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Uroma Inge liebt den Trubel

Die 86-jährige Inge Otto aus Backnang hat 12 Enkel und 16 Urenkel – Bei ihrer Geburtstagsfeier war die ganze Großfamilie mit dabei

Im Alter von 86 Jahren schreibt Inge Otto noch WhatsApp-Nachrichten und ist geistig topfit. Vergangenen Sonntag feierte die Seniorin Geburtstag: Überglücklich, denn alle 12 Enkel und 16 Urenkel feierten mit.

Inge Otto freut sich immer, wenn sie ihre Verwandten um sich hat. Bei der Geburtstagsfeier im Gemeindezentrum in Allmersbach am Weinberg war die Großfamilie komplett. Foto: A. Becher

© Tobias Sellmaier

Inge Otto freut sich immer, wenn sie ihre Verwandten um sich hat. Bei der Geburtstagsfeier im Gemeindezentrum in Allmersbach am Weinberg war die Großfamilie komplett. Foto: A. Becher

Von Heidrun Gehrke

BACKNANG. „Bei euch ist immer was los“, bekommt Yvonne, eines der zwölf Enkelkinder, immer wieder zu hören. „Wir leben es eben auch“, meint Hannelore, eines der fünf Kinder von Inge Otto. Beim Termin mit der Zeitung sind neben Tochter Hannelore auch vier Enkel sowie die Urenkel Tim, Laura, Finn und Mira dabei. Die Jubilarin wirkt ganz gelassen im Kreis ihrer Liebsten, beim größten Gewusel behält sie die Ruhe: „Sie braucht Leute um sich rum, da lebt sie richtig auf“, sagt Enkelin Melanie Kirsten. Schon in vergleichsweise kleiner Runde lässt sich ahnen, wie lebhaft es bei ihrem Geburtstag war, als 50 Personen gemeinsam die Familienälteste bei einem guten Essen hochleben ließen. Ein Erlebnis alleine die Zeremonie, bis sie alle umarmt und begrüßt hatte...

Kinder spielen Modenschau mit Omas alten Kleidern

Auch wenn es heutzutage immer seltener wird: Bei Inge Otto lebt die Großfamilie. Die elfjährige Urenkelin Laura musste es einer Schulfreundin erst erklären: „Sie meinte, dass das doch unmöglich ist, bei der Uroma Mittag zu essen“, berichtet sie. Dass es funktioniert, weiß Tim: Er kommt einmal pro Woche zum Essen. Wie schon für Mutter Melanie Kirsten steht auch für ihn regelmäßig das Leibgericht auf dem Tisch: Schnitzel mit Omas Kroketten. Früher hat Inge Otto die Kroketten aus frischen Kartoffeln noch selber gemacht. Seit der Diagnose Osteoporose muss sie kürzertreten. Aber sie strickt noch gern: Bei ihrer Geburtstagsfeier hat sie jedem eine selbst gestrickte Fingerpuppe mit lustigen Gesichtern überreicht. Fünf Wochen war sie in Kurzzeitpflege. „Wir hatten Sorge, dass sie dort vielleicht bleibt“, erzählt Melanie Kirsten. Doch die Seniorin hat sich aufgerappelt. „Immer die Urenkele sehen, das hält auf Trab und lebendig“, sagt Inge Otto schmunzelnd. Die Augen leuchten und ihre Mundwinkel zucken verschmitzt, wenn sie über ihre Kinder und die Enkel- und Urenkelschar spricht. Der Zusammenhalt stimmt, alle sind um sie bemüht, lesen ihr jeden Wunsch von den Augen ab, kümmern sich, schauen täglich nach ihr und legen für sie die Wäsche zusammen.

Der 16-jährige Urenkel Tobi durfte ihr vor zwei Monaten sogar das Smartphone erklären. „Meine Geburtstagsgrüße hab ich hier drin erhalten“, erzählt die 86-Jährige und hält stolz ihr „Apparätle“ hoch. „Sie hat sich lang gesträubt, aber jetzt ist sie begeistert unterwegs“, erzählt Enkelin Melanie. „Ja, und seitdem kommt ihre Order, die Wäsche aus dem Trockner zu holen, per WhatsApp“, ergänzt Hannelore und alle lachen herzhaft.

Inge Otto ist geistig topfit und gesegnet mit der Fähigkeit, sich Zahlen merken zu können. „Sie vergisst keinen Geburtstag und weiß alle unsere Telefonnummern auswendig“, erzählt Enkelin Melanie Kirsten lachend. Was bei der Personenzahl eine Sensation ist. Es schwingt viel Bewunderung für die Mutter, Großmutter und Urgroßmutter mit, zu der alle „immer kommen können“, wie Enkelin Nadja festhält. Sie weiß noch genau: „Weil die Oma nur eine Straße entfernt wohnte, haben wir Kinder auch mal ganz spontan bei ihr übernachtet.“

Die Enkel hatten ein Lieblingsspiel, das nur bei der Oma ging: „Wir machten Modenschau mit Omas alten Kleidern, Hüten und ihrem Modeschmuck“, schwelgen sie in Erinnerungen. Auch Urenkel Tim hat ein Uroma-Lieblingsspiel: Das Kartenspiel Skip-Bo. „Es ist immer toll und lustig mit ihr, und ich hoffe, dass es noch lange geht“, sagt der 14-Jährige. Inge Otto liest viel und macht Kreuzworträtsel, das halte sie vital. Von ihr bekommt man auch immer eine Antwort auf die Frage, was im Städtle los ist. Denn seit 51 Jahren ist Inge Otto Abonnentin der Backnanger Kreiszeitung. „Ich täte auf fast alles verzichten, aber nicht auf die Tageszeitung“, sagt sie.

Zwei weitere Urenkel sind schon unterwegs

Mit ihrer eigenen Biografie könnte sie locker eine Zeitungsseite füllen. Einige Eckdaten hat sie von Hand aufgeschrieben. Es sind persönliche Zeilen einer bewegenden Lebensgeschichte: Die Heimat im Sudetenland verlassen, nach Backnang-Strümpfelbach gekommen, ihren Mann kennengelernt, Hochzeit, Kinder. Klein angefangen, beide im Schichtdienst tätig, damit immer jemand zu Hause war. Als die jüngste Tochter acht Jahre alt war, konnten sie ihr erstes Auto kaufen: einen gebrauchten VW Käfer. In den Urlaub gingen sie zum ersten Mal, als alle fünf Kinder verheiratet waren.

Der Tod ihres Mannes, mit dem sie 66 Jahre verheiratet war, war für sie kaum zu verkraften. „Trösten können mich nur meine Kinder, Enkel und Urenkel“, schreibt sie. Künftig werden noch mehr mit ihr am Tisch sitzen: Für Mai und Juni sind die Geburtstermine der Urenkel Nummer 17 und 18 errechnet.

Info
Großfamilien gesucht

Ist Ihre Familie genauso groß wie die von Inge Otto oder sogar noch größer? Dann lassen Sie unsere Leser daran teilhaben und erzählen Sie uns Ihre Geschichte. Schreiben Sie uns einen Brief oder eine
E-Mail. Unsere Redaktion wird sich dann bei Ihnen melden.

Sie erreichen uns per E-Mail unter redaktion@bkz.de oder per Post an die Backnanger Kreiszeitung, Postgasse 7, 71522 Backnang. Bitte geben Sie das Stichwort „Großfamilie“ an sowie eine Telefonnummer, unter der sie erreichbar sind.

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Erstellt:
3. Mai 2019, 06:00 Uhr

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