Vereine sind wichtiger Aspekt der Integration

Vor allem junge Flüchtlinge knüpfen über Vereine wichtige Kontakte, doch es gibt auch einige Herausforderungen.

Sport, insbesondere Fußball, die weltweit beliebte Sportart, kann die Integration fördern. Foto: A.Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Sport, insbesondere Fußball, die weltweit beliebte Sportart, kann die Integration fördern. Foto: A.Becher

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Vereine bieten Flüchtlingen ideale Voraussetzungen für eine rasche Integration in die Gesellschaft. „Neben der Sprache ist das eine der wichtigsten Facetten“, sagt Martina Klenk vom Arbeitskreis Asyl Backnang. Gemeinsames Trainieren, Spielen und Feiern gehört zum Vereinsleben dazu. Das Wichtigste für Geflüchtete sei es, Kontakte zu knüpfen, nicht isoliert zu sein. Das sei besonders wichtig für Geflüchtete, die ganz alleine nach Deutschland gekommen sind, ohne ihre Familie oder Bekannte. „Aber auch für Kinder ist es gut, wenn sie mit Gleichaltrigen spielen und dort Kontakte knüpfen“, sagt Klenk. Nicht nur das Erlernen der Sprache falle im Gebrauch viel leichter, auch das Kennenlernen von kulturellen Gebräuchen sei in einem Verein einfach zu erlernen.

Besonders Fußball bietet sich für die Integration sehr gut an.

Dabei bietet sich Sport besonders an, besonders Fußball ist überall auf der Welt eine beliebte Sportart, die Regeln sind in allen Sprachen gleich und zum Kicken wird nicht viel mehr als ein Ball benötigt. Da seien die Hürden für Flüchtlinge in anderen Vereinen doch höher. „In Kunst- oder Musikschulen steht man Flüchtlingskindern zwar auch sehr offen gegenüber, aber es wird eben doch ein gewisser Betrag fällig, ob für Unterricht oder Instrumente. Das ist für viele Familien finanziell einfach schwieriger“, sagt Rosmarie Uresch-Kramer. Sie ist seit vielen Jahren im Backnanger Arbeitskreis Asyl engagiert und unterstützt besonders auch bei der Vermittlung von jungen Flüchtlingen an Vereine. Die meisten seien zwar am Fußballspielen interessiert, aber es gab auch schon Erfolgsgeschichten in anderen Vereinen. So erzählt sie von einem Jungen, der lange beim THW war, bevor er umgezogen ist. „Das THW hat junge Flüchtlinge da sehr gut aufgenommen und unter die Arme gegriffen. Sie haben die ganz normale Ausbildung mitgemacht, Urkunden bekommen, die Sommerangebote genutzt.“

Auch beeindruckt war die ehrenamtliche Helferin vom FC Viktoria Backnang. „Da waren Flüchtlinge ohne Wenn und Aber herzlich willkommen. Es gab kein großes: Woher kommst du, warum bist du anders?“ Auch habe der Verein immer wieder bei organisatorischen Aufgaben unterstützt wie beim Finden einer Wohnung. Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien eine Möglichkeit zum Fußballspielen zu geben, ist beim FC Viktoria Backnang selbstverständlich, sagt auch Horst Liebentritt, der sich um den Spielbetrieb der Junioren kümmert. Seit einiger Zeit läuft außerdem ein Projekt an der Mörikeschule, bei dem Trainer des FC Viktoria einmal pro Woche Sport mit Kindern mit und ohne Fluchterfahrung gemeinsam machen. „Einige davon kommen dann auch zum Fußballspielen zu uns in den Verein.“ Dadurch seien viele schon aus der Schule befreundet. In der Mannschaft setzten sich die Trainer aber noch weiter dafür ein, dass die Jungen Freundschaft schließen, egal, wo sie ursprünglich herkommen. Doch nicht immer läuft das ganz problemlos. „Es gibt Einzelfälle, wo es auch mal zu Problemen kommt“, so Liebentritt. So merke man in bestimmten Situationen, dass Jugendliche von zu Hause aus sehr gesteuert werden und versuchen, sich verbal durchzusetzen. „Aber das dulden wir bei keinem, in solchen Fällen gibt es auch Konsequenzen.“ Der Verein sucht dann das Gespräch mit den Eltern, versucht zu verstehen, warum es zu Problemen gekommen ist, und diese dann intern zu lösen. Gelingt das nicht, scheuen die Trainer auch vor einem Trainingsausschluss nicht zurück. „Aber das ist sehr selten. Vor allem, wenn die Kinder noch kleiner sind, gibt es gar keine Probleme.“ Aus Flüchtlingsfamilien sind es hauptsächlich Kinder, die in Vereinen den Anschluss suchen. Ab sechs Jahren können sie beim FC Viktoria das Kicken üben. Dabei geht es aber um mehr als nur den Sport. Bei Feiern und Veranstaltungen sind alle mit dabei. „Es gehört ja jeder zum Team dazu“, sagt Liebentritt.

Doch nicht jeder Backnanger Verein hatte immer diese Einstellung. Als 2015 und 2016 viele Menschen nach Deutschland und auch nach Backnang geflohen sind, war nicht jeder Verein so aufnahmebereit. „Einige Vereine waren zunächst sehr zurückhaltend“, erinnert sich Martina Klenk vom Arbeitskreis Asyl Backnang. Man habe viel mit den Vereinsverantwortlichen sprechen müssen, um die Aufnahme zu ermöglichen. „Oft kam zuerst die Frage ‚Was hat derjenige für Fähigkeiten, ist der auch gut genug?‘, anstatt die jungen Leute einfach zu einem Probetraining kommen zu lassen.“ Mittlerweile habe sich die Einstellung vieler Vereine aber deutlich verändert.

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Erstellt:
5. Dezember 2020, 16:00 Uhr

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