Uwe Hück – ist Pforzheim nur ein Testlauf für den Landtag?

Für die SPD ist die Kandidatur des ehemaligen Porsche-Betriebsrats bei der Kommunalwahl Chance und Risiko

Seitenwechsel - Die Kandidatur des Sozialpopulisten in Pforzheim könnte ein Testlauf für den Landtagwahlkampf sein. Dies ruft auch Skeptiker in seiner Partei auf den Plan.

Pforzheim Es sagt auch etwas über die Misere der SPD Baden-Württemberg aus, dass sie den früheren Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück mit dem Spitzenplatz zu den Kommunalwahlen in Pforzheim belohnt – nachdem er ihr kurz zuvor noch den Kampf angesagt hatte. Mit einer „Liste Hück“ wollte er gegen die Sozialdemokraten antreten. Dann ließ er sich von Landeschef Andreas Stoch und dem früheren Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel eines Besseren belehren. Das Manöver ging so schnell vonstatten, dass Skeptiker unter den Genossen kein ­Gehör mehr fanden. Doch sie werden sich womöglich noch zu Wort melden.

Die Entscheidung, Hück nicht nur zu re­integrieren, sondern gleich zum Aushängeschild zu machen, ist auch ein Krisenzeichen. Die SPD will endlich wieder konstruktive Oppositionspolitik machen – mit dem Volksbegehren zu kostenfreien Kita-Plätzen etwa, dessen Unterschriften an diesem Dienstag dem Innenministerium übergeben werden. So wollte sich die Partei nach dem personellen Neuanfang nicht schon wieder einen offenen Konflikt leisten. „Du bringst Unruhe in die SPD“, habe Stoch ihn ermahnt, schildert Hück und fügt einsichtig hinzu: „Unter Freunden sollte man auch zuhören.“

Die Landesführung hat sich diese Situation nicht ausgesucht, sieht darin nun aber eine Chance: Hück engagiert sich seit Jahren mit viel Einsatz für junge Pforzheimer, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Bei denen hat er sich Respekt verschafft, weil er ähnliche Lebenserfahrungen gesammelt hat und ihre Sprache spricht. Sein Engagement ist trotz des gut dotierten Porsche-Jobs glaubwürdig. Hück ist authentisch, er vertritt seine Sache mit Leidenschaft und hat sich auch damit über die eigenen Reihen hinaus einen Namen gemacht. Folglich mutmaßt mancher Genosse, dass Pforzheim nur ein Testlauf ist: Wenn der Sozialpopulist und Kümmerer Hück, mit Hilfe der Gewerkschaften etwa, der AfD in deren Hochburg den Rang abläuft, dann könnte es ihm auch im Land gelingen. Mancher wähnt einen Deal: Sollte Hück im Mai erfolgreich sein, erhält er einen guten Listenplatz bei den Landtagswahlen 2021.

Auf Dauer dürfte ihm die kommunalpolitische Bühne zu klein sein. Hück führt, wie von Porsche und Tarifkämpfen seiner IG Metall gewohnt, gern das große Wort. Selbst US-Präsident Donald Trump wollte er schon treffen, um ihm die Sichtweise der deutschen Automobilbauer anzutragen. Daraus ist noch nichts geworden. Schon früher hat er mit politischen Ämtern kokettiert, und einige Spitzengenossen – wie sein Freund Sigmar Gabriel – haben ihn gelobt, aber niemand hat Hück ernsthaft gerufen. Hat er die SPD jetzt einfach überrumpelt?

Uwe Hück im Landtag – da dürfte man auf Überraschungen gefasst sein. Bei dem Thaiboxer weiß man nie, welchen Spruch er als Nächstes heraushaut. Fraktionsdisziplin kennt er nicht. Bei Porsche hatte er ein eigenes kleines Reich, in dem er dem Umfeld seinen autoritären Stil aufdrückte, wie Insider schildern. Hück sah sich stets auf Augen­höhe mit den Vorstandsbossen, was ihn für ­Beratung eher resistent gemacht hat.

Der 56-Jährige ist wendig, was er nach den diversen Führungswechseln bei Porsche demonstriert hat – aber auch unberechenbar. Wenn die SPD so weitermache wie bisher, werde sie ihr Erbe vernichten, hat er vor Tagen noch gewarnt. Zur Parteiführung im Bund etwa äußert er sich kritisch. Seinen Wechsel sieht er als Signal, um den Genossen zu zeigen, wie es wirklich geht. Sein Anspruch ist es, Staub aufzuwirbeln, damit man ihn wahrnimmt. Der eine oder andere Querschläger ist daher einzukalkulieren.

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.uwe-hueck-tritt-fuer-die-spd-an-sturmtief-uwe-kommt-ueber-pforzheim.13deaaff-031b-46c1-b9a1-5f1b838c0747.htmlhttps://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.ex-porsche-betriebsratchef-uwe-hueck-tritt-in-pforzheim-fuer-spd-an.c06c62e5-a72a-4903-bbf5-fb60e1d1d8d8.html

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Erstellt:
12. Februar 2019, 03:04 Uhr

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