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Unternehmer investieren in gutes Essen

Das Wirtshaus bleibt im Dorf (9): Wie branchenfremde Investoren versuchen, traditionsreiche Landgasthöfe zu retten

Nicht immer sind es Gastronomen, die sich für den Erhalt von Wirtshäusern engagieren. Im Raum Backnang wurden in den vergangenen Jahren mehrere Landgasthöfe von Unternehmern gekauft, die sonst in ganz anderen Bereichen erfolgreich sind. Die traditionsreichen Gaststätten zu retten, ist allerdings manchmal schwieriger als gedacht.

Franz Hafner hat das Einhorn wieder zu einer guten Adresse gemacht: 2012 hat der Unternehmer den traditionsreichen Landgasthof in Oppenweiler gekauft und saniert, im vergangenen Jahr kam auch noch ein Hotel mit 19 Doppelzimmern dazu. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Franz Hafner hat das Einhorn wieder zu einer guten Adresse gemacht: 2012 hat der Unternehmer den traditionsreichen Landgasthof in Oppenweiler gekauft und saniert, im vergangenen Jahr kam auch noch ein Hotel mit 19 Doppelzimmern dazu. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

ASPACH/OPPENWEILER. Harro Höfliger hat als Unternehmer Großes geleistet. Innerhalb von 40 Jahren hat er aus einem Einmannbetrieb in einer Untertürkheimer Garage ein weltweit erfolgreiches Unternehmen gemacht. Heute hat die Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH mit Sitz in Allmersbach im Tal rund 1200 Mitarbeiter.

Unter keinem so günstigen Stern steht hingegen Höfligers Ausflug in die Gastronomie. 2010 kaufte der Unternehmer das von der Schließung bedrohte Gasthaus Lamm in Großaspach: „Ich wollte nicht, dass das Lokal in falsche Hände gerät“, erzählt Höfliger, der selbst jahrzehntelang Stammgast im Lamm gewesen war. Der Unternehmer steckte 1,6 Millionen Euro in die Sanierung des 300 Jahre alten Gebäudes und schloss einen langfristigen Pachtvertrag mit Küchenchef Horst Wendt und seiner Frau Claudia. Doch in den folgenden Jahren gab es Unstimmigkeiten zwischen Eigentümer und Pächter, auch wirtschaftlich lief es nicht mehr so gut wie früher. Ende 2015 trennten sich schließlich die Wege: Die Wendts übernahmen das Landhotel Steigenhaus in Untermünkheim bei Schwäbisch Hall, das Lamm steht seitdem leer. Ob und wann das Lokal, das einst einen hervorragenden Ruf besaß, wieder öffnet, ist nicht absehbar. Man sei zwar weiterhin in Kontakt mit möglichen Nachfolgern, noch sei aber nichts konkret, sagt Höfliger und gibt zu: „Ich wusste nicht, dass es so schwierig ist, einen neuen Pächter zu finden.“

Auch das gastronomische Engagement von Hermann Püttmer war bis jetzt nicht von Erfolg gekrönt. Der Riva-Chef hatte vor einigen Jahren die Krone in Kirchberg an der Murr erworben, um sie zu sanieren. Püttmer plante dort sogar zwei Gastronomiebetriebe: einen rustikalen im Keller, einen gehobenen im Erdgeschoss. Später stellte sich jedoch heraus, dass die Bausubstanz marode ist. Der Eigentümer änderte deshalb seine Pläne und kündigte an, er wolle das Gebäude abreißen und in seiner alten Fachwerkoptik neu aufbauen. Das war vor drei Jahren, seitdem hat sich in Kirchberg jedoch nichts getan. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung hat der Investor noch keinen Bauantrag gestellt. Riva-Sprecher Witold Buenger teilt auf Anfrage nur mit, die Pläne für die Krone seien noch nicht spruchreif. Püttmer selbst war für Nachfragen nicht erreichbar.

Mehr Erfolg hatte Franz Hafner: Auch der Gründer der Firma Murrelektronik ist Eigentümer eines Lokals. Kurz vor der zweiten Zwangsversteigerung erwarb er Anfang 2012 das Einhorn in Oppenweiler. Auch bei ihm stand der Wunsch dahinter, das denkmalgeschützte Gebäude als Wirtshaus zu erhalten. „Wir hatten damals die Sorge, dass jemand einsteigen könnte, der eine Spielhölle daraus machen will“, erzählt Hafner. „Das wollten wir nicht zulassen.“

Mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Steffen Jäger fand er auch einen geeigneten Pächter: Seit Oktober 2013 betreibt Toni Wahl mit seiner Familie das Einhorn. Um den Betrieb wirtschaftlich führen zu können, habe dieser allerdings von Anfang an den Wunsch geäußert, das Restaurant um ein Hotel zu ergänzen, berichtet Hafner. Diesen hat ihm der Eigentümer im vergangenen Jahr erfüllt: Im Februar 2017 wurde das neu gebaute Vier-Sterne-Haus mit 19 Doppelzimmern im Zentrum von Oppenweiler eröffnet.

Rein wirtschaftlich betrachtet sei das Ganze für ihn sicher kein lohnendes Investment gewesen, räumt Hafner ein. Die Sanierung des Gebäudes, dessen Grundmauern von 1764 stammen, war wegen des Denkmalschutzes extrem aufwendig und entsprechend teuer. Allerdings profitiert Hafners Firma nun auch von Restaurant und Hotel: „Wir haben bei Murrelektronik immer mehr internationale Gäste, die wir bewirten und unterbringen müssen“, sagt der Unternehmer. Früher habe man mit diesen nach Backnang und anderswo fahren müssen, heute finden sie gepflegte Gastronomie und eine ansprechende Unterkunft direkt in Oppenweiler. Laut Hafner sind heute etwa ein Viertel der Hotelgäste im Einhorn Besucher von Murrelektronik.

Auch Harro Höfliger würde seine Gäste gerne wieder im eigenen Lokal empfangen. Noch hat der 81-Jährige die Hoffnung auf einen neuen Pächter für das Lamm in Großaspach nicht aufgegeben. Am Geld soll es nicht scheitern: Wenn sich ein Betreiber finde, der das Lokal „im Sinne eines Landgasthofs mit guter Küche“ weiterführen will, sei er bereit, diesem bei den Konditionen weit entgegenzukommen, sagt Höfliger, der feststellen musste, dass in der Gastronomie ganz andere Gesetze gelten als in seinem eigentlichen Metier, dem Maschinenbau. „Ich hatte mir das schon etwas einfacher vorgestellt“, gibt der Unternehmer rückblickend zu und schiebt hinterher: „Gott sei Dank muss ich davon nicht leben.“

„Ich wusste nicht,dass es so schwierig ist,einen neuen Pächterzu finden.“Harro HöfligerRestaurantbesitzer

© Pressefotografie Alexander Beche

„Ich wusste nicht, dass es so schwierig ist, einen neuen Pächter zu finden.“ Harro Höfliger Restaurantbesitzer

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Erstellt:
2. Juni 2018, 06:00 Uhr

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