bruegel-Institut heraus. Während es den USA also im Bereich Stahl teilweise gelang, mehr im Inland zu produzieren, wuchsen die Importe von Autos sogar. Vor allem Mexiko war ein Profiteur.
Was passierte mit Jobs und Preisen in den USA?
Trump löst sein Versprechen bisher nicht ein, für mehr „Blue-Collar-Jobs“ zu sorgen. Die Zahl der Industriearbeiter lag im Dezember 2025 bei rund 12,7 Millionen – und damit rund 50000 unter dem Stand zu Jahresbeginn. Gleichzeitig blieb die befürchtete Mega-Inflation aus. Die Preise schossen nicht in die Höhe, sondern blieben auf einigermaßen moderatem Niveau.
Das lag sicher an der Geldpolitik der US-Zentralbank, aber genauso sicher daran, dass die tatsächlichen Zölle am Ende niedriger ausfielen als vom lautsprechenden Trump verkündet. Die effektiven Zollbelastungen betrugen zum Beispiel im vorigen Oktober 37,7 Prozent für China und 8,6 Prozent für die Europäische Union, ermittelten die Bruegel-Forscher. Das war im Fall EU deutlich niedriger als die 20 Prozent, die Trump auf seiner Zoll-Tafel am „Liberation Day“ präsentiert hatte.
Schlecht bekommen ist die neue Politik dem Dollar. „Nach Trumps Ankündigung historischer globaler Zölle im April fielen US-Aktien, Anleihen und der Dollar gleichzeitig – ein ungewöhnlicher Dreiklang“, schreibt die Washington Post. „Während sich Aktien und Anleihen erholten, blieb der Dollar gedrückt – das Gegenteil dessen, was normalerweise nach der Einführung neuer Importzölle zu beobachten ist.“ Seit der Rückkehr von Trump ins Weiße Haus reduzierte sich der Wert der US-Währung um zehn Prozent – ein Beleg für die anhaltenden Verunsicherung bei internationalen Investoren.
Welche Effekte hatten die US-Zölle auf die globalen Handelsströme?
Trumps Zollpolitik hat weltweit Schaden angerichtet, der vielfach befürchtete Kollaps blieb aber aus. Zum einen, weil Worte und Taten oft auseinanderfielen. Zum anderen, weil sich die Unternehmen und Staaten flexibel zeigten: Zollschranken wurden umgangen und Warenströme umgeleitet. China, obwohl am stärksten von den US-Strafzöllen getroffen, fuhr 2025 den größten Handelsüberschuss seiner Geschichte ein. Die EU-Exporte stiegen im Jahresvergleich sogar, da Ausfuhren in andere Märkte den Rückgang der Exporte in die USA „mehr als ausglichen“ - so die Zwischenbilanz des Bruegel-Instituts.
Wird Donald Trump nun auf weitere Zoll-Drohungen verzichten?
Ganz sicher nicht. Der Zoll-Hammer ist für den US-Präsidenten mehr als ein wirtschaftspolitisches Instrument: er setzt ihn – siehe Grönland – immer wieder auch als politische Waffe ein, um etwas zu erreichen, was er sonst nicht oder nicht so schnell erreichen könnte. Zudem verschafft ihm das „On“ und „Off“ mit den Zöllen global wie daheim beständig Aufmerksamkeit. Und die ist Trump noch immer am wichtigsten.
