Überzieht Undav mit seinen Forderungen?

Der VfB Stuttgart steht vor schwierigen Vertragsverhandlungen mit dem beliebten Stürmer. Erste Zahlen über das Jahresgehalt und die Laufzeit des angestrebten Arbeitspapiers sind nun ausgetauscht – und die Vorstellungen des Nationalspielers liegen weit höher als bisher gedacht.

Deniz Undav zeigt an, wofür sein Herz schlägt – es ist der VfB. Im Hinblick auf die Zukunft ist jedoch offen, ob er seinen Vertrag verlängert.

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Deniz Undav zeigt an, wofür sein Herz schlägt – es ist der VfB. Im Hinblick auf die Zukunft ist jedoch offen, ob er seinen Vertrag verlängert.

Von Carlos Ubina

Stuttgart - Der Blick auf die Torjäger-Statistik verrät viel. Harry Kane ist die unumstrittene Nummer eins – sowohl in der Fußball-Bundesliga als auch in den europäischen Topligen. Keiner kommt an den Stürmer des FC Bayern heran, wenn es um Tore und Torvorlagen geht. Weltweit betrachtet, gibt es nur in Puerto Rico einen erstklassigen Angreifer, der den Engländer in Diensten des deutschen Rekordmeisters rein zahlenmäßig übertrifft. Ein gewisser Jorge Rivera, der 35 Treffer für den Metropolitan FA selbst erzielt und sechs Tore vorbereitet hat.

Kane steht bei 33 plus sieben, was die Münchner angeblich mit 25 Millionen Euro pro Jahr honorieren. Ein Wahnsinnsgehalt für eine Wahnsinnsquote (95 Tore in 92 Ligaspielen). Auch, weil der 32-Jährige als Persönlichkeit einen Sonderfall verkörpert. Verlässlich und vorbildlich. Dahinter rangiert in der Bundesliga Deniz Undav – mit 23 Scorerpunkten, die sich in 27 Einsätzen auf 18 Tore und fünf Assists verteilen. Außergewöhnliche Zahlen, die Undav in den aktuell laufenden Vertragsgesprächen für sich nutzen will. Offenbar verfolgt der Angreifer des VfB Stuttgart ein Ziel: Er will der Harry Kane des Pokalsiegers werden. Ein Ausnahmekönner mit Ausnahmeverdienst.

Bis 2027 läuft Undavs Vertrag noch, der ihm an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt ein Spitzengehalt von bis zu viereinhalb Millionen Euro einbringt. Doch das ist ein Jahr vor Ablauf des Arbeitspapiers nicht mehr genug. Die Spielerseite hat den VfB-Verantwortlichen vor Kurzem ihre Vorstellungen für eine vorzeitige Vertragsverlängerung dargelegt. Nach Informationen unserer Redaktion werden dabei die bislang in der Öffentlichkeit kolportierten sechs Millionen Euro an Jahresgehalt übertroffen. Es sollen bis zu sechseinhalb Millionen Euro pro Saison sein – und das in einem Vierjahresvertrag.

Der Betrag bezieht sich aber nicht allein auf das Grundgehalt, er würde Leistungskomponenten wie die Champions-League-Teilnahme und Erfolgsprämien beinhalten. Dennoch lässt der Sondierungsauftakt die Clubmacher die Personalie noch stärker abwägen, als sie es bereits vor dem Austausch getan haben. Auf der einen Seite steht der unbestritten hohe sportliche Wert Undavs für die Mannschaft. Denn für den Trainer Sebastian Hoeneß stellt der Nationalstürmer einen Unterschieds- sowie Führungsspieler dar und für die Fans eine Kultfigur. Erfolgreich und beliebt.

Diese Kombination soll sich auszahlen, da Undav einen letzten großen Kontrakt unterschreiben will. Am liebsten in Stuttgart, doch als ablösefreier Torjäger würden ab Januar wohl auch zahlungskräftige englische Erstligisten um ihn buhlen – mit Handgeld und Spitzengehalt. Andererseits wird der Angreifer in wenigen Wochen 30 Jahre alt, sein Marktwert wird kaum explodieren, und sollte sein Salär wie gewünscht steigen, dürfte das weiß-rote Gehaltsgefüge gesprengt werden. Was wohl zur Folge hätte, dass weitere Topkräfte im Trikot mit dem Brustring in naher Zukunft deutlich mehr Geld verlangen würden.

Da droht die Champions-League-Falle. Ständig steigende Personalkosten ohne die Garantie auf den permanenten Einzug in die Königsklasse. Wird der Sprung auf die Bühne der Besten dann verpasst, ergeben sich finanzielle Engpässe. Der VfB kennt das Problem aus der Vergangenheit und will bei allem sportlichen Ehrgeiz wirtschaftliche Vernunft walten lassen. Dennoch sind die Stuttgarter bereit, an ihre finanzielle Schmerzgrenze zu gehen, um Undav zu halten. Ein Angebot wurde ausgearbeitet und übermittelt.

Die Offerte für den Rekordtransfer der Stuttgarter (fast 30 Millionen Euro an Ablöse im Sommer 2024) dürfte so hoch sein, wie sie noch keinem anderen VfB-Profi unterbreitet wurde. Das zeigt die Wertschätzung für Undav. Aber: Der Vorstand und der Aufsichtsrat handeln weiter nach guter schwäbischer Kaufmannssitte: nicht um jeden Preis.

Ist der Mann für die magischen Momente im VfB-Ensemble also dabei, mit seinen Forderungen zu überziehen? Die Gefahr besteht, da der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle und der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth die Gesamtverantwortung für die Entwicklung des Traditionsvereins tragen und ein Undav-Abschluss in dieser Dimension vom Kontrollgremium der VfB AG um den Präsidenten Dietmar Allgaier genehmigt werden müsste.

Somit bahnt sich eine Entscheidung von großer Tragweite an. Und der Poker läuft – obwohl es beim VfB offiziell heißt, dass die Verhandlungen nach der Saison geführt werden sollen. Um Zeit zu gewinnen und den Fokus auf die verbleibenden drei Saisonbegegnungen zu richten. Allesamt wichtig für den VfB mit seinem Instinktstürmer.

Am Samstag (15.30 Uhr) im Liga-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen sowie danach gegen Eintracht Frankfurt steht die Qualifikation für die Champions League auf dem Spiel. Anschließend kommt das Pokalfinale gegen den FC Bayern und für Undav danach voraussichtlich die WM in Nordamerika mit der Nationalmannschaft. Genug Gelegenheiten, seine Bedeutung für das VfB-Team noch einmal herauszustreichen und in der Torjäger-Statistik nachzulegen. Weltweit ist Undav die Nummer 85.

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Erstellt:
5. Mai 2026, 22:04 Uhr
Aktualisiert:
6. Mai 2026, 00:00 Uhr

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