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Unterschriften gegen die Bonpflicht

Christiane Langfellner von Schreibwaren Keller in Murrhardt sammelt auch die nicht erwünschten Kassenzettel

„Viele beschweren sich nur über die Bonpflicht“, sagt Christiane Langfellner, „ich möchte aber nicht nur meckern, sondern auch etwas tun, dem Ausdruck verleihen.“ Die Inhaberin des kleinen Lädchens Schreibwaren Keller direkt am Murrhardter Marktplatz hat seit der zweiten Januarwoche eine Unterschriftenliste ausgelegt, mit der Unterstützer bekunden können: „Wir sind für einen Kassenzettel, aber nur auf Wunsch.“

Christiane Langfellner zeigt, wie viel Bons zusammenkommen: Sie sammelt die Kassenzettel, die ihre Kunden nicht haben wollen und die sie nun aber ausdrucken muss. Mit einer Unterschriftenliste will sie dann ein Paket fürs Bundesfinanzministerium schnüren. Foto: C. Schick

Christiane Langfellner zeigt, wie viel Bons zusammenkommen: Sie sammelt die Kassenzettel, die ihre Kunden nicht haben wollen und die sie nun aber ausdrucken muss. Mit einer Unterschriftenliste will sie dann ein Paket fürs Bundesfinanzministerium schnüren. Foto: C. Schick

Von Christine Schick

MURRHARDT. Sie hat schon einige DIN-A4-Seiten zusammen, auf denen ihre Kunden dies bekräftigt haben, überschlagen sind es über 180 Unterschriften. Außerdem sammelt Christiane Langfellner die Bons, die ihre Kunden nicht wollen und die sie aber nun ausdrucken muss, in einem größeren Plastiksack. Diesen hat sie für alle gut sichtbar neben dem Zeitschriftenregal hängen. „Die meisten Kunden finden es gut, dass ich die Unterschriften sammle“, sagt sie. Früher sei eine so verschwindend geringe Anzahl an Kassenzetteln im Laden zurückgeblieben, weil sie eben fragen konnte und sie dann gar nicht erst bei ihrer Registrierkasse aufs Knöpfchen drücken musste. Nun müsse sie vermutlich eine Restmülltonne anschaffen. Das Argument der Steuerkontrolle kann sie nicht nachvollziehen, da die Registrierkasse die Vorgänge ja völlig unabhängig vom Bonausdruck speichere und sie insofern auch überprüfbar blieben.

Nach dem Eingeben fragt sie die Kundin: „Möchten Sie einen Bon?“ Die verneint. „Wenn ich für jemand anders einkaufe, ja, aber heute nehm ich nur für mich privat etwas mit.“ Christiane Langfellner druckt den Kassenzettel aus, geht zu ihrem Beutel und lässt ihn hineinfallen. Die Unterschriftenlisten sowie die Bonsammlung will sie Ende Januar oder vielleicht auch etwas später nach Berlin zum Bundesfinanzministerium schicken. Sie wünscht sich einfach wieder die sinnvolle Flexibilität, die früher möglich war. „Es gibt ja durchaus Situationen, in denen ich sogar bewusst einen Bon anbiete und ausdrucke. Bei Schülern beispielsweise, wenn die Schulsachen einkaufen, und ich weiß, dass es für die Eltern gut ist, das später nachvollziehen zu können.“ Genauso gibt es aber viele kleine Einkäufe wie Sammelbildchen oder eine einzelne Zeitung, bei denen das unnötig sei. „Ich kann sogar nachträglich noch einen Bon drucken, wenn der Kunde das möchte.“ Der nächste winkt aber schon ab: „Um Gottes willen, den brauch ich nicht.“ Und wäre auf längere Sicht ein bargeldloses Bezahlen übers Smartphone für sie eine Option? Davon abgesehen, dass sie nicht weiß, ob sie sich eine technische Umrüstung solch eines Kassensystems leisten könnte, gehen damit noch viele offene Fragen nach Registrierung und Kontrolle einher, weshalb sie dem kritisch gegenübersteht.

Im Gespräch mit anderen Einzelhändlern sowie gewerblichen Kollegen in der Stadt haben Einzelne ihre Idee aufgegriffen beziehungsweise sich angeschlossen und sammeln ebenfalls Unterschriften.

Einige Einzelhändler haben sich in die Aktion eingereiht

Für Ulrike Heubach vom Reformhaus liegen die Argumente auf der Hand und sind bekannt – es wird mehr teures, giftiges Thermopapier zum Bonausdruck verbraucht und Müll produziert, in der Registrierkasse ist aber trotzdem alles hinterlegt, es bräuchte die Pflicht also nicht. Für ihr Klientel ist ein digitales Bezahlen via Handy (elektronischer Bon) keine Option, denkt sie, abgesehen davon, dass sie vor noch nicht allzu langer Zeit in ihr jetziges System investiert hat, das aber aus Kostengründen geleast ist.

Christian Lätzig vom BücherABC zeigt den kleinen Stapel an gesammelten Ausdrucken, der vielleicht zwei Zentimeter misst. Zwar ist der bisher noch überschaubar, aber „die Ausgabe auf Wunsch hat früher einfach wunderbar geklappt“. Insofern würde auch er es begrüßen, wieder zur alten Regelung zurückgehen zu können, und sammelt ebenfalls Unterschriften. Er denkt, dass die Hürden für ein E-Bon-System aus datenschutzrechtlichen Gründen zu hoch sind, bräuchte es doch eine Handynummer oder E-Mail-Adresse des einzelnen Kunden zum Austausch. Einige, mit denen er ins Gespräch kommt, hätten bereits anderenorts in Murrhardt auf der Liste unterschrieben, manche seien des Themas allerdings auch schon etwas überdrüssig.

Ebenfalls eingereiht in die Aktion hat sich ein Murrhardter Friseurgeschäft, beim Toto-Lotto-Lädle sowie Zoo am Markt haben die Betreiber sich wieder ausgeklinkt, da einige Kunden aufgrund der Listen den Datenschutz angemahnt hätten. Die anderen Mitstreiter haben daraufhin reagiert und die sichtbaren Angaben des einzelnen Formulars entsprechend abgedeckt. Sabine und Matthias Schwind von der Zoohandlung am Marktplatz lassen aber keinen Zweifel, dass sie die Bonpflicht für unsinnig halten, auch wenn das Vorhaben seit Langem bekannt und beschlossen sei. Für sie ist es keine Frage, den Kunden bei Käufen, in denen die Garantie wichtig sei, einen Bon auszudrucken, aber bei Kleinigkeiten sei dies Quatsch. Nach ihren Schätzungen sind es zwei von zehn Kunden, die ihn mitnehmen. Auch insgesamt sei das Gesetz wenig durchdacht, greife das Argument der Steuerkontrolle ja nicht für eine offene Ladenkasse, auf die man theoretisch ausweichen könne, weil es keine Pflicht zur Registrierkasse gibt.

„Es spricht einfach so viel gegen die Bonpflicht“, sagt Margit Gerold von der Buchhandlung Franke in der Fußgängerzone. Auch sie sammelt Unterschriften. Müllproduktion, gespeicherte Daten ihres Kassensystems und letztlich viele Kunden, die den Bon nicht brauchen und sowieso nur wegwerfen würden. Sie schätzt, dass das rund zwei Drittel sind. Für sie wäre es sinnvoll, differenzierter vorgehen zu können, beispielsweise Bons ab einem bestimmten, höheren Betrag auszugeben oder wenn sehr viele Produkte gekauft werden. Die Buchhändlerin geht davon aus, dass das Thema auch deshalb so aufstößt, da ein Mehr an Abfallproduktion mit dem nicht unproblematischen Thermopapier vor dem Hintergrund einer erstarkten Umweltbewegung zur Unzeit kommt. Sie habe schon früh dafür bei ihren Kunden sensibilisiert, weniger Bons auszudrucken. In letzter Konsequenz denkt sie auch darüber nach – wenn sie bei der Technik ihres Kassensystems umrüstet –, einen neuen Bondrucker anzuschaffen, der dann normales Papier verwenden kann, und so etwas für die Umwelt zu tun.

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Erstellt:
28. Januar 2020, 06:00 Uhr

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