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Und alle lieben Oma

Um Senta Renz versammeln sich 9 Kinder, 21 Enkel, 17 Urenkel und eine Ururenkelin

Senta Renz aus Backnang wurde dieses Jahr Ururoma und hat neun Kinder. Wenn Großfamilie Renz vollzählig ist, sitzen 70 Personen beisammen. Drei bis vier Feste pro Jahr sind keine Seltenheit. Im Juli war die letzte große Fete: Ein 60er wurde in einem Weingut gefeiert. Seit Donnerstag, 8. August, rattert es nur so vor Geburtstagen: Vier Kinder von Senta Renz haben Grund zu feiern.

Groß, größer, Großfamilie: Gefeiert wird bei Familie Renz gerne und viel – genügend Gelegenheiten gibt es ja das Jahr über. Foto: privat

Groß, größer, Großfamilie: Gefeiert wird bei Familie Renz gerne und viel – genügend Gelegenheiten gibt es ja das Jahr über. Foto: privat

Von Heidrun Gehrke

BACKNANG. „Kinder, Enkel, Ur- und Ururenkel zusammengezählt, kommen wir auf 1379 Lebensjahre“, sagt Marion Hettich, eine von drei Töchtern von Senta Renz. Einen großen Beitrag zum hohen Lebensjahrekonto der Familie leistet die geistig fitte Seniorin, die im Kreis ihrer 21 Enkel, 17 Urenkel und ihrer damals noch vier Monate jungen Ururenkelin Finja im April dieses Jahres ihren 86. Geburtstag gefeiert hat. Über den an diesem Tag eingerichteten Großfamilienchat bei WhatsApp sind alle immer auf dem Laufenden. Fast alle – Oma braucht kein digitales Helferlein. „Ich habe alle Geburtstage im Kopf“, erzählt sie schmunzelnd. „Oder ich hab mein Büchle.“

Auch ein Taschenrechner wäre bei der Großfamilie nichts Dummes: Als Außenstehender muss man ein kleiner Rechenkünstler sein, um hinterherzukommen. „Meine Kinder sind älter als meine Cousinen“, sagt der jüngste Enkel Steffen Wilhelm. Er selbst ist nur fünf Jahre jünger als Peter, der jüngste Sohn von Senta Renz, was an der langen Zeitspanne zwischen 1954 und 1967 liegt, in der die drei Töchter und sechs Söhne zur Welt kamen. Renzens, Wilhelms und Hettichs leben in Backnang und Kirchberg. Die Schwester von Marion Hettich, Ingrid Strenger, wohnt in Asperg.

Fast jedes Jahr ein runder Geburtstag

So richtig weit weg gezogen ist niemand. Durch die räumliche Nähe befindet sich die Familie quasi im nie abreißenden Feiermodus. „Wir haben jedes Jahr mindestens einen runden Geburtstag“, sagt Marion Hettich. Erst jetzt im Juli wurde der 60. Geburtstag von Jürgen Renz gefeiert. Fast alle waren da, auch die Jüngsten wurden vorsichtig ans Familienfestfeiern herangeführt: Die fünf Monate alte Urenkelin Linn und Ururenkelin Finja. Jetzt im August ist das Klirren der Sektgläser am häufigsten zu hören – bei vier von neun Kindern von Senta Renz fällt das Wiegenfest in diesen Monat.

Die Großfamilie ist für alle der Lebensmittelpunkt – nicht selbstverständlich in der heutigen Zeit. „Unsere Lehrer dachten früher, dass bei uns in Wannen gekocht wird wie bei der Bundeswehr“, berichtet Marion Hettich. „Ja, und dass wir zu dritt ein Bett teilen“, ergänzt ihr Bruder Wolfgang. Natürlich hatte jeder sein eigenes Bett. „Nur die Fußbälle haben wir uns geteilt, wir hatten nicht so viele“, erinnern sich die Geschwister. Unvergessen für sie auch das Federballspielen auf der Straße und die ersten Fahrversuche mit dem Leiterwägele. Egal, wen man fragt in der illustren und munteren Runde, alle sagen: „Es war eine tolle Kindheit.“ Und alle lieben Oma.

„Sie war die Oma, zu der wir Kinder immer hin konnten“, sagt die 25-jährige Enkelin Natalie Renz. Und alle seien happy gewesen, wenn Oma das familienübergreifende Lieblingsessen machte. „Der Hefezopf und die Kartoffelschnitz mit Spätzle sind legendär.“ Auch Senta Renz, strahlender Mittelpunkt ihrer Kinder und Enkel, erinnert sich mit glänzenden lachenden Augen gerne zurück: In ihrem Geburtshaus in Affalterbach ist heute das Heimatmuseum untergebracht. Ihre neun Kinder kamen in Kirchberg zur Welt, wo sie bis heute lebt. „Acht Hausgeburten, alle bei derselben Hebamme“, erzählt sie. Der Hof, in dem ihr Mann einen Sanitär- und Flaschnereibetrieb gründete, war „meine Heimat“. Auch für alle anderen war er „der Heimathafen“, erzählt Marion Hettich.

Bis sie 82 war, sei ihre Mutter Auto gefahren. Früher fuhr sie auch Moped: eine Kreidler Florette. So weit gekommen wie ihre Kinder und Enkel, die alle Kontinente bereist haben, sei sie nicht. „Ich war einmal für zwei Tage in Venedig, ich habe aber nie etwas vermisst“, meint die Seniorin. Sie mag die Lindenstraße und strickt für ihr Leben gern Socken. Bis vor Kurzem war sie aktives Mitglied in der Herzsportgruppe. Produktiv sein fällt ihr nicht schwer: Neben der Familie hatte sie in Kirchberg ein Ladengeschäft und verkaufte Haushaltswaren bis hin zu Silvesterknallerei und Faschingskostümen. Das Geschäft existiert nicht mehr, seit ihr Mann Werner den Sanitär- und Heizungsbetrieb gegründet hat. Der älteste Sohn Wolfgang und „Nesthäkchen“ Peter übernahmen 1990 das Geschäft und führen es als Gebrüder Renz GmbH. Alle anderen haben sich beruflich anders orientiert. „Wir könnten ein ganzes Haus bauen, versichern und eine Gastronomie eröffnen“, sagt Steffen Wilhelm. In der Familie finden sich ein Bäckermeister, eine Bankkauffrau, ein Versicherungsmakler, ein Lehrer, eine Zahnarzthelferin, eine Krankenschwester, ein Immobilienmakler, ein Großhändler, ein Koch, ein Marketingprofi und eine Politikerin – es ist die ehemalige Bundestagskandidatin für die FDP im Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd Gudrun Wilhelm.

Überschneidungen gebe es eher bei den Hobbys. Marion, Wolfgang und der Sohn von Peter, Jonas Renz, spielen Theater in der Laientheatergruppe „Maultäschle“. Alle neun Kinder sind im Sportverein oder Musikverein. Einige gehen miteinander wandern, reiten oder auf die Jagd. Senta Renz fällt eine weitere Gemeinsamkeit ein: „Wir sind alle normale Esser, keine Raucher und gesund – das ist ein Geschenk.“

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Erstellt:
15. August 2019, 06:00 Uhr

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