Unesco zeichnet Bauhüttenwesen als gutes Praxisbeispiel aus

dpa/lsw Paris/Ulm. Die UN-Kulturorganisation Unesco hat das Bauhüttenwesen in das Register guter Praxisbeispiele zum Erhalt immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Mit dem Beschluss des zwischenstaatlichen Ausschusses vom Donnerstag werde der internationale Modellcharakter der Bauhütten geehrt, hieß es in einer Mitteilung der deutschen Unesco-Kommission.

Das Ulmer Münster. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild

Das Ulmer Münster. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild

In Deutschland hatten sich die Bauhütten in den Städten Aachen, Bamberg, Dresden, Freiburg, Köln, Lübeck, Mainz, Passau, Regensburg, Schwäbisch Gmünd, Soest, Ulm und Xanten beworben. Insgesamt gab es 18 Bewerbungen auch aus Frankreich, Österreich, der Schweiz und Norwegen.

„Die auf das Mittelalter zurückgehende Tradition der Bauhütten dokumentiert, wie wichtig der grenzüberschreitende Kulturaustausch und die Zusammenarbeit von Künstlern und Handwerkern für gesellschaftliche und baukünstlerische Entwicklungen in Europa waren und sind“, kommentierte Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, die Aufnahme der Bauhütten in das Register.

Geehrt wurde damit auch die Bauhütte am Ulmer Münster mit seinem höchsten Kirchturm der Welt. Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) bezeichnete dies als „hoch verdiente und lange überfällige Auszeichnung“. Die Tradition des europaweiten Austauschs von Ideen und hoch spezialisierten Bauleuten setze sich in den Bauhütten der Neuzeit fort, sie seien damit lebendige Zeugnisse europäischer Kulturgeschichte und Ausdruck dessen, wofür Europa stehe, teilte Czisch mit.

Die 18 Bauhütten schreiben auf ihrer Webseite zum Bauhüttenwesen: „Im Wesentlichen verstehen sich die Bauhütten als Kompetenzzentren rund um den Stein.“ Sie haben sich im Mittelalter rund um die Baustellen der Großkirchen in Europa herausgebildet. Verschiedene Gewerke arbeiteten dabei eng miteinander zusammen. In Straßburg und in Freiburg gebe es die Bauhütten seit dem Mittelalter ununterbrochen. Andernorts wie in Dresden, Basel oder Linz seien sie später wieder oder neu gegründet worden.

Zum immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen etwa aus den Bereichen Handwerkstechniken und Musik. Die Unesco unterstützt ihren Schutz, ihre Dokumentation und ihren Erhalt seit 2003. Insgesamt 180 Staaten sind dem Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten.

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Erstellt:
17. Dezember 2020, 21:34 Uhr

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