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Untersteller: Klimawandel nicht vergessen

dpa/lsw Stuttgart. Alles schaut auf die Corona-Krise, es wird subventioniert und geforscht wie nie zuvor. Da war doch noch was? Richtig, sagt Umweltminister Untersteller. Und warnt, die Klimakrise nicht aus dem Blick zu verlieren.

Franz Untersteller, Umweltminister von Baden-Württemberg, spricht während einer Pressekonferenz. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Franz Untersteller, Umweltminister von Baden-Württemberg, spricht während einer Pressekonferenz. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Der Klimawandel droht nach Ansicht des baden-württembergischen Umweltministers Franz Untersteller (Grüne) während der Corona-Krise in Vergessenheit zu geraten. „Wir stehen im Moment ganz im Bann der Corona-Krise“, sagte er am Mittwoch in Stuttgart. „Die Klimabilanz 2019 zeigt aber überdeutlich: Klimaschutz bleibt auf der Tagesordnung.“

Die Daten für das vergangene Jahr geben keinen Grund zur Entwarnung. „Im Gegenteil“, sagte Untersteller. „Auch in der jetzigen Situation, in der es natürlich zuallererst um entschlossenes und schnelles Management der Corona-Krise geht, müssen wir den Klimaschutz ebenso als existenzielle Krise begreifen, die wir eindämmen müssen.“

Nach Messdaten der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg war das Jahr 2019 das drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1881 gewesen. Die Jahresdurchschnittstemperatur lag demnach mit 9,9 Grad Celsius nur ein halbes Grad unter der des sehr warmen Vorjahres. „Damit liegen die 16 wärmsten Jahre seit 1881 im Zeitraum zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2019“, teilte das Umweltministerium mit. Auch die Jahresmitteltemperaturen seien gestiegen. „Der Trend der Erderwärmung kann eindeutiger nicht sein - messbar in Baden-Württemberg“, warnte der Umweltminister.

Das vergangene Jahr gehöre zudem zu den vier heißesten Jahren in der Geschichte des Landes. Gemessen werden dabei die Tage, an denen es über 30 Grad Celsius heiß wurde. Im vergangenen Jahr war das 17 Mal der Fall. Außerdem sei bei Tieren und Pflanzen aufgefallen, dass zum Beispiel die Apfelblüte mehr als zwei Wochen früher als sonst einsetzte.

Umwelt- und Naturschützer stimmen in die Warnung Unterstellers mit ein, kritisieren aber auch die Landespolitik: „Die Fakten dulden keinen Aufschub“, sagte der Landeschef des Naturschutzbundes Deutschland, Johannes Enssle. „Der Klimawandel ist Realität.“ Werde noch mehr Zeit verloren, werde die globale Klimakrise erheblich einschneidender als die aktuelle Corona-Krise. Die Landesregierung müsse das neue Klimaschutzgesetz weiterentwickeln und verabschieden. Darin enthalten sein sollten regionale Ausbauziele für die erneuerbaren Energien sowie eine Solardachpflicht für Neubauten und eine verpflichtende kommunale Wärmeplanung.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz warnte: „Es ist höchste Zeit, dass das Land klimapolitisch vorankommt.“ Das Konjunkturprogramm für die Wirtschaft in der Corona-Krise dürfe nicht nur kurzzeitige Verbesserungen im Blick haben, sagte die Bund-Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch. Es müssten auch Bedingungen zum Klimaschutz für die Unternehmen gemacht und damit die Weichen für die Wirtschaft gestellt werden.

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Erstellt:
1. April 2020, 13:18 Uhr

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