Trotz Waffenruhe
Unicef: Mehr als 100 Kinder seit Waffenruhe in Gaza getötet
Trotz Waffenruhe sterben weiter Kinder in Gaza. Ein Junge trägt Splitter im Auge – für Tausende bleibt nur Hoffnung auf eine Ausreise. Warum die Hürden für Hilfe so hoch sind.
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Unicef-Sprecher James Elder, sagt die Bombardierungen im Gazastreifen seine weniger geworden, aber sie hörten nicht auf (Archivfoto).
Von red/dpa
Im Gazastreifen sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef seit der Waffenruhe im Oktober mindestens 100 Minderjährige gewaltsam ums Leben gekommen. Es seien 60 Jungen und 40 Mädchen unter 18 Jahren, berichtet die Organisation aus dem Gazastreifen.
Das Gesundheitsministerium im Gazastreifen bestätigte die Zahlen und bezeichnete sich als Hauptquelle für die Unicef-Angaben. Die UN-Organisationen haben die Angaben des Ministeriums stets als verlässlich bezeichnet. Die Angaben der Hamas-Gesundheitsbehörde lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Wahre Zahl der Getöteten noch höher
Israels Armee gab auf Anfrage an, sie greife niemals gezielt Kinder an und versuche bei ihren Einsätzen stets, die Zivilbevölkerung zu schonen. Im Rahmen der Waffenruhe-Vereinbarung habe das Militär ausschließlich Terrorziele ins Visier genommen oder als Reaktion auf Verstöße der Hamas gegen das Abkommen reagiert, so die israelische Armee. Die israelische Armee mahnte zudem zu Vorsicht bei den Zahlen der Gesundheitsbehörde. Auch die Angaben des Militärs ließen sich nicht unabhängig verifizieren.
Unicef-Sprecher James Elder, der sich im Gazastreifen aufhält, sagte, es gehe vor allem um Luft- und Drohnenangriffe. „Die Bombardierungen sind weniger geworden, aber sie haben nicht aufgehört“, sagte er. Manche Opfer seien auch durch Schüsse getroffen worden und einige wenige seien durch zuvor nicht explodierte Munition ums Leben gekommen. Er gehe davon aus, dass die wahre Zahl der Getöteten noch höher liege. Unicef zähle nur die verifizierten Fälle.
Medizinische Versorgung im Ausland dringend nötig
Zudem seien in diesem Winter bereits sechs Kinder an Unterkühlung gestorben, sagte Elder. Tausende Menschen harren wegen der weitreichenden Zerstörung bei eisiger Kälte und Regen in Zelten aus. Derzeit sinken die Temperaturen im Gazastreifen nachts auf rund zehn Grad, es gibt zudem viel Regen und Sturm.
Elder berichtet auch von vielen Verletzten, darunter ein Neunjähriger, der nach seinen Angaben beim Feuerholzsuchen einen Luftangriff erlebte. In seinem Auge stecke nun ein Splitter, den die Ärzte mit den vorhandenen Mitteln vor Ort nicht entfernen könnten. Der Junge müsse wie rund 2.000 weitere Minderjährige dringend zur Behandlung ins Ausland gebracht werden.
Der Prozess, um für solche Ausreisen israelische Genehmigungen zu bekommen, ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bürokratisch sehr aufwendig. Zudem fehlten Aufnahmeplätze für die Verletzten in anderen Ländern.
