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Unbeliebte Knochenarbeit macht jetzt der Roboter

Der von der Oppenweiler Firma MBO entwickelte Cobo-Stack stapelt Papier automatisch auf Paletten. Dadurch wird die Arbeit in Druckereien effizienter.

Entwicklungsleiter Sebastian König freut sich über die Auszeichnung für den Cobo-Stack: Der Roboter greift einen Papierstapel vom Band und platziert diesen exakt an der richtigen Stelle auf der Palette. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Entwicklungsleiter Sebastian König freut sich über die Auszeichnung für den Cobo-Stack: Der Roboter greift einen Papierstapel vom Band und platziert diesen exakt an der richtigen Stelle auf der Palette. Foto: J. Fiedler

Von Kornelius Fritz

OPPENWEILER. Christian Markl hat einst den Beruf des Buchbinders erlernt. Ein interessanter und abwechslungsreicher Job, doch an eine Tätigkeit erinnert sich Markl nur ungern: das Abstapeln. Wenn die Falzmaschine am Ende die fertigen Druck-Erzeugnisse ausspuckte, war es sein Job, die Prospekte, Hefte oder Flyer vom Band zu nehmen und auf eine Palette zu stapeln. Eine stupide und zugleich körperlich anstrengende Arbeit, denn die Maschine falzt mehr als 17000 Exemplare pro Stunde – macht in Summe bis zu 1,8 Tonnen Papier, die der Buchbinder von Hand bewegen musste.

Heute ist Christian Markl stellvertretender Leiter des Kundencenters beim Maschinenbauer MBO Postpress Solutions in Oppenweiler und präsentiert eine Erfindung, die seinen Nachfolgern in den Druckereien und Buchbindereien die Arbeit leichter machen soll: den Cobo-Stack. Dahinter verbirgt sich ein kleiner Roboter, der am Ende an die Falzanlage angedockt wird und die Druck-Erzeugnisse stapelweise vom Band hebt und automatisch auf der Palette absetzt.

Keine Verletzungsgefahr für den Bediener

Was so einfach aussieht, war für die Entwickler bei MBO ein hochkomplexes Projekt. Denn Papier in unterschiedlicher Dicke sauber zu stapeln, ohne dass es verrutscht oder der Stapel umkippt, erfordert Erfahrung und Fingerfertigkeit. „Das lernt ein Buchbinder während seiner Ausbildung“, erzählt Markl. Diese Fähigkeiten galt es nun, einem Roboter beizubringen. Ein weiteres Problem war die Sicherheit: Denn Mensch und Roboter stehen bei der Arbeit direkt nebeneinander. Da ist nicht auszuschließen, dass der Mitarbeiter auch mal vom ausschwenkenden Greifarm getroffen wird. Beim Cobo-Stack, der die Robotertechnik eines dänischen Herstellers nutzt, ist das kein Problem: „Sensoren erkennen, wenn es zu einem Kontakt kommt, und stoppen den Roboterarm sofort“, erklärt Entwicklungsleiter Sebastian König. Mehr als einen blauen Fleck hat der Bediener nicht zu befürchten.

Die in Oppenweiler entwickelte Maschine soll aber nicht nur Buchbindern ihren Arbeitsalltag erleichtern, MBO verspricht seinen Kunden auch eine deutliche Effizienzsteigerung. „Der Bediener war oft der Flaschenhals“, erklärt Marketingmanager Michael Kyburz. Kam er mit dem Abstapeln nicht hinterher, musste die Falzmaschine langsamer laufen. Dank des Cobo-Stacks könne ein Mitarbeiter nun sogar zwei Maschinen gleichzeitig bedienen oder parallel bereits den nächsten Auftrag vorbereiten.

Druckereien und Buchbindereien könnten dadurch so viel Geld sparen, dass sich die Anschaffung des rund 120000 Euro teuren Cobo-Stacks rasch bezahlt mache: „Bei einer Firma, die im Zweischichtbetrieb arbeitet, lohnt sich das schon nach zwei Jahren“, sagt König. Entsprechend groß ist die Nachfrage für das neue Produkt, das Ende 2019 auf den Markt gekommen ist. „Im Schnitt verkaufen wir zurzeit ein System pro Woche“, sagt König. Corona habe daran nichts geändert – im Gegenteil: „Wir stellen fest, dass gerade jetzt viele Unternehmen ihre Effizienz überdenken.“ Auch eine stärkere Digitalisierung werde in vielen Unternehmen zum Thema. Die Software im Cobo-Stack ist darauf eingestellt und ist in der Lage, eine Vielzahl von Livedaten an ein Managementsystem zu übertragen. Denn bei MBO ist man davon überzeugt, dass auch die Druckindustrie in den nächsten Jahren wesentlich digitaler werden wird.

Sebastian König überlegt derweil schon, wie man das Know-how, das die Firma bei der Entwicklung des Cobo-Stacks aufgebaut hat, künftig auch für andere Produkte einsetzen kann. „Dieses Produkt sichert Arbeitsplätze am Standort Oppenweiler“, sagt der Entwicklungschef. Christian Markl ist nur ein bisschen traurig, weil er selbst nicht mehr mit dem Roboter zusammenarbeiten darf: „Wegen mir hätte es so etwas gerne schon 20 Jahre früher geben dürfen.“

MBO Postpress Solutions

Die Abkürzung MBO steht für Maschinenbau Oppenweiler. Die Firma wurde 1965 von Heinz Binder gegründet. Die Firma fertigte zunächst Teile für die Luftfahrtindustrie, ab 1967 wurden die ersten Falzmaschinen ausgeliefert.

Bereits 1972 baute MBO ein Produktionswerk in Portugal auf. Mit rund 300 Mitarbeitern ist dies bis heute der größte Standort. Am Stammsitz in Oppenweiler sind etwa 100 Personen beschäftigt.

Niederlassungen hat die Firma in Frankreich, den USA und China, 2000 kaufte MBO die Bielefelder Firma Herzog+Heymann, einen Hersteller von Spezialfalzmaschinen.

Nach dem Tod des Firmengründers 2001 blieb das Unternehmen zunächst in Familienbesitz, zum 1. Mai 2020 wurde MBO vom japanischen Druckmaschinenhersteller Komori übernommen.

Im Jahr 2019 erzielte die MBO Postpress Solutions mit insgesamt 450 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro.

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Erstellt:
25. August 2020, 06:00 Uhr

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