Umfrage: Schulen schlecht vorbereitet auf neue Schließungen

dpa Berlin. In ganz Deutschland sind die Sommerferien jetzt vorbei. Wären die Schulen eigentlich diesmal besser vorbereitet auf coronabedingte Schließungen? Der Glaube daran ist einer Umfrage zufolge nicht besonders groß.

Eher Ausnahme als die Regel: Schüler einer 5. Klasse lernen mit iPads im Englischunterricht. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Eher Ausnahme als die Regel: Schüler einer 5. Klasse lernen mit iPads im Englischunterricht. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Bevölkerung und Eltern sind einer Umfrage zufolge mehr als skeptisch, ob die Schulen in Deutschland auf mögliche erneute coronabedingte Schließungen vorbereitet sind. Baden-Württemberg startete am Montag als letztes Bundesland ins neue Schuljahr.

Der Digitalbranchenverband Bitkom veröffentlichte am selben Tag eine repräsentative Umfrage. Die Bürger vergaben darin im Schnitt nur die Schulnote 4,3 bei der Frage, wie sie die Schulen auf die Aufrechterhaltung des Unterrichts im Falle eines „erneuten Lockdowns“ vorbereitet sehen. Eltern schulpflichtiger Kinder vergaben sogar lediglich ein „mangelhaft“ (4,6).

Nach Ansicht der Bundesbeauftragten für Digitalisierung, Staatsministerin Dorothee Bär (CSU), wurde in den vergangenen Monaten noch nicht genug getan. „Die Corona-Krise hat wachgerüttelt, dennoch ist in den vergangenen Monaten zu wenig passiert“, sagte Bär am Montag der Deutschen Presse-Agentur. „Auf einen zweiten Lockdown wären wir nicht wirklich besser vorbereitet.“ Es gebe zwar positive Einzelbeispiele und einzelne Initiativen, aber in der Breite stünden Familien im Falle von Schließungen wieder vor ähnlichen Härten wie im Frühjahr.

Bewegung gab es am Montag allerdings beim Thema digitales Schul- und Lernmaterial: Eine von Bund und Ländern finanzierte neue Mediathek mit Filmen, Audios, Bildern, Arbeitsblättern und digitalen Lerneinheiten ging online. Auf der Plattform MUNDO standen zum Start rund 30.000 Medien bereit, wie das zuständige FWU Institut für Film und Bild in Grünwald bei München mitteilte.

Die Corona-Pandemie habe die Bedeutung dieser Bildungsmaterialien für gelingende digitale Bildung in Deutschland einmal mehr unterstrichen, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Mit dem länderübergreifenden Projekt würden sie nun für alle Bundesländer verfügbar gemacht. Vom Deutschen Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt, wurde das begrüßt: „In dieser Hinsicht geht es eindeutig voran“, sagte die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing am Montag.

Der Bitkom-Umfrage zufolge, die im August durchgeführt wurde, wird der Stand der Digitalisierung (Geräte, Internetanbindung oder digitale Unterrichtsinhalte) an den Schulen lediglich mit „ausreichend“ bewertet (4,2 Eltern, 4,2 alle Befragten).

Digitalisierungsgegner gibt es demnach so gut wie gar nicht: Nur drei Prozent sind der Auffassung, digitale Technologien wie Computer oder Tablets sollten in Schulen nichts zu suchen haben. Eine große Mehrheit ist dagegen dafür, dass Computer, Smartboards oder Tablets in allen Schulen Standard sein sollten (88 Prozent, Eltern 93 Prozent). Zudem finden es die allermeisten Befragten wichtig, dass alle Schüler mit Laptops oder Tablets ausgestattet werden und Lehrer regelmäßig in digitalen Kompetenzen weitergebildet werden.

„Es reicht nicht, auf Hygiene und Abstand beim Präsenzunterricht zu achten. Sondern Schulen müssen digital fit werden“, sagte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Thomas Sattelberger. Es brauche seriöse Lernplattformen, digital ausgebildete Lehrer und staatlich finanzierte Hardware für alle Schüler.

Bär kritisierte den Föderalismus, „wie er momentan bei dem Thema Bildung funktioniert“, als „echten Hemmschuh“. Für Bildung ist in Deutschland jedes Bundesland selbst zuständig. Die Digitalstaatsministerin forderte mehr Effizienz. „Es macht keinen Sinn, dass jedes Bundesland das Rad neu erfindet.“ „Es ist unserem Land nicht würdig, dass wir bei der digitalen Bildung derart hinterherhinken.“

Am Geld mangelt es momentan nicht, aber es dauert, bis die Mittel an den Schulen ankommen. Über den Digitalpakt Schule stehen 5,5 Milliarden Euro zur technischen Modernisierung bereit, unter anderem für den Aufbau von schuleigenem WLAN oder die Anschaffung interaktiver Tafeln. Zusätzlich werden in der Corona-Krise 500 Millionen Euro für Leihlaptops für bedürftige Schüler bereitgestellt, zudem soll es 500 Millionen Euro für Dienstgeräte für Lehrer geben.

© dpa-infocom, dpa:200914-99-555152/3

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Erstellt:
14. September 2020, 11:52 Uhr

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