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Übernahme in USA gibt Merck Schwung

dpa Darmstadt. Der Pharma- und Chemiekonzern Merck hat Milliarden für den Kauf des Halbleiterzulieferers Versum ausgegeben. Das hat sich ausgezahlt. Nun droht aber ein Dämpfer wegen der Corona-Infektionswelle.

Das Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmen Merck hat sich vergangenes Jahr mit viel Geld neu aufgestellt. Foto: Andreas Arnold/dpa

Das Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmen Merck hat sich vergangenes Jahr mit viel Geld neu aufgestellt. Foto: Andreas Arnold/dpa

Merck hat mit der milliardenschweren Übernahme des US-Halbleiterzulieferers Versum Schwung erhalten, schaut aber mit Sorge auf die Corona-Epidemie. Kräftige Anstiege bei Umsatz und Betriebsgewinn zum Jahresende trieben die Ergebnisse des Chemie- und Pharmaunternehmens 2019 in die Höhe. Neben dem Kauf von Versum, der Merck bessere Geschäfte mit der Chip- und Elektronikindustrie bescheren soll, halfen auch gute Ergebnisse mit Pharma und Laborausrüstung dem Darmstädter Dax-Konzern.

Im laufenden Jahr erwartet Merck weiter steigende Umsätze und Gewinne - verweist aber auf Risiken wegen des Coronavirus. Die Folgen der Epidemie seien schwer zu bestimmen, sagte Vorstandschef Stefan Oschmann am Donnerstag. Man erwarte, dass die Infektionswelle im ersten Quartal ihren Höhepunkt erreiche und sich die Lage im zweiten Halbjahr normalisiere. Dann würde das Virus die Umsätze 2020 um ein Prozent belasten. Sollte sich die Krise aber ausweiten oder gar eine globale Rezession auslösen, werde Merck die Prognose ändern müssen.

Merck setze alles daran, trotz des Coronavirus einen reibungslosen Geschäftsverlauf sicherzustellen, erklärte Oschmann. In China, wo das Unternehmen 4000 Menschen beschäftigt, beruhige sich die Situation. „Die Mitarbeiter kehren in die Büros zurück.“ Bei den Lieferketten gebe es derzeit keinen Grund zur Besorgnis. Merck stelle seine wichtigsten Medikamente selbst in Europa her. „Da ist China mehr auf uns angewiesen als umgekehrt“, sagte Oschmann.

Im vierten Quartal stieg der Konzernumsatz kräftig um 12,7 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) wuchs zum Jahresende um 27 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Merck hatte im vergangenen Jahr mit 5,8 Milliarden Euro den Kauf von Versum gestemmt, um sich im Chemie-Geschäft neu auszurichten. Auch beim kalifornischen Materialspezialisten Intermolecular schlugen die Hessen zu. Angesichts des Trends zur vernetzten Industrie, immer leistungsfähigeren Prozessoren und künstlicher Intelligenz sieht Oschmann bei Halbleitern Wachstumschancen. Er setzt auf eine Erholung der weltweiten Chip-Konjunktur. „Wir werden vom rasanten Wachstum des globalen Datenvolumens profitieren“, so der Manager.

In der Spezialchemie leidet Merck bei Flüssigkristallen etwa für Smartphone-Displays unter asiatischer Konkurrenz, was die hohe Profitabilität belastet. Mit dem Kauf von Versum gelang es nun, Umsatzrückgänge in der Chemie-Sparte mehr als auszugleichen. Bei Pigmenten etwa für Autolacke bekam Merck das raue Marktumfeld zu spüren. Man werde das Geschäft aber behalten, betonte Oschmann.

Größtes Zugpferd für Merck war erneut die boomende Laborsparte. Merck verdient hier besonders gut an Dienstleistungen und Produkten rund um die Arznei-Herstellung. In der Pharmasparte verkaufte sich das neue Medikament Mavenclad gegen Multiple Sklerose, das vergangenes Jahr die Zulassung in den USA erhalten hatte, besser als erwartet.

Im Gesamtjahr 2019 kletterte der Umsatz um 8,9 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro. Unterm Strich sank der Gewinn um gut 60 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, da Merck 2018 das Geschäft mit rezeptfreier Arznei an den Konsumgüterriesen Procter & Gamble verkauft und so einen Sonderertrag verbucht hatte. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Merck-Aktien stiegen um 3 Prozent. Die Anteilseigner sollen nun eine etwas höhere Dividende von 1,30 Euro je Aktie erhalten.

Nach der Übernahme von Versum will Merck zunächst auf große Zukäufe verzichten und Schulden abbauen. Sie haben sich im vergangenen Jahr gegenüber 2018 auf 12,4 Milliarden Euro netto fast verdoppelt.

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Erstellt:
5. März 2020, 12:33 Uhr

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