Unbürokratische Hilfe für die Bürger

Der Diakonieverein Kirchberg macht mit seinen Angeboten das Leben für viele Bürger ein wenig leichter. Neben dem Besuchsdienst für chronisch Kranke gibt es auch ein Begegnungscafé, das Projekt „Hand in Hand“ und Vorträge.

Der Besuchsdienst ist eine wichtige Säule des Diakonievereins in Kirchberg an der Murr. Dass er bald wieder ohne zu viel Coronadistanz vonstattengehen kann, dies ist die Hoffnung aller. Symbolfoto: Adobe Stock/I. Bartussek

© Ingo Bartussek - stock.adobe.com

Der Besuchsdienst ist eine wichtige Säule des Diakonievereins in Kirchberg an der Murr. Dass er bald wieder ohne zu viel Coronadistanz vonstattengehen kann, dies ist die Hoffnung aller. Symbolfoto: Adobe Stock/I. Bartussek

Von Simone Schneider-Seebeck

KIRCHBERG AN DER MURR. Der Krankenpflegeverein Kirchberg kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. 1907 gegründet, lag der Gründungsgedanke darin, Kranke zu pflegen und die Gemeindeschwester finanziell zu unterstützen. Mittlerweile hat sich die Struktur geändert – seit 1996/97 gibt es die Institution der Gemeindeschwester im früheren Sinne nicht mehr. Im Zuge der Einführung des Pflegeversicherungsgesetzes war der kirchliche Verband Diakoniestation Mittleres Murrtal ins Leben gerufen worden, dem mehrere evangelische Kirchengemeinden aus der Umgebung angehören und der diesen Aufgabenbereich übernimmt. Der Krankenpflegeverein wurde zum Diakonieverein und unterstützt nun die Diakoniestation in finanzieller Hinsicht. Er ist ein unselbstständiger Verein der Kirchengemeinde. Doch es gibt weitere Tätigkeitsfelder, in denen die Ehrenamtlichen des Vereins weiterhin aktiv sind, wie Pfarrer Martin Weber als Vorsitzender erläutert.

Da gibt es beispielsweise das Begegnungscafé im Gemeindehaus, das zum ersten Mal am 24. März 2005 stattfand. Es ist ein Angebot für Senioren, das sich seither fest etabliert hat. In der Vor-Corona-Zeit wurde jeden letzten Donnerstag im Monat eingeladen. Ein geistlicher Impuls, sei es von Pfarrer Weber, Mitarbeitern der Kirchengemeinde oder auch auswärtigen Rednern, gehört dazu, und unbedingt auch – sehr guter – selbst gebackener Kuchen, der zum Kaffee gereicht wird und im Laufe der Jahre sogar den sonst bei solchen Veranstaltungen üblichen Hefezopf verdrängt hat.

Viele Kirchberger, auch neu Hinzugezogene, haben das Begegnungscafé schätzen gelernt, gut 30 bis 40 Besucher sind es jedes Mal. Im Mittelpunkt stehen das gemütliche Beisammensein und das Reden miteinander. Ende 2019 übernahm Heinz Renz die Koordination von seinem langjährigen und mittlerweile verstorbenen Vorgänger Wolfgang Layher. Zweimal konnte er das Café noch leiten, bevor durch die Coronapandemie vorerst eine Pause eingelegt werden musste.

Beim Singen von Volksliedern und Chorälen geschah ein kleines Wunder.

Ein weiterer Baustein ist der Besuchsdienst. Die Diakoniestation vermittelt auf Wunsch ehrenamtliche Mitarbeiter des Diakonievereins, die chronisch Kranke besuchen. Für Leni Schäfer, Ingrid Kieninger und Sigrid Renz sind die Krankenbesuche seit über zwei Jahrzehnten eine erfüllende Aufgabe. „Wir machen das, um den Besuchten Freude zu bringen“, erzählt Leni Schäfer, „um zuzuhören, zu erzählen, zu ermutigen.“ Manchmal gehen sie allein hin, manchmal zu zweit, je nachdem.

Feste Besuchsregelungen gibt es nicht, die drei älteren Damen rufen vorab an und fragen nach, ob sie vorbeikommen dürfen. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich einmal eine Absage bekommen habe“, so Leni Schäfer und erinnert sich an ein besonders schönes Erlebnis. Einmal besuchten zwei der Damen eine Pflegeheimbewohnerin. Diese war so krank, dass sie weder reden noch reagieren konnte. Die Besucherinnen sangen ihr Volkslieder und Choräle vor – und erlebten ein kleines Wunder. Denn die Bewohnerin reagierte auf den Gesang. Die Klänge lockten auch noch andere Bewohner an, die sich vor der Zimmertür versammelten und sogar teilweise mitsingen konnten.

2013 wurde das Projekt „Hand in Hand“ ins Leben gerufen. Vor nunmehr knapp fünf Jahren hat Heike Schreiber die Organisation übernommen. Schnell und unbürokratisch Hilfe leisten in Notsituationen, das steckt hinter diesem Projekt. Und das gefällt auch Heike Schreiber daran. „Ich kann unkompliziert anderen Menschen helfen“, sagt sie. In den vergangenen Jahren wurde die Hilfe gern von jungen Müttern in Anspruch genommen, die gerade ein Baby bekommen und auch ältere Kinder zu versorgen hatten. So konnten die älteren Geschwister beispielsweise vom Kindergarten abgeholt werden, wenn die Mutter gerade damit beschäftigt war, sich um den Säugling zu kümmern. Oder es wurden Mittagessen für ältere Mitbürger zubereitet oder man unterstützt Personen in der Zeit zwischen Krankenhaus- und Rehaaufenthalt zu Hause. Auch Einkaufsdienste gehören dazu. Weitere Informationen gibt unter www.kpv-kirchberg.de.

Die Projekte und Dienste des Diakonievereins stehen jedoch nicht nur Mitgliedern offen. So gibt es beispielsweise im Anschluss an die jährliche Hauptversammlung einen Fachvortrag, zu dem jeder Interessierte willkommen ist. Die Themen sind dabei breit gestreut. So war bereits ein Zahnarzt eingeladen, ein Dermatologe, die Distriktdiakonin sprach über Demenz, der örtliche Physiotherapeut hatte sich dem Bereich Rückenschmerzen angenommen und vieles mehr. Im vergangenen Jahr konnte aufgrund der Pandemiesituation das Thema „Burn-out“ jedoch nicht wie erhofft stattfinden.

Jeden dritten Sonntag im Oktober ist der Diakoniesonntag, den der Verein organisiert und auch einen Gastprediger einlädt. Für dieses Jahr wird Dekan Graf zum Thema Notfallseelsorge sprechen.

Etwa 250 Mitglieder hat der Verein aktuell. Mit ihrem Mitgliedsbeitrag unterstützen sie nicht nur die Diakoniestation und die Vereinsangebote. „Wird ein Mitglied pflegebedürftig und es gibt eine Warteliste, dann wird man bevorzugt behandelt“, erklärt die Zweite Vorsitzende Iris Schäfer. Man tut mit seinem Beitrag also sowohl anderen als auch sich selbst etwas Gutes.

Pfarrer Weber spricht beim Begegnungscafé: Ein Bild aus der Vor-Corona-Zeit. Foto: privat

Pfarrer Weber spricht beim Begegnungscafé: Ein Bild aus der Vor-Corona-Zeit. Foto: privat

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Erstellt:
26. März 2021, 06:00 Uhr

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