Unternehmen leiden unter Spritpreisen

Der Preis für Benzin und Diesel steigt immer weiter an. In der Region schauen die Autofahrer gebannt auf die Anzeigetafeln der Tankstellen. Und auch für manche Unternehmen wird der Spritpreis zu einem Problem, viele bleiben auf den Mehrkosten sitzen.

Die Tankstellenbetreiber können selbst nur zuschauen, wie der Preis auf den Anzeigetafeln immer weiter steigt. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Die Tankstellenbetreiber können selbst nur zuschauen, wie der Preis auf den Anzeigetafeln immer weiter steigt. Foto: A. Becher

Von Kristin Doberer und Anja La Roche

Backnang/Sulzbach an der Murr. Für Autofahrer wird zurzeit jede Fahrt zur Tankstelle schmerzhafter, die Preise für Benzin und Diesel gehen durch die Decke, ein Ende ist noch nicht in Sicht. Im Durchschnitt kostet ein Liter Super derzeit 1,72 Euro, der Dieselpreis ist auf ein Allzeithoch von durchschnittlich 1,55 Euro pro Liter gestiegen. Besonders drastisch ist die Entwicklung, wenn man sie mit dem Vorjahr vergleicht. Damals hatten die Preise durch die gesunkene Nachfrage in der Coronakrise Tiefstände erreicht. Nun steigen die Kosten für Heizöl und Sprit seit Monaten stetig an, seit September geht die Preiskurve stark nach oben. Das ist besonders für Pendler ein Problem, die schlecht auf ihr Auto verzichten können. Besonders betroffen sind auch Unternehmen, die viel Zeit auf der Straße verbringen. Wie gehen Spediteure, Taxiunternehmen und Fahrschulen aus der Region mit den aktuellen Mehrkosten um? Und was sagen eigentlich die Tankstellenbetreiber?

Speditionsunternehmen hoffen auf Verständnis der Kundschaft

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Zu den besonders Betroffenen gehören unter anderem Speditionsfirmen. Zum Beispiel das Backnanger Unternehmen Ulmschneider Logistik an der B14. Jeder der 15 Lkw fährt im Monat zwischen 11000 und 12000 Kilometer. Da machen sich die aktuellen Dieselpreise deutlich bemerkbar. „Wir haben deutliche Mehrkosten“, sagt Geschäftsführer Patrick Wendler. Teilweise könne er diese Mehrkosten aber auf die Kunden umlegen. Diese wüssten natürlich auch, wie hoch die Spritpreise aktuell sind. „Die Kunden reagieren da deshalb auch relativ verständnisvoll“, sagt Wendler. Schließlich könne er als Unternehmer diese Mehrkosten nicht beeinflussen. Wie es in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht, kann er schwer einschätzen, die aktuelle Lage sei kaum kalkulierbar.

Taxiunternehmen bleiben vorerst auf den Mehrkosten sitzen

Für andere Branchen ist es nicht so einfach, die Kosten durch den gestiegenen Spritpreis auf die Kunden umzulegen. Für Taxiunternehmen zum Beispiel wäre eine Umlagerung ein längerer Prozess. „Wenn das so weitergeht, müssen wir demnächst darüber nachdenken, den Taxitarif zu erhöhen. Aber das geht nicht so einfach“, erklärt Martina Görlich vom Backnanger Taxiunternehmen Taxi Dzieciol, das eine Flotte von insgesamt zwölf Fahrzeugen hat. Denn die Tarifhöhe wird von den Landkreisen und kreisfreien Städten bestimmt. Zunächst müssen Taxiunternehmen also einen Antrag beim Landratsamt stellen, in dem die wirtschaftliche Lage der Taxiunternehmer geprüft wird. Dabei kommt es vor allem darauf an, festzustellen, ob diese mit den Erlösen in der Lage sind, ihr Gewerbe mit Gewinn ausüben zu können. „So ein Antrag geht dann durch mehrere Stellen. Es kann schon mal ein halbes oder Dreivierteljahr dauern, bis alles durchgerechnet ist“, weiß Görlich. Wie sich die Preise bis dahin dann weiterentwickeln würden, kann aktuell noch keiner wissen. Und bis ein Antrag dann tatsächlich durch ist, bleiben die Unternehmen auf den Mehrkosten sitzen. Für sie ist klar: „So, wie es aktuell ist, ist es einfach übel.“ Wann immer man zur Tankstelle fahre, sei der Preis wieder ein kleiner Schock.

Und dabei hat die Branche finanziell noch immer an den Nachwirkungen der Pandemie zu knabbern. Zum einen sei die Kurzarbeit nicht flexibel genug gewesen, da viele Fahrten schlicht nicht planbar sind. Zum anderen fehle den Taxifahrern noch immer das wichtige Abendgeschäft. Taxi Dzieciol habe aktuell fast nur Krankentransporte. Man sei froh, dass trotzdem auch über die Coronazeit alle Arbeitsplätze gesichert werden konnten. „Aber wir machen uns natürlich Gedanken, wie es weitergeht“, sagt Görlich. Ihr bleibe aber nichts anderes übrig, als abzuwarten und die Entwicklungen auf sich zukommen zu lassen.

Fahrschulen müssen den Preis für die Fahrstunden erhöhen

„Wenn ich alle einmal volltanke, komme ich fast auf 1000 Euro“, erzählt Stefan Schmidt, der eine Fahrschule mit Zweigstellen in Sulzbach an der Murr, Allmersbach im Tal und in Oppenweiler hat. Zwölf Pkw hat er, dazu noch verschiedene Lkw und Motorräder. Für ihn ist klar: „Es ist logisch, dass wir die Kosten weitergeben müssen.“ Aktuell sei er aber noch nicht so weit. Dafür müsse er zunächst die Fahrstundenpreise an die aktuellen Spritpreise anpassen und alles durchrechnen. Er vermutet, dass es sich pro Fahrstunde um zwei bis drei Euro mehr handeln wird, gerade auch bei Sonderfahrten – zum Beispiel auf der Autobahn – kämen sehr viele Kilometer zusammen. Bis es so weit ist, trägt er die Mehrkosten selbst. Aufgrund der hohen Spritpreise hat er sogar schon darüber nachgedacht, sich eine eigene Tankanlage zu kaufen, doch die Auflagen dafür seien sehr hoch.

Tankstellenbetreiber können auf den Preis keinerlei Einfluss nehmen

1,85 Euro pro Liter Benzin, das war in der vergangenen Woche der Höchstpreis an der Tankstelle von Dennis Layer im Potsdamer Ring in Backnang. Mittlerweile ist das wieder etwas gesunken – auf 1,70 Euro. Das kann sich aber stündlich ändern. Die Betreiber der Tankstellen bekommen den Preisanstieg zwar unmittelbar mit, Einfluss nehmen können sie darauf allerdings nicht. Sie können lediglich zusehen, wie die Preise immer weiter nach oben klettern. „Das geht alles automatisch und wird zentral geregelt“, sagt Dennis Layer. Dementsprechend wenig kann er auch einschätzen, wohin sich der Preis in der nächsten Zeit entwickeln wird. Er vermutet aber: „Entweder er bleibt so hoch, wie er jetzt ist, oder wird noch teurer. Billiger wird es eh nicht.“ Die zukünftige Preisentwicklung hänge nun auch daran, wie sich die Regierung zusammenschließt, vermutet Dennis Layer.

Ihm tun vor allem die Dieselfahrer leid, selbst Diesel kommt derzeit auf fast 1,60 Euro pro Liter. „Klar sagen die Kunden da, dass es voll teuer ist. Aber viele wissen, wer den Preis macht.“ Zumindest ein Großteil der Kunden lässt den Frust über die hohen Kosten aber nicht an ihm als Betreiber aus. Und gibt es doch Beschuldigungen, lässt er die an sich abprallen. „Blödes Geschwätz gab es schon immer. Auch bei früheren Preissteigerungen.“ Einen Tipp hat er auch noch für Autofahrer, die ein wenig sparen wollen: Abends ist es oft etwas günstiger.

Berufspendler haben oft keine Wahl,der Arbeitsweg wird teurer

Der Pendler Koray Günerli ist ebenfalls vom teuren Sprit betroffen. Täglich fährt er 30 bis 40 Minuten von Althütte nach Untertürkheim, wo er bei Daimler arbeitet. Seit der Spritpreis so angestiegen ist, blättere er etwa 50 Euro mehr im Monat hin. „Ich habe jetzt schon ein-, zweimal E10 getankt, weil es günstiger ist“, so Günerli. Der Daimler-Mitarbeiter hat mehrere Fahrzeuge und pendelt mal mit einem Hybrid, mal mit einem Benziner zur Arbeit. Auf Bus und Bahn umzusteigen, kommt für ihn nicht infrage, denn dann würde er bis zu einer Stunde länger fahren. „Komisch ist, dass es nur in Deutschland so teuer ist“, beschwert sich Günerli. „Die Steuern sind zu teuer.“

Darum sind die Preise für Benzin und Diesel so gestiegen

Rohöl Innerhalb eines Jahres hat sich der Erdölpreis fast verdoppelt. Die Folgen zeigen sich nun an den Tankstellen in Deutschland. Ein wichtiger Grund für den steigenden Ölpreis ist die hohe Nachfrage. Da sich die Wirtschaft nach den Einschränkungen in der Coronapandemie weltweit gerade wieder erholt, nimmt auch der Ölverbrauch wieder zu. Gleichzeitig steigen die Fördermengen von Rohöl deutlich langsamer als die Nachfrage.

Steuer Mit dem Spritpreis werden Energiesteuer und Mehrwertsteuer gezahlt. Rund 64 Prozent dessen, was an der Tankstelle für Diesel und Benzin über die Theke geht, bekommt der Staat. Seit Jahresbeginn kommt noch die neue CO2-Abgabe in Höhe von 25 Euro pro Tonne dazu, die den Umstieg auf klimafreundliche Technologien fördern soll. Die CO2-Abgabe führt derzeit zu einem Aufschlag von etwa sechs bis acht Cent je Liter.

Wechselkurs Auch der Wechselkurs zwischen dem Dollar und dem Euro spielt als Preisfaktor für Heizöl, Benzin und Diesel eine Rolle. Der Grund: Das Rohöl wird in Dollar gehandelt. Und derzeit kostet ein Dollar zwischen 0,86 und 0,87 Euro, der Euro hat gegenüber dem Dollar in den vergangenen Monaten also an Wert verloren. Das bedeutet, dass die in Dollar abgerechneten Geschäfte – also alles, was mit Rohöl zu tun hat – entsprechend teurer werden.

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Erstellt:
23. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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