Unterwegs im Auftrag der Freundschaft

Die israelische Generalkonsulin für Süddeutschland, Sandra Simovich, ist zum Antrittsbesuch in Backnang

Bei ihrem Antrittsbesuch in Backnang trug sich die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich unter den Augen Frank Noppers ins Goldene Buch der Stadt ein. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Bei ihrem Antrittsbesuch in Backnang trug sich die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich unter den Augen Frank Noppers ins Goldene Buch der Stadt ein. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Für eine israelische Diplomatin hat ein freundschaftliches Verhältnis zu Deutschland einen besonderen Stellen wert. „Es ist eine einzigartige Beziehung“, sagte Sandra Simovich. Die Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland war gestern zum Antrittsbesuch in Backnang und ließ sich von OB Frank Nopper die Geschichte der ehemaligen Gerberstadt schildern. Seinen Sitz hat das israelische Generalkonsulat in München, doch Simovich ist viel unterwegs. „Als Diplomatin ist es wichtig, Leute zu treffen“, sagte sie. Sie betreut seit ungefähr einem Jahr die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland. Die beste Methode, Israel den Deutschen näherzubringen, sei es, sie allesamt nach Israel zu schicken, um sich selbst ein Bild zu machen, sagte Simovich schmunzelnd. Solange das aber nicht erreicht ist, versuche sie, Israel hierher zu bringen. Es ist nicht ihr erster Job in Deutschland. Von 2012 bis 2014 war Simovich als politische Beraterin der israelischen Botschaft in Berlin tätig. Sie sei gerne zurückgekommen.

Zu ihrem Besuch in Backnang ist die Generalkonsulin gekommen, nachdem sie vom Festakt zum bundesweiten Israeltag gehört hatte. Auf die Initiative der Biblischen Gemeinde Backnang und der Freunde Israels ließen die Besucher am 14. Mai vor dem historischen Rathaus 70 Luftballons steigen – einen für jedes Jahr, das der Staat Israel existiert. Außerdem ließ die Stadtverwaltung neben der Backnanger und der deutschen Fahne auch die israelische Flagge hissen. „Darüber haben wir uns sehr gefreut“, sagte Simovich. Daraufhin habe sie Nopper kontaktiert und das Treffen in Backnang arrangiert. Dass jüdisches oder israelisches Leben in Deutschland sichtbar ist, sei keine Selbstverständlichkeit. Daran arbeite man im Generalkonsulat.

Die deutsch-israelische Beziehung ruhe dabei auf zwei Säulen: Eine ist die Vergangenheit, die Geschichte beider Völker. „Wir müssen sie am Leben erhalten und – noch viel wichtiger – daraus lernen“, sagte Simovich. Für die jüngeren Generationen seien die Geschehnisse während der NS-Zeit jedoch graue Vorgeschichte. „Sie haben das nicht mehr erlebt“, auch die Nachkriegszeit nicht. Das habe den Vorteil, dass sie ein unbelastetes Verhältnis zu Israel aufbauen könnten. Denn die Zukunft müsse die zweite Säule im Austausch beider Länder sein. Es gelte, eine gemeinsame Agenda zu finden.

Israel sei ein moderner, weltoffener Staat, eine Start-up-Nation, in der viele junge Unternehmen zu finden seien. Sie mit deutschen Unternehmen zusammenzubringen sei eine Bestrebung des Generalkonsulats. Als Beispiel nennt Simovich etwa das Projekt „Makers of the future“. Es ist eine sogenannte Denkfabrik, in der sich deutsche und israelische Architekten mit der Frage auseinandersetzen, wie wir in Zukunft leben wollen. Entwickelt werden interdisziplinäre Konzepte, die Architektur und Kunst, Handwerkskunst und Digitaltechnik vereinen. Simovichs Hoffnung ist es, dass daraus etwas Bleibendes entsteht.

Sorgen machen der Generalkonsulin hingegen zunehmend radikale, rassistische Tendenzen in Europa. Viele seien der Meinung, weil sich die Stimmung oft gegen Muslime wende, werde das von Israel gutgeheißen. Dem sei keineswegs so. „Rassistisches Gedankengut ist für uns immer ein Problem, egal, gegen wen es sich wendet“, machte Simovich klar. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sich dem entschlossen entgegenzustellen. Das gelinge nur im freundschaftlichen Austausch. Diesen zu fördern, sei Teil ihrer Aufgabe. Damit Sandra Simovich auch die Stadt Backnang in freundschaftlicher Erinnerung behält, bedachte OB Frank Nopper seinen Ehrengast auch mit ein paar Backnang-spezifischen Geschenken und lud sie zudem ein, am Jahrestag der Reichspogromnacht in Backnang eine Rede zu halten. An einem für Israel so bedeutenden Datum sei sie sehr gefragt. Aber so es sich einrichten lasse, komme sie gerne, antwortete Simovich ganz diplomatisch.

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Erstellt:
14. August 2018, 06:00 Uhr

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