US-Notenbank vor Straffung lockerer Geldpolitik

dpa Washington. Nach ihren enormen Hilfsprogrammen in der Corona-Krise will die US-Notenbank damit beginnen, ihre Geldpolitik zu straffen. Ein erster Schritt wäre die Drosselung ihrer konjunkturstützenden Anleihekäufe.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) berät angesichts einer robusten Wirtschaftsentwicklung und einer hohen Inflationsrate über eine Straffung ihrer Geldpolitik. Foto: J. Scott Applewhite/AP/dpa

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) berät angesichts einer robusten Wirtschaftsentwicklung und einer hohen Inflationsrate über eine Straffung ihrer Geldpolitik. Foto: J. Scott Applewhite/AP/dpa

In den USA steht angesichts relativ hoher Inflation und soliden Wirtschaftswachstums der Beginn des schrittweisen Ausstiegs aus der ultralockeren Geldpolitik bevor.

Experten erwarten, dass die Federal Reserve (Fed) am Mittwoch (19.00 Uhr MEZ) eine Drosselung ihrer milliardenschweren Wertpapierkäufe ankündigen wird. Am Leitzins, der in der extrem niedrigen Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent liegt, dürfte sich hingegen zunächst nichts ändern. Mit Spannung wird an den Finanzmärkten erwartet, wie sich die Währungshüter zur ungewöhnlich hohen Teuerungsrate äußern werden.

Die Fed kauft derzeit monatlich für rund 80 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen sowie hypothekengesicherte Wertpapiere im Wert von 40 Milliarden Dollar. Das Programm soll die Liquidität der Finanzmärkte verbessern und die Bereitstellung von Krediten für Haushalte und Firmen erleichtern. Notenbankchef Jerome Powell signalisierte Ende Oktober erneut das Auslaufen des Programms. „Wir sind auf dem besten Weg, mit der Reduzierung unserer Anleihekäufe zu beginnen“, sagte er. Das sogenannte Tapering solle Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein, falls sich die Wirtschaft in etwa wie erwartet entwickle.

Anhebung der Leitzinsen kein Thema

Die Fed hatte auf die Corona-Krise mit einer extremen Lockerung ihrer Geldpolitik reagiert, um Konjunktur und Arbeitsmarkt der weltgrößten Volkswirtschaft zu stützen. Die Drosselung der Anleihekäufe wäre der erste Schritt dahin, die geldpolitischen Zügel zu straffen. Eine Anhebung der Leitzinsen gilt indes noch nicht als akutes Thema, doch die rapide gestiegene Inflation erhöht auch hier den Druck auf die Fed. Bei Anlegern dürften jegliche Signale zum Timing möglicher Zinsschritte für große Aufmerksamkeit sorgen. Zuletzt hatte etwa der Hedgefonds-Manager Bill Ackman die Fed zu raschem Handeln aufgerufen.

Die US-Wirtschaft hat sich eigentlich gut von der Krise erholt. In den Sommermonaten verlor das Wachstum aber wegen Lieferengpässen in der Industrie und steigender Corona-Fallzahlen deutlich an Schwung. Die Arbeitslosenquote fiel im September auf 4,8 Prozent - allerdings verbesserte sie sich nicht so rasch wie von der Regierung erhofft. Arbeitgeber klagen unterdessen in vielen Branchen bereits über einen Mangel an Bewerbern. Vor der Pandemie hatte die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent gelegen - dem niedrigsten Wert seit Jahrzehnten.

Größere Sorgen dürften der Notenbank derzeit steigende Inflationsrisiken bereiten. Die anhaltenden Lieferprobleme im Welthandel deuten mittlerweile immer stärker darauf hin, dass die deutlich erhöhte Teuerung kein - wie von der Fed zunächst angenommen - relativ rasch vorübergehendes Phänomen ist. Das räumte Powell Ende Oktober selbst ein. Die globalen Engpässe in der Versorgungskette, die zu einer erhöhten Inflation geführt hätten, „werden voraussichtlich länger dauern als bisher erwartet, möglicherweise bis weit ins nächste Jahr hinein“, sagte der Notenbankchef damals.

© dpa-infocom, dpa:211103-99-843620/2

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Erstellt:
3. November 2021, 07:32 Uhr

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