TU Chemnitz entwickelt mobilen Warenwagen

dpa Hartmannsdorf. Die TU Chemnitz hat mit drei Partnern aus der Wirtschaft ein fahrerloses Transportsystem für die Logistikbranche entwickelt. Das autonome Mobil soll die Arbeit erleichtern.

Dass "Hubert", ein autonomer Transportwagen, menschliche Hindernisse erkennt, wird demonstriert. Foto: Jan Woitas

Dass "Hubert", ein autonomer Transportwagen, menschliche Hindernisse erkennt, wird demonstriert. Foto: Jan Woitas

Wenn „Hubert“ Rot sieht, geht nichts mehr. Kommt dem selbstfahrenden Wagen ein Mensch plötzlich in die Quere, stoppt er per Nothalt abrupt. „Hubert“ ist ein autonomer mobiler Helfer für Mitarbeiter in der Logistikbranche und wurde von der TU Chemnitz gemeinsam mit drei Firmen aus Chemnitz, Magdeburg und Waldkirch in Baden-Württemberg entwickelt. Zum Abschluss des dreijährigen Forschungsprojektes wurde der selbstfahrende Wagen am Freitag nach einem viertägigen Praxistest beim Kommunikationsdienstleister Komsa AG in Hartmannsdorf vorgestellt.

„Der Wagen wurde bewusst für die Zusammenarbeit mit Menschen konzipiert“, sagte Projektleiter Christoph Allmacher von der TU Chemnitz. Das Gefährt kann sowohl einem Menschen folgen als auch autonom vorgegebene Strecken abfahren und soll die Arbeit in großen Lagerhallen erleichtern. „Wir haben zwei Fahrmodi, das sind zwei verschiedene Welten“, sagte Allmacher.

Neben der TU Chemnitz waren die Software-Unternehmen Livingsolids GmbH aus Magdeburg, die Sick AG aus Waldkirch und die iFD GmbH aus Chemnitz an der Entwicklung des Prototypen beteiligt. Gefördert wurde das Projekt mit rund 1,5 Millionen Euro aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Das etwa 30 Zentimeter hohe Mobil kann Waren bis zu 100 Kilogramm transportieren. Mittels einer 3-D-Infrarotkamera erkennt der Roboter seine Umgebung und kann selbstständig Hindernissen ausweichen. Ein zweiter Infrarotsensor knapp über dem Boden scannt einen Sicherheitsbereich von 270 Grad und stoppt im Notfall das System. Auf einem Überwachungsbildschirm erscheint dann statt der sonst grünen eine rote Punktewolke. „Der schaut auch nach hinten“, sagte Andreas Richert von der für die Kameratechnik verantwortlichen Sick AG aus Waldkirch.

Das fahrerlose Transportsystem ist allerdings noch nicht reif für Serienproduktion. Dafür seien noch ein paar Weiterentwicklungen notwendig, sagte Allmacher. Axel Hintze von Livingsolids aus Magdeburg hält das Projekt wegen seiner Kombination aus Fahren und Folgen schon jetzt für innovativ. „Es ist ein Fortschritt. Wir können stolz darauf sein“, sagte er. Die Software aus seinem Unternehmen ist dafür verantwortlich, dass „Hubert“ dank 3D-Visualisierung einen Plan von seiner Umgebung hat.

Angetrieben wird der Wagen von einem Elektromotor. Die Batterien dafür reichen rund acht Stunden. Dank zwei voneinander unabhängigen Antriebsrädern kann das Mobil sich wie ein Kettenfahrzeug auf der Stelle drehen. Dann wechseln die grünen LED-Leuchten am Rand auf gelb und blinken. Die iFD GmbH hat „Hubert“ mit einer Logistik-Software ausgerüstet, die dem Wagen die Reihenfolge seiner Arbeiten vorgibt. „Der fährt dorthin, wo wir gesagt haben, dass er hinfährt“, erklärte Projektkoordinator Michael Kämpf.

Die Komsa AG könne sich nach dem Praxistest vorstellen, das autonome Transportsystem einzuführen - wenn es denn in Produktion geht. „Wir sind in der Phase, wo wir uns verschiedene Technologien ansehen“, sagte der für die Logistikabläufe Verantwortliche, Gernot Graebner, und nannte zwei wichtige Kriterien: „Das Fahrzeug muss sich dem Menschen anpassen und nicht umgekehrt. Und den Nutzen muss der Kunde spüren.“

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Erstellt:
14. Juni 2019, 15:58 Uhr

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