Über 5000 Personen untergebracht

71 Gemeinschaftsunterkünfte waren in Betrieb. Die Kosten der Unterbringung: 130 Millionen Euro.

Belegung der Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises von Januar 2015 bis Oktober 2020.

Belegung der Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises von Januar 2015 bis Oktober 2020.

BACKNANG/WAIBLINGEN (inf). Die sogenannte Flüchtlingskrise ist nicht aus heiterem Himmel gekommen: Schon in den Jahren vor 2015 nahmen die Zahlen zu. Aber ab Sommer 2015 erreichten die Zugänge riesige Ausmaße. Die höchsten Zuweisungsraten mit über 200 Personen pro Woche beziehungsweise 1000 Personen im Monat gab es im Herbst 2015.

Im Frühjahr 2016 wurde dann in den Unterkünften des Landkreises mit 5285 untergebrachten Personen der Höchststand erreicht. Die Zahl der Gemeinschaftsunterkünfte an Rems und Murr kletterte damals auf 71. Heute sind es, dank einer geringen Zahl an Neuzugängen, noch 15 mit 652 Bewohnern.

96 sogenannte Umas, minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, sind derzeit im Kreis zu betreuen – 303 waren es im Oktober 2016. Unter ihnen sind aktuell keine aus Moria, weil im Land weniger angekommen sind als erwartet und der Rems-Murr-Kreis sein Unterbringungssoll von 91 Umas schon übererfüllt hat.

Für die Flüchtlingsunterbringung sind, so das Landratsamt, dem Landkreis von 2015 bis 2019 rund 130 Millionen Euro an Kosten entstanden (ohne Ausgaben für Asylbewerberleistungen). Ein Großteil wurde durch Erstattungen des Landes sowie Gebühren der Bewohner und weitere Einnahmeposten gedeckt. Die vom Landkreis zu tragenden Kosten belaufen sich in den fünf Jahren auf knapp 17 Millionen Euro. Ein erheblicher Anteil davon entfällt auf sogenannte Fehlbeleger: Personen, die eigentlich bereits in kommunaler Anschlussunterbringung untergebracht hätten werden müssen, also in der Zuständigkeit der Städte und Gemeinden, was aber nicht immer möglich war. Für sie übernimmt das Land keine Erstattung, weshalb letztendlich der Kreis diese Kosten getragen hat.

Die Flüchtlinge kommen

September 2012: Landrat Johannes Fuchs weist auf steigende Asylbewerberzahlen hin. Bis Jahresende wird mit 490 Personen gerechnet. Wohnraum ist knapp.

Mai 2014: Die Flüchtlingszahlen steigen weiter, 800 Personen werden in diesem Jahr erwartet. Händeringend sucht der Landkreis Unterkünfte. Über eine Nachnutzung der Krankenhäuser als Unterkunft für Geflüchtete wird diskutiert.

Februar 2015: Die Sporthalle beim Berufsschulzentrum Backnang wird mit Flüchtlingen belegt. Im Mai wird die Halle geräumt, im September aber neu belegt. Pro Monat kommen 140 Personen in den Kreis.

August 2015: Der neu gewählte Landrat Richard Sigel richtet wegen der stark steigenden Flüchtlingszahlen im Landratsamt einen Koordinierungsstab ein.

Nacht zum 24. August 2015: Die geplante Flüchtlingsunterkunft in der Welzheimer Straße in Unterweissach brennt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, ein Täter kann aber nicht ermittelt werden.

Oktober 2015: Wöchentlich kommen über 200 Flüchtlinge im Kreis an. Immer mehr Heime und Hallen werden belegt und Container und sogar Zelte aufgestellt.

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Erstellt:
10. Oktober 2020, 11:00 Uhr

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