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US-Bezahldienst Paypal: Das sind europäische Alternativen

Nach den großen Paypal-Problemen suchen immer mehr Nutzer nach anderen Bezahlanbietern. Dabei fällt auf: Alternativen, vor allem aus Europa, sind rar.

Wero ist das europäische Pendant zu Paypal, Google Pay und Apple Pay.

© Imago/Arnulf Hettrich

Wero ist das europäische Pendant zu Paypal, Google Pay und Apple Pay.

Von Jelena Maier

Paypal sorgt zurzeit nicht primär für einfache Zahlungsabwicklungen, sondern vor allem für Chaos und Verunsicherung: Erst das Datenleck, bei dem ein Hacker im Darknet mehr als 15 Millionen Nutzerdaten anbot, und kurz darauf der Ausfall der Sicherheitssysteme, der deutsche Banken zwang, milliardenschwere Lastschriften zu stoppen.

Mehr als 30 Millionen Deutsche, also mehr als jeder Dritte, nutzen Paypal, doch es gibt kaum andere Bezahldienste. Verbraucherschutzpolitiker fordern deshalb nun mehr europäische Zahlungs-Alternativen zu der US-App.

Wenige europäische Alternativen zu Paypal

„Der Ausfall bei Paypal macht deutlich, wie verletzlich unser Zahlungsverkehr ist, wenn zu wenige Anbieter den Markt prägen“, erklärte Susanne Hierl, verbraucherpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. „Wir brauchen mehr Wettbewerb und verlässliche Alternativen, damit Verbraucher und Mittelstand nicht von einem einzigen Dienst abhängen“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Hinzu kommt die Gefahr, dass die US-Dominanz über globale Zahlungsdienstleistungen von der Regierung von US-Präsident Donald Trump strategisch für politische Zugeständnisse ausgenutzt werden könnte.

Wero: App der European Payments Initiative

Bereits seit 2005 wurde Giropay, ein Online-Bezahlverfahren von Teilen der deutschen Kreditwirtschaft, aufgebaut. Im Jahr 2024 wurde diese erste europäische Alternative zu PayPal jedoch eingestellt. Dennoch existieren weiterhin einige andere Bezahldienste, die sichere Online-Zahlungen ermöglichen – auch wenn ihre Zahl begrenzt ist.

Vor allem die Giropay-Nachfolgerapp Wero, mit der zahlreiche europäische Banken gemeinsam einen neuen Anlauf wagen, gilt als erfolgsversprechend. Das Kunstwort des Namen setzt sich zusammen aus englisch „we“ (wir) und „Euro“.

Nicht alle Banken bieten Zahlungen mit Wero an

Der Dienst ermöglicht es, Geld ohne IBAN zu senden und zu empfangen – allein mithilfe einer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, so wie bei Paypal. Wero zählt in Deutschland laut Medienberichten rund 1,8 Millionen registrierte Nutzer und mehr als 42 Millionen Kunden europaweit.

Das sind im Vergleich zu Paypal sehr wenige Kunden, was auch daran liegt, dass nicht alle Banken die App anbieten. In Deutschland gibt es Wero bei den Sparkassen, Volksbanken und der Postbank bereits seit letztem Jahr für Zahlungen von Smartphone zu Smartphone.

Die ING hat den Dienst Ende August 2025 eingeführt; die Deutsche Bank will den ihn erst im Herbst einbinden. (Noch) nicht an Wero beteiligen sich die DKB, Commerzbank und N26.

Online-Shopping ist mit Wero nicht möglich

Außerdem kann Wero derzeit ausschließlich von Privatpersonen zum Senden und Empfangen von Geld genutzt werden. In Zukunft sollen jedoch weitere Funktionen folgen – etwa das Bezahlen im Ladengeschäft oder beim Online-Shopping.

Zudem sollen weitere Funktionen eingeführt werden, wie Ratenzahlungen, die Integration von Händler-Treueprogrammen und die Verwaltung von Abos und regelmäßigen Zahlungen.

Klarna: Zahlungsanbieter für Online-Einkäufe

Neben Wero gibt es in Europa noch den schwedischen Anbieter Klarna. Anders als bei Paypal und Wero ist es hier allerdings nicht möglich, Geld von Kunde zu Kunde zu senden.

Klarna führt den Kauf zwischen Kunde und Händler in der Regel per Rechnung durch, bietet jedoch auch die Option der Sofortüberweisung. Im Gegensatz zu Wero werden dabei alle deutschen Banken unterstützt.

Bekannt wurde Klarna vor allem für eine Bezahlmethode im Onlinehandel: den Rechnungs- und Ratenkauf, auch „Buy now, pay later“ (BNPL) genannt. Ab Versand der Ware haben Kunden 30 Tage Zeit, ihre Rechnung zu begleichen.

Beliebt bei Klarna: „Jetzt kaufen, später zahlen“

Das verschafft ihnen einen zeitlichen Puffer, um die Ware vor der Bezahlung zu erhalten und in Ruhe zu prüfen. Bei Problemen oder Unstimmigkeiten mit dem gelieferten Produkt lässt sich die Rechnung laut Klarna pausieren, bis der Fall mit dem Händler geklärt ist.

Verbraucherschützer und Schuldenberatungen warnen jedoch regelmäßig vor den Risiken dieser Bezahlmethode: Wer bei Klarna per Rechnung oder in Raten zahlt, nimmt faktisch einen Kredit beim Zahlungsdienstleister auf. So entsteht oft – mitunter sogar parallel zu anderen Finanzierungen – eine Schuldenlast.

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Erstellt:
29. August 2025, 16:46 Uhr

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