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Unsicherheitsgefühl oft unbegründet

Polizeipräsidium Aalen veröffentlicht die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2019  –  Diebstahlsdelikte auf einem Allzeittief

Die Zahl der erfassten Straftaten ist leicht gestiegen, die Aufklärungsquote ein wenig gefallen: So entnimmt man es der Jahresstatistik 2019 des Polizeipräsidiums Aalen. Doch Polizeipräsident Reiner Möller gibt gleich Entwarnung; Die Werte seien größtenteils einer Veränderung in der statistischen Herangehensweise geschuldet. Niemand müsse sich unsicherer fühlen als in den Vorjahren.

Polizeipräsident Reiner Möller. Foto: Gabriel Habermann

© Gabriel Habermann

Polizeipräsident Reiner Möller. Foto: Gabriel Habermann

Von Bernhard Romanowski

AALEN. Anders als in den Vorjahren üblich, wurde die polizeiliche Jahresstatistik gestern nicht im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. In Zeiten der Coronakrise muss auch bei der Polizei mehr telefonisch und per E-Mail geregelt werden. Auf elektronischem Wege wurde das Zahlenwerk auch unserer Zeitung zugestellt, und es ist für Interessierte auf der Homepage des Aalener Polizeipräsidiums abrufbar.

Die Behörde in Aalen ist mit ihren 1607 Bediensteten, darunter 1396 Vollzugsbeamte, für die Sicherheit von 936 021 Einwohnern in den drei Landkreisen Rems-Murr-Kreis, Ostalbkreis und Schwäbisch Hall zuständig. Die Fallzahlen im Bereich mit dem Oberbegriff Kriminalität stiegen 2019 um 4,6 Prozent auf 37 691 Delikte leicht an. Es waren Zunahmen in allen drei Landkreisen festzustellen. Auch die Kriminalitätsbelastung stieg demnach im Vergleich zum Vorjahr an.

Es wurden 4027 Straftaten pro 100000 Einwohner registriert, was eine Steigerung um 4,1 Prozent bedeutet. Das Polizeipräsidium Aalen liege damit aber weiterhin deutlich unter dem Landesschnitt von 5184 Straftaten pro 100000 Einwohner und gehöre mit seiner vergleichsweise niedrigen Häufigkeitsziffer – eine statische Kennzahl zur Erfassung der Kriminalitätsbelastung – zu den drei sichersten Polizeipräsidien in Baden-Württemberg, so die Verantwortlichen. Im Rems-Murr-Kreiserhöhten sich die Straftaten im Vergleich zum Vorjahr moderat um 3,5 Prozent auf 18652 Straftaten (2018: 18018 Straftaten). „Betrachtet man die Entwicklung der Straftaten im Zehnjahresvergleich, so lässt sich feststellen, dass die Fallzahlen 2019 trotz der Steigerung auf dem guten Niveau der Vorjahre liegt“, erläutert Polizeipräsident Reiner Möller.

„Einen maßgeblichen Anteil an der Zunahme der Fallzahlen haben die sogenannten Anrufstraftaten, worunter unter anderem die Phänomenbereiche ,Enkeltrick‘ (plus 242 Fälle) und ,angeblicher Polizeibeamter‘ (plus 934 Fälle) subsumiert werden“, so Möller weiter. In beiden Bereichen sei 2019 eine Änderung der Erfassungsmodalität erfolgt, wonach jeder Täteranruf als Versuch und nicht mehr als straflose Vorbereitungshandlung gewertet und somit in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst wird.

Die Aufklärungsquote des Polizeipräsidiums Aalen sank um 3,2 Prozent auf 59,5 Prozent. Die Absenkung sei mitunter durch die oben beschriebenen geänderten Erfassungsmodalitäten begründet. Ziehe man die Versuchsstraftaten der Deliktfelder „Enkeltrick“ und „Falscher Polizist“ von den Gesamtstraftaten ab, ergebe sich die Summe von 36475 Straftaten, also ein Anstieg von dann lediglich 1,2 Prozent. Des Weiteren würde ohne diese Delikte die Aufklärungsquote mit 61,5 Prozent auf dem Niveau der Vorjahre liegen. „Gerade in unserer Region, die seit langem zu den sichersten Regionen in Baden-Württemberg gehört, müssen wir leider feststellen, dass vielfach die objektive Sicherheitslage und das subjektive Sicherheitsempfinden in der Bevölkerung deutlich voneinander abweichen können“, schildert Möller seine Perspektive. Für besonders besorgniserregend hält der Aalener Polizeipräsident die fortwährend steigenden Zahlen gewalttätiger Übergriffe auf Polizisten.

Mit 432 hat sich die Zahl der Einbrüche gegenüber dem Jahr 2014 mehr als halbiert
43,9 Prozent aller 2019 im Aalener Zuständigkeitsbereich registrierten Straftaten ereigneten sich im öffentlichen Raum. Sie nahmen um 11,6 Prozent auf 16 546 Fälle zu, wobei in allen drei Landkreisen eine Steigerung der Fallzahlen zu verzeichnen ist. Während die Sexualdelikte im öffentlichen Raum um 26 Prozent abnahmen, stiegen die Aggressionsdelikte um 14,1 Prozent, die Rauschgiftdelikte um 15,2 Prozent sowie die Sachbeschädigungen um 7,7 Prozent. Im Rems-Murr-Kreis wurden 8644 Taten im öffentlichen Raum erfasst (plus 12,5 Prozent).

Die Diebstahlsdelikte bildeten im Jahr 2019 mit rund einem Viertel aller Straftaten einen erheblichen Schwerpunkt. Innerhalb des Polizeipräsidiums Aalen gingen sie um 4,0 Prozent zurück und befinden sich damit – seit dem Jahr der aktuellen Erfassungsform der Polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 2003 – auf einem Allzeittief. Diese Entwicklung fällt im Rems-Murr-Kreis am deutlichsten auf. Hier gingen die Fallzahlen um 6,5 Prozent auf 4546 Fälle zurück.

Bereits seit Jahren legt das Polizeipräsidium Aalen einen Arbeitsschwerpunkt auf die Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls und will auch im Jahr 2020 in seinen Bemühungen nicht nachlassen. Die Fallzahlen sanken im fünften Jahr in Folge und erreichten ein Zehnjahrestief. Mit 432 Einbrüchen, also einem weiteren Rückgang um 7,7 Prozent, haben sich die Fallzahlen des Jahres 2019 gegenüber dem Höchststand im Jahr 2014 mehr als halbiert. „Die Schadenshöhe stieg trotz abnehmender Fallzahlen erheblich auf rund 1,7 Millionen Euro“, so die Polizeiexperten. Im Rems-Murr-Kreis wurden vergangenes Jahr 214 Fälle verzeichnet, also 63 Fälle weniger (minus 22,7 Prozent).

Sexualdelikte nahmen laut Statistik nicht nur im öffentlichen Raum, sondern insgesamt ab. 2019 wurden beim Polizeipräsidium Aalen 530 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und somit ein Rückgang um 8,6 Prozent registriert. Hierunter befinden sich 169 Fälle des sexuellen Missbrauchs, darunter 93 Taten zum Nachteil von Kindern. Weiterhin wurden 74 Fälle von exhibitionistischen Handlungen und Erregung des öffentlichen Ärgernisses registriert.

Die Vergewaltigungen machen 48 Fälle aus. Die Fallzahlen beim Verbreiten pornografischer Schriften lagen bei 127 Taten, darunter 77 Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz oder Herstellung von Kinderpornografie. Im Rems-Murr-Kreis nahm die Gesamtzahl dieser Art von Straftaten um 12,1 Prozent auf 240 Fälle ab. Die Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte ist im Jahr 2019 im Präsidiumsbereich erneut gestiegen, und zwar um 6,9 Prozent (plus 22 Fälle) auf 342 Fälle. Die größte Gewaltbereitschaft war im Rems-Murr-Kreis mit 157 Fällen (plus 29,8 Prozent) zu registrieren. Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität kann für das Polizeipräsidium Aalen mit insgesamt 224 Straftaten kaum eine Veränderung der Fallzahlen zum Vorjahr festgestellt werden.

Wie im gesamten Präsidiumsbereich weist die Zahl der Straftaten auch im Rems-Murr-Kreis 2019 ein leichtes Plus auf. Grafik: BKZ

© Jennifer Bauer

Wie im gesamten Präsidiumsbereich weist die Zahl der Straftaten auch im Rems-Murr-Kreis 2019 ein leichtes Plus auf. Grafik: BKZ

Info
Mehr Rohheitsdelikte

Mit 6515 Straftaten verzeichnet die Gruppe der Rohheitsdelikte, die sich aus allen Körperverletzungs- und Raubdelikten sowie aus Straftaten gegen die persönliche Freiheit wie Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung und Nachstellen zusammensetzt, im Vergleich zum Vorjahr 2018 eine Zunahme um 7,5 Prozent – im Präsidiumsbereich der höchste Wert im Fünfjahresvergleich. Im Rems-Murr-Kreis gab es eine Fallzunahme um 4,3 Prozent auf 3266 Fälle.

Im Bereich der sogenannten Straftaten gegen das Leben weist die Aalener Polizeistatistik für 2019 einen Rückgang um 20,7 Prozent auf 23 Fälle (minus 6 Fälle) auf. Die Aufklärungsquote lag bei 100 Prozent. Zu den 23 Straftaten gehören acht Mordfälle (darunter sieben Versuche), elf Totschlagsdelikte (ebenfalls sieben Versuche), ein Schwangerschaftsabbruch und drei fahrlässige Tötungen.
Von den 23 Straftaten entfallen neun Fälle (davon sechs Versuche) auf den Rems-Murr-Kreis.

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Erstellt:
3. April 2020, 06:00 Uhr

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