EU-Parlament

Veggie-Burger darf weiter Burger heißen

Brüssel hat entschieden, dass vegetarische Erzeugnisse auch in Zukunft wie Fleischprodukte bezeichnet werden dürfen.

Pflanzliche Varianten zu Hühnchen, Ente, Wurst  und Co finden sich mittlerweile in vielen Supermarktregalen.

© /Bihlmayerfotografie

Pflanzliche Varianten zu Hühnchen, Ente, Wurst und Co finden sich mittlerweile in vielen Supermarktregalen.

Von Knut Krohn

Veggie-Burger dürften auch in Zukunft Veggie-Burger heißen. Am Donnerstagabend haben sich Vertreter aus dem Europaparlament und dem Rat der 27 EU-Staaten darauf geeinigt, dass vegetarische Fleischersatzprodukte weiter Burger oder Wurst genannte werden dürfen. Verboten sind aber Namen wie Veggie-Hühnchenschenkel. Also spezifischere Bezeichnungen für Tiere oder Teile von Tieren. Dazu zählen etwa auch Rind- oder Schweinefleisch und Rinderhüfte. Auch das Wort Leber – wie in Leberwurst – oder die französische Bezeichnung „Foie“ sind für vegetarische Produkte untersagt.

Nicht wenige EU-Abgeordneten haben den Streit über die Bezeichnung Veggie-Burger mit Unverständnis verfolgt. „Wir sollten die Verbraucher nicht für dumm verkaufen. Wenn auf einem Produkt vegetarisch oder vegan steht, dann weiß jeder halbwegs intelligente Mensch, dass es sich nicht um Fleischprodukte handelt“, sagte der CDU-Europaparlamentarier Peter Liese nach der Entscheidung.

EVP-Parlamentarierin will Bauern schützen

Allerdings war es eine Kollegin aus seiner konservativen EVP-Fraktion, die die den Streit über die korrekte Bezeichnung von vegetarischen Fleischersatzprodukten als zuständige Berichterstatterin mit dem entsprechenden Antrag im Parlament vorangetrieben hatte: Céline Imart hatte ein weitreichendes Verbot vorgeschlagen. Die Französin wollte nach eigener Aussage mit einer ehrlichen Etikettierung nicht nur die Landwirte schützen, sondern auch eine kulinarische Tradition verteidigen. „Ein Steak ist aus Fleisch gemacht – Punkt“, betonte sie immer wieder.

Deutschland hatte sich im Rat schon früh positioniert und lehnte ein Verbot ab. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) erklärte zwar, ein Schnitzel sei für ihn persönlich immer Fleisch. Er folgte aber der Linie der Verbraucherorganisationen: Verbraucherinnen und Verbraucher wüssten selbst am besten, was sie im Supermarkt kaufen.

Deutsche Wirtschaft: Bezeichnungen geben Kunden Orientierung

Widerstand gegen ein Verbot von Begriffen wie Veggie-Burger kam auch aus der deutschen Wirtschaft. Bereits im Oktober des vergangenen Jahres hatten sich zahlreiche Unternehmen vor einer mitentscheidenden Debatte im EU-Parlament in einem offenen Brief an die Abgeordneten gewandt. Zu den Unterzeichnern zählten große Handelsunternehmen die Lidl und Aldi Süd, der Hersteller Rügenwalder Mühle oder auch die Fast-Food-Kette Burger King Deutschland. Sie argumentierten, dass Studien belegen würden, dass Verbraucher nicht verwirrt würden – ganz im Gegenteil. Die vertrauten Begriffe würden den Kunden eine Orientierung geben. Sie würden ihnen nämlich dabei helfen einzuschätzen, was in Bezug auf Geschmack und Konsistenz von einem Produkt zu erwarten ist.

Der Lobby-Think-Tank Good Food Institute erklärt, dass Deutschland mit rund 760 Millionen Euro der mit Abstand größte Markt für pflanzliche Fleischalternativen in Europa sei und zudem in erheblichem Umfang für den Export in die EU-Länder produziere. Das bedeute, dass deutsche Betriebe von der Veränderung der bisher geläufigen Bezeichnungspraxis überproportional betroffen wären.

Sozialdemokraten und Grüne spotten über „Kulturkampf“

Viele Europaparlamentarier ärgerten sich darüber, dass wegen des EVP-Antrages in den vergangenen Monaten vor allem über die Bezeichnung von vegetarischen und veganen Produkten gestritten wurde. Denn eigentlich gehe es um die Stärkung der Landwirte in der Lieferkette und die Pflicht zu faireren Lieferverträgen mit den Supermarktketten. Diese Entwicklung hätten sich die Christdemokraten aber selbst zuzuschreiben, kritisierten Sozialdemokraten und Grüne im EU-Parlament. Sie spotteten, die EVP habe mit ihrem Vorgehen einen konservativen Kultur-Kampf um Veggie-Burger vom Zaun gebrochen. Der österreichische Parlamentarier Thomas Waitz, der für die Grünen an den Verhandlungen beteiligt war, sagte am Donnerstagabend nach der Einigung, die Konservativen „zementieren ihren Fleischfetischismus in ein EU-Gesetz“, anstatt sich um die wirklichen Belange der Landwirte zu kümmern.

Aber auch in diesem Fall gilt der Satz: Nach dem Streit ist vor dem Streit. Denn die am Donnerstag gefällte Entscheidung gilt nur bis Ende 2027. Bis dahin ist ohnehin eine Reform der Regeln der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU fällig. Im Zuge der Neuauflage dürfte die Diskussion über Burger und Schnitzel erneut aufflammen.

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Erstellt:
5. März 2026, 19:42 Uhr

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